Gorleben soll leben!

Argumente für die sofortige Stillegung aller Atomanlagen

Inhalt:

ATOMENERGIE: todsicher!

 Windscale, Harrisburg, Tschernobyl, Risse in Rohrleitungssystemen wie in Brunsbüttel, Leukämie in der Elbmarsch in Nachbarschaft von Krümmel...- das sind einige Stationen der „friedlichen" Nutzung der Atomenergie und ihrer angeblichen Beherrschbarkeit. In Harrisburg kam es 1979 zu einem gravierenden Unfall, einem GAU. Rein statistisch gesehen gibt es so einen GAU (Kürzel für "größter anzunehmender Unfall") nur alle 10.000 Reaktorbetriebsjahre. Hunderte und Tausende würden an den Folgen dieses Unfalls sterben. Der „Super-GAU" von Tschernobyl (das ist die „Steigerung" des GAU, weil das Reaktordruckgefäß zerbarst und Radioaktivität direkt freigesetzt wurde), hat bereits 1986 stattgefunden, aller Statistik zum Trotz. Die Auswirkungen waren noch tausende Kilometer entfernt spürbar: verseuchte Nahrung, verseuchte Böden, verseuchte Gewässer waren die Folge. Nach offiziellen Angaben starben allein in der Ukraine bisher 125.000 Menschen an den Folgen des GAU.

 Krebserkrankungen als Folge radioaktiver Strahlung treten in der Regel erst 10, 15, 20... Jahre nach Freisetzung von künstlicher radioaktiver Strahlung auf. Wie in Hiroshima waren die unmittelbaren Schäden in Tschernobyl so massiv, daß ein direkter Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Erkrankungen auf der Hand lag. Meist aber wird nach so langer Zeit die Ursache einer Krebserkrankung sehr schwer nachweisbar sein. Genau das nutzen Atomindustrielle und Befürworter der Atomenergie aus, um die tatsächlichen Gefahren herunterzuspielen.

Um das Ansehen der Atomindustrie nicht anzukratzen, wurden Störfälle beim Betrieb der Atomanlagen oft vertuscht. Die Folgen eines Reaktorbrandes im englischen Windscale im Jahre 1957 wurden von der Regierung 30 Jahre lang geheimgehalten. 1988 gab man amtlich 33 Tote zu - nichtamtliche Stellen sprechen von über 1000 Toten. Bis dahin hatten die Behörden geschwiegen und sogar wider besseres Wissen verseuchte Nahrung in den Verkauf gebracht, um die Bevölkerung „nicht zu beunruhigen".

In Biblis blieb eine blinkende Warnlampe 16 Stunden lang unbeachtet. Vom Funktionieren eines einzigen Sicherheitsventils hing schließlich ab, daß 2,5 Millionen Menschen im Umkreis von 60 Kilometern und ganz Mitteleuropa einer nuklearen Katastrophe entging. 1,1 mm trennten uns in Brunsbüttel noch von einer Katastrophe: Risse im Kühlsystem.

Die Störfalliste ist unendlich lang, im Osten wie im Westen! Denn eine absolut funktionierende Technik gibt es ebenso wenig wie den unfehlbaren Menschen - in Osteuropa wie in Westeuropa! Das von den Betreibern einkalkulierte „Restrisiko" reicht aus, ganz Europa unbewohnbar zu machen. Ein Restrisko, das uns den Rest geben kann, lehnen wir ab.

Es gibt keine sichere Atommüll-Entsorgung

Die bei der Erzeugung von Atomstrom entstehenden radioaktiven Spaltprodukte bleiben über Jahrtausende, z.T. über Jahrmillionen wirksam und für die Menschheit lebensgefährlich. "Entsorgung" dieser Stoffe hieße, sie für diesen Zeitraum von uns und der lebenden Welt sicher abzuschirmen.

