Die Demo in Pisselberg vom 03.12.200

Tag "B" wie "Brücke" im Wendland

Sisyphusarbeit für mehere 100 Polizisten - Schienen lassen sich nicht schützen

Da war mal wieder "Großeinsatz" im Wendland angesagt. Die örtliche Anti-Atom-Bewegung hatte zum "Tag B" wie Brücke aufgerufen, mit entsprechender Resonanz. Mehere hundert Polizei- und Grenzschutzbeamte waren aufgeboten, um die etwa 500 "Nikoläuse" von den Gleisen, der Brückenbaustelle und was ihnen sonst auch immer als "Gefährdetes Gebiet" einfiel, zu vertreiben.

Allein, so einfach geht es nicht. Bei der wohl ersten "Demo" auf einem Deich waren die Herren in Grün noch in der Jeetzelniederung verstreut, als die ersten Weißbärte den Bahndamm, auf dem im März der CASTOR wieder rollen soll, ereichten, waren in unmittelbarer Nähe nur ein paar Hände voller BGS-ler verfügbar; das beliebte Hase- und Igel-Spiel, wer schneller auf der Schiene ist, nahm seinen üblichen Verlauf. Es ist eben nicht möglich, auch nur einen Kilometer Gleisstrecke, auch mit 1000 "Bullen" nicht, abzuriegeln. Wenn der Transport dann "rollen" soll, sind allein von Lüneburg aus weit mehr als 50 Kilometer zu "schützen".

Irgendwann muß dann die Einsatzleitung ausgerastet sein, aus unerfindlichen Gründen stürmte eine Polizeitruppe ohne weiteren Anlaß aus dem Gelände und prügelte brutal auf die friedlichen Schienenspaziergänger ein. Ganz junge, aber auch ganz alte Menschen wurden Opfer der Attacke, selbst ein Krückstock stellte keine Hemmung dar. Die Medien hatten wieder ihre Bilder im Kasten...

Psychologisch betrachtet, kann man die Schlagstock-Attacke vielleicht nachvollziehen, haben doch auch die Bauern der "Notgemeinschaft" gezeigt, wem das "Wendland" gehört: Fassungslos mußte die Polizeitruppe miterleben, wie der Einfallsreichtum der Landwirte mit einfachen Mitteln einen "Brückenschlag" zur anderen Seite der Jeetzel möglich machte. Und auf dem am besten bewachten Flüßchen Deutschlands fand an gleicher Stelle eine "Schlauchboot-Demonstration" statt...

Hubschrauber und Hundertschaften rasten im der Jeetzel-Niederung hin und her, von der Brückenbaustelle zum Verladekran, zurück nach Kähmen, wo eine Handvoll Menschen der "Kundgebung" zur Aufstellung eines Bauschildes beiwohnte, das die Deutsche Bahn AG sich erspart hat. Finanziert wird die 7 Mio. teuer Brücke bekanntermaßen von der BLG, der "Brennelemente Lagergesellschaft" in Gorleben. Die alte, unter Denkmalschutz stehende Brücke aus dem Jahr 1872 wird durch ein 08-15 Stahlungetüm ersetzt, das sich überhaupt nicht in die Landschaft einfügt - aber dafür auch unter CASTOR-Six-Packs nicht zusammenbricht.

Die Nervosität der Polizei und deren Massenaufgebot läßt schlimmes Ahnen, wenn man an den Transport im März denkt. Der "Rechtsstaat" ist beeits jetzt außer Kraft gesetzt. Wer auf den Wiesen und Feldwegen im Umkreis von Seerau spazierengehen will, darf nicht. Auch Hunderte Meter von der "Brückenbaustelle" entfernt wird der Durchgang verwehrt, mit dem Hiweis auf ein "gefährdetes Gebiet" - ohne konkrete Gefahren benennen zu können, sperren Grenzschutz- und Polizeibeamte auch Einwohnern des Landkreises die Wege, drohen mit "Platzverweisen".

Daß die Demokratie dem Rot-Grünen Atomstaat weicht, ist im letzten Monat endgültig deutlich geworden. Um für die Polizei eine Fußgängerbrücke zwischen beiden Ufern der Jeetzel an der Baustelle zu bauen, hat das Bundesinnenministerium grundgesetzwidrig schon mal um Amtshilfe beim Verteidigungsministerim gebeten, damit Pioniereinheiten der Bundeswehr diese Aufgabe wahrnehmen. Das Amtshilfeersuchen wurde jedoch nach 3 Tagen wieder zurückgezogen.

Der "Deutsche Herbst" ist lange her. In der "Großen Koalition" gab es keine Opposition mehr. In der Rot-Grünen Koalition kann der Ex-Grüne Otto Schily durchsetzen, was sich selbst ein Kanther nicht hätte erlauben können. Und so steht zu befürchten, daß beim nächsten CASTOR-Tranport nicht nur Bundesgrenzschutz, sondern auch Bundeswehr eingesetzt wird, um Straße und Schiene freizuprügeln - oder gar freizuschießen???

Wir werden sehen. Eines gilt im Wendland jedenfalls auch im Jahr 2001:

WIR STELLEN UNS QUER! ÜBERALL!

 

Bearbeitet am: 03.12.2000/ad


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