Ein Flugblatt
vom Oktober 2002

WIDERSETZEN

GROßE CASTOR-BLOCKADE

Mit dem Reif und dem November kommen auch wieder die Castoren.

Schon wieder! Als hätten wir in diesem fahr nicht schon genug Katastrophen gesehen! Ist es nicht endlich, mal genug? Müssen wir uns denn immer wieder widersetzen?

Die Elbeflut hat uns daran erinnert, dass es Gewalten gibt, die wir Menschen nicht im Griff haben. Und die wir, trotz aller Technik, nie im Griff haben werden.

Die Bedrohung hat in unseren Herzen ungeahnte Kräfte geweckt. Viele von uns haben Großes geleistet ' Der Sandsack ist ein Symbol für unsere verzweifelte Hoffnung geworden.

Was jetzt bald wieder auf uns zukommt, sieht vielleicht auf den ersten Blick harmlos aus. Weil es in große Büchsen verpackt ist. Weil es farblos ist, weil es nicht kreischt, weil es nicht stinkt. Die Flutwelle, die jetzt in Gestalt von zwölf Castorbehältern auf uns zurollt, enthält eine gefährlichere Substanz als wir uns jemals ausmalen können. Seine Lebensfeindlichkeit übertrifft die dunkelsten aller Phantasien.

Uns fehlt die Vorstellung von der Zerstörungskraft:; der entfesselten Radioaktivität. Tschemobyl ist zuweit weg, als dass das Leid von dort an die Mächtigen in unserem Land rühren könnte. Wer kann sich das Entsetzen von Hiroshima vorstellen, heute, ein Menschenleben danach? Und wer kann sich einen Zeitraum von 24.000 Jahren vorstellen, die Zeit in der Plutonium gerade mal die Hälfte seiner Gefährlichkeit verliert?

Manche sehen die Elbeflut dieses Sommers als eine Warnung. Für viele war es auch eine Art Ubung für den Tag X. Denn die nächste Katastrophe kommt jetzt! Im November. Am Tag X. Und an den Tagen zuvor. Wir werden wieder sehr viel Sand brauchen. Aber dieses Mal müssen wir selbst der Sand sein.

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Der Sand im Getriebe dieser lebensfeindlichen Maschine. Wir wollen die Zahnräder knirschen lassen! Dazu brauchen wir wieder die Männer und Frauen von der Feuerwehr. Wir brauchen den Mut der Einheimischen, und die Verwegenheit der Zugezogenen. Wir brauchen die Hilfe unserer Gäste aus nah, und fern. Wir brauchen Menschen, die auch im Dunkeln und bei Frost der Katastrophe trotzen. Weil es ernst wird, brauchen, wir viel Humor. Wir brauchen dich. Wir brauchen deine Ideen. Wir brauchen Menschen, die uns mit Essen und Wärme versorgen. Wir brauchen Ratsherren, Krankenschwestern und Schornsteinfeger, die sich für die Tage der atomaren Invasion arbeitsfrei nehmen. Die sich mit uns allen auf die Straße setzen.

Denn uns bleibt keine Wahl. Wenn wir uns nicht widersetzen, wird alles, was uns lieb und teuer ist, weggespült. Unsere Grundrechte. Unsere Demokratie. Die Freiheit der Bewegung, die Freiheit des Wortes. Das alles wird ins Atomklo - gespült werden.

Im Angesicht dieser Bedrohung haben wir keine andere Wahl. Wir müssen uns widersetzen. Wir müssen wieder in der ersten Reihe stehen, Aug in Auge mit der Angst. Ich weiß, das geht über unsere Kräfte. Aber leider. geht es nicht zuerst um uns oder unsere Kräfte. Es geht um das Leben. Es geht um die Enkel unserer Enkel. Diese Pflicht geht weit über uns und unsere kalten Füße hinaus.

Wenn wir Glück haben, werden die Castoren zu unseren Lebzeiten noch nicht brechen. Der Frieden aber ist schon heute gebrochen. Das Recht auf Leben ist schon heute in den Dreck getreten.

Wie oft noch müssen wir uns widersetzen? Wieder und wieder. Wir werden sehen.

Wir sehen uns. Auf Schiene und Straße!

Nähere Informationen gibt es bei der großen Auftaktdemo am 9. November 2002 am Gorlebener Endlager, in der Tagespresse und telefonisch unter

058 41/70 223, Handy 0179/28 26 252.

Spenden sind herzlich willkommen!

Bearbeitet am: 25.10.2002/ad


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