 Der "Nachweis der gesicherten Entsorgung", der für jedes in Betrieb befindliche Atomkraftwerk verlangt wird, bezieht sich aber lediglich auf sechs (!) Jahre. Dabei genügt es, wenn die Betreiber auf verfügbare Zwischenlager, auf Auslandsverträge zur Wiederaufarbeitung (WAA) oder das sogenannte Erkundungsbergwerk in Gorleben hinweisen. Wenn Politiker und Atomindustrie also von Entsorgung sprechen, meinen sie damit, daß sie sich in der Lage sehen, den Jahrtausende strahlenden Müll für ein paar Jahre irgendwo (Zwischenlager: 40 Jahre) unterzubringen. Die Produktion weiteren Atommülls ist angesichts der großen Risiken ein Verbrechen an allen künftigen Generationen. Die riskanten Improvisationen, die uns die Betreiber als "Entsorgung" anbieten, erfüllen uns mit Sorgen.

 FASSLAGER GORLEBEN:

Skandalmüll und Blähfässer

Als es Anfang der 80er Jahre um die Genehmigung des Fasslagers ging, war beschwichtigend vom radioaktiven “Krankenhaus-müll” die Rede. Es hat ein Fassungsvermögen von 35.000 Fässern. Die Inbetriebnahme erfolgte im Oktober 1984 - gegen unseren er-bitterten Widerstand. In Gorleben wurden auch Fässer aus dem Transnuklear- und Mol-Skandal eingelagert wurden. Schmiergeldzah-lungen von 21 Millionen DM hatten es ermöglicht, Fässer mit z.T. unbekanntem Inhalt und falscher Inhaltsdeklaration aus dem belgi-schen Mol auf Umwegen nach Gorleben zu bringen. Einige dieser Fässer enthielten in Spuren Plutonium, manche blähten sich auf, manche waren geplatzt. Fassdeckel waren lediglich mit Tesakrepp “abgedichtet”.

In zähen Auseinandersetzungen um diese “Altlast” haben wir durchgesetzt, dass alle 1.290 Einzelfässer, die in Gorleben lagerten, zu Einzeluntersuchungen wieder abtransportiert wurden. Die “Auslagerungskampagne” kam nur schleppend voran. Sie begann 1991, doch erst am Jahresende 1997 wurden die letzten Gebinde abtransportiert. Die Ergebnisse der - äußerst kostspieligen - Einzelfassun-tersuchungen wurden nie veröffentlicht.

Von einer weiteren Merkwürdigkeit ist noch zu berichten. Ist es sommerlich heiß, so steigt die Strahlung in der Umgebung des Lagers. Es ist typisch: entdeckt wurde dies nicht von den Überwachungsbehörden, sondern von der “Fachgruppe Radioaktivität” der Bürgerinitiative. Enthüllt wurde darüber hinaus, dass in Gorleben eine völlig unzureichende Umgebungsüberwachung stattfindet. Deshalb bauen wir derzeit einen eigenen Messring auf.

Wir fordern die Schließung dieser Altlastdeponie, die Betreibergesellschaft hingegen würde gern noch eine weitere Halle bauen.

Das CASTOR-LAGER:

11 Jahre erfolgreicher Widerstand, aber nicht mehr leer!

In dieser Lagerhalle für hochaktiven Atommüll sollen 420 sogenannte CASTOR-Behälter mit abgebrannten Brennelementen eingelagert werden. Werden alle Stellplätze genutzt, so wird dort das radioaktive Inventar von 40 AKW in einer einzigen kraftwerksexternen Anlage kon-zentriert. Die latente Gefahr lautet: 40 mal Supergau.

Gekühlt werden die heißen Behälter durch die Luft, die die offene Lagerhalle von unten nach oben durchstreicht. Ein Filtersystem gibt es nicht. Die Sicherheit muss also allein durch die Behälter selbst gewährleistet sein. Prototypen des Castors wurden Ende der 70er/ Anfang der 80er Jahre Tests unterzogen, dabei wurden sie für 30 Minuten einem Feuer von 800 Grad Celsius ausgesetzt. Was aber passiert, wenn es längere Zeit bei noch höheren Temperaturen brennt? Die neueren Castoren werden nicht einmal im Original getestet, ihre Haltbarkeit wird nur noch errechnet!

Bei der beabsichtigten Lagerdauer von 40 Jahren können bislang unkalkulierbare Probleme auftreten: unter der Hitze und als Folge der ra-dioaktiven Dauerstrahlung sind Materialermüdung und Versprödung des Behälters nicht auszuschließen. Die Schwachstelle des Castors ist ein-deutig das Deckelsystem. Schon das Beladen eines Behälters im AKW Philippsburg im Sommer 1994 verursachte ungeahnte Schwierigkeiten, da musste der Primärdeckel wiederholt aufgesetzt und nachgeschliffen werden, damit er passte. Dabei wurde die Elastomerdichtung “aus der Dichtungsnut gedrückt, gequetscht und an mehreren Stellen zerschnitten”, berichtet der TÜV. 6 Jahre später gab es schon wieder Probleme beim Beladen des Castors: das Trocknen gelang nicht.

Mangels Endlager ist die “Zwischen”lagerung faktisch nichts anderes als ein oberirdisches Dauerlager. Obwohl es eindeutig eine atomare Anlage ist, wurde es statt nach Atomrecht einfach nach Baurecht gebaut, wie eine Kartoffelscheune. Wiederholt hieß es nach dem Bau “Castor-Alarm”. Unter dem Motto “Wir stellen uns quer!” erklärten im Sommer 1994 über 4000 Menschen aus der Region, dass sie sich dem Castor in den Weg stellten. Der Erfolg: es gab noch einmal einen Aufschub. Über ein halbes Jahr stand der Spezialwaggon mit dem Castor unter einer Pla-ne auf dem Gelände des AKW Philippsburg. Auf den “Tag X” folgte der “Tag X2” im Mai 96. Ein erster Transport mit hochradioaktiven ver-glasten Kokillen aus der französischen WAA La Hague erreichte Gorleben. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte den Weg dafür geebnet und dem Antrag der Brennelementlagergesellschaft Gorleben (BLG) auf eine Nutzungserweiterung stattgegeben. Künftig darf noch enger gestapelt werden: statt 1.500 t dann 3.800 t Schwermetall, in der Halle wird mehr als das Doppelte verstaut.

Nur gegen den entschiedenen Widerstand breiter Bevölkerungskreise wurden die beiden Transporte abgewickelt: mit den größten Polizei-aufgeboten der Nachkriegszeit. Allein die Kosten der Polizeieinsätze werden offiziell mit über 50 (1995) bzw. 90 (1996) Millionen DM angege-ben. Vorläufiger Höhepunkt war die Anlieferung von sechs Behältern im März 97 - der dritte Tag X im Wendland. Über Zehntausend Menschen setzen, stellten und legten sich eindrucksvoll quer. Rund 30.000 Uniformierte “sicherten” den Transport. Die Kosten für den Polizeieinsatz schnellten auf 111 Mio. DM in die Höhe. Wer nicht hören will, muss zahlen, doch der politische Preis liegt höher. Denn Atomenergie ist nicht mit rechsstaatlichen Mitteln durchsetzbar. Die Auseinandersetzung um Gorleben hat die Anti-AKW-Bewegung mit neuem Elan erfüllt. Die An-steckung hat funktioniert. Auch in Ahaus heißt es inzwischen “Castor stopp”. Mit langen Atem nutzen wir jede Chance die Kernfragen aufzu-werfen: Das Atommülldilemma ist nur zu begrenzen, wenn die Atommeiler stillgelegt werden.

Unsere Erfolge bleiben unsichtbar, wenn kein Castor rollt! Im Frühjahr 2000 verhinderten wir die Anlieferung von 6 Behältern mit hochra-dioaktiven verglasten Kokillen aus La Hague über den Bahnhof Arendsee (Sachsen-Anhalt) durch unsere gemeinsame Mobilisierung mit den AtomkraftgegnerInnen aus der Altmark. Die Waggons stehen seit 1998 in La Hague bereit. Mal “geht” der Transport nicht wegen der Expo mal nicht wegen einer kaputten Bahnbrücke - also geht nichts wegen uns und gegen unseren Widerstand. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat jetzt für die 13./14. Woche 2001 den La Hague-Transport genehmigt: danke für die präzise Zeitvorgabe:

Ende März ist der nächste Tag X.

 

 Das Endlager -Projekt:

Der Salzstock ist ungeeignet - der Bau geht weiter...

Die Untauglichkeit des Gorlebener Salzstocks als atomares Endlager ist längst erwiesen. Schon die Standortbennenung fand nicht nach wis-senschaftlichen Kriterien statt, sondern ausschließlich unter politischen Erwägungen. Dennoch wird - allen Ankündigungen zum Trotz - kein anderer Standort untersucht. Die rot-grüne Bundesregierung hegt wider besseren Wissens lediglich “Zweifel” an der Eignung des Salzstocks Gorleben. Sie hat 2 Jahre nach Amtsantritt lediglich ein Moratorium verfügt. In Gorleben wurden bereits 2,4 Mrd. DM verbud-delt; also müssen wir davon ausgehen, dass die Gorlebenkarte am Ende bei der Standortsuche wieder untergemischt wird.

Und dass, obwohl alle anfänglichen Eignungsbedingungen inzwischen widerlegt sind. So ist zwischen dem Salzstock und den wasserfüh-renden Schichten keine geschlossene Tonschicht als Deckschicht vorhanden. Der Salzstock hat Grundwasserkontakt, vom Salz werden jährlich zwischen 3000 und 12.000 m3 abgelaugt. Da aber diese Einbahnstraße Gorleben politisch gewollt ist, muss der Salzstock tauglich sein, muss das Bergwerk errichtet werden. Um welchen Preis, das hat der tödliche Unfall aus dem Jahre 1987 gezeigt, bei dem ein Bergmann ums Leben kam, als Schacht 1 ins Rutschen geriet und einzustürzen drohte. Das Abteufen der Schächte war ständig von Laugenzuflüssen begleitet.

Unabhängig von der Eignung speziell des Gorlebener Salzstocks ist für Wissenschaftler anderer Nationen fraglich, ob Salz als Lagerstätte für Atommüll überhaupt geeignet ist. Versuche haben gezeigt, dass Salz durch die radioaktive Strahlung in seine chemischen Bestandteile Natrium und Chlor zersetzt und hochexplosiv wird. Eingelagerte Abfälle schmelzen unter den hohen Temperaturen, das Endlagerbergwerk wäre zerstört.

Die rot-grüne Bunesregierung negiert die gewichtigen geologischen Einwände gegen “Gorleben” und begründet das Moratorium mit for-schungspolitischen Notwendigkeiten.

Dem weiteren Ausbau des Bergwerks in Gorleben stehen die Salzrechte des Gorlebenklägers Andreas Graf von Bernstorff und der Kirche entgegen. Zwar wurde im Oktober 1995 der erste Querstollen zwischen den beiden Schächten in 840 m Tiefe aufgefahren und mit der Erkun-dung begonnen, aber zum endgültigen Ausbau der Stollen muß ein langwieriges Enteignungsverfahren eingeleitet werden. Die - verfassungs-rechtlich - fragwürdige Voraussetzung sollte durch die Novelle des Atomrechts 1997 geschaffen werden. Die Bonner Umweltministerin Dr. An-gela Merkel (CDU) ließ in das Atomgesetz einen Passus einfügen, mit dem bereits der salzige Untergrund enteignet werden kann, wenn es für die “Erkundung” nötig sei (“lex Bernstorff”). Auch diese Passage des Atomrechts wird allen Absichtserklärungen von Rot-Grün zum Trotz nicht mehr zurückgenommen.

Die Betreibergesellschaft DBE (Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern), die im Auftrag des BfS das Bergwerk errichtet, hat unerwartet Konkurrenz bekommen: SALINAS. Diese Firma möchte das Salz vermarkten: für Lecksteine, als Streusalz etc. Die SALINAS GmbH geht zurecht davon aus, daß wegen des hohen politischen Symbolwerts dieses Salzgesteins das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich arbeiten kann. Das Salz soll in großer Tiefe in unmittelbarer Nähe zu dem DBE-Projekt ausgespült werden. Die wirtschaftliche Ausbeutung von Bodenschätzen genießt laut Bergrecht Vorrang gegenüber wissenschaftlichen Erkundungen. BfS und DBE können schon mal Pläne für den Rückbau der Schachtanlage schmieden

TRANSPORTRISIKEN:

Atommüll auf Schienen und Straßen

Wenn es wirklich “grünes Licht” für weitere CASTOR-Transporte gibt, sollen drei Jahre lang jede Woche zwei bis drei Transporte mit je 6 Behältern nach Gorleben stattfinden. In Gorleben sind vorerst 160 Stellplätzen für die Kokillenbehälter mit den Abfällen aus der Wiederaufarbei-tung reserviert. Solange es keine Lagerplätze direkt an den AKW gibt, dienen allein Ahaus und Gorleben als “Entsorgungsnachweis”, Greifs-wald ist bisher allein für den Atommüll, der bei der Stilllegung der Reaktoren in Greifswald und Rheinsberg anfällt, reserviert.

Hinzu kommen Transporte ins Fasslager. Schon der “normale” Transport der Behälter setzt die Bevölkerung, das Transportpersonal und auch Polizisten einer beträchtlichen Gefährdung durch Strahlenbelastung aus. Jahrelang wurden Castoren nach La Hague transportiert, deren Oberflä-che stark kontaminiert war. Dabei wurden Verstrahlungen von bis zu 13.400 Becquerel (Bq) pro Quadratzentimeter registriert, das ist mehr als das 3000 Fache der zulässigen Grenzwerts von 4 Bq. Seit der Kontaminationsskandal bekannt wurde, gab es keine weiteren Castortransporte. Die Atomwirtschaft drängte. Sie befürchtete die Stillegung der Reaktoren auf “kaltem Wege”, wenn die Transporte noch für längere Zeit ausge-setzt werden. Im Januar 2000 hat der grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin den von seiner Vorgängerin Angela Merkel (CDU) verhängten Transportestopp wieder aufgehoben.

Was passiert, wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt? Die Betreiber des Zwischenlagers weisen gern auf ihre Fall- und Brandversuche mit den Behältern hin (und zeigen auch entsprechende Beschwichtigungsfilme). Nur kann die Sturzhöhe z.B. bei einer Eisenbahnbrücke weitaus mehr als die erprobten neun Meter betragen. Und die Temperatur bei Gas- und Benzinbränden kann bis zu 2.000 Grad betragen - und nicht 800 Grad, wie sie (für kurze Dauer) für den Test angesetzt wurde. Nur leere Castor-Behälter oder Prototypen (Miniaturausgaben) wurden für Versu-che benutzt. Was aber kann damit bewiesen werden?! Nicht viel. Im Januar 2000 belegte die ARD-Sendung Plusminus, dass Originalbehälter diesen Tests nicht unterzogen werden. Als vor 2 Jahren britische Behälter vom Typ NTL 11 Tests unterzogen wurden, versagten sie in Serie.

PILOT-KONDITIONIERUNGS ANLAGE

Hier entsteht eine

Atommüllfabrik

Die Konditionierung wurde früher als Alternative zur Wiederaufarbeitung (WAA) beschrieben (nicht wiederaufbereiten, sondern “endlagerfähig machen” und dann “direkt endlagern”). Weil Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit geht, soll der Strahlenmüll in der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) dichter gepackt werden: je enger, desto weniger benötigter Platz, desto billiger endzulagern.

Erprobte Techniken einer derartigen Konditionierung gibt es nicht. In Gorleben soll eine Pilotanlage den Betrieb aufnehmen, die Versuchscharakter hat. Die Bevölkerung spielt unfreiwillig Versuchskaninchen. Ob die Betreiberin, die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) überhaupt nutzt, wie beantragt, die Anlage tatsächlich wie geplant, ist allerdings ungewiss. Wahrscheinlich wird sie scheibchenweise genutzt, am Ende wird die GNS auch das Zerschneiden abgebrannter Brennelemente beantragen.

Wir haben uns mit mehreren Platzbesetzungen und einer Großdemonstration gegen die PKA gewehrt. Dennoch haben wir nicht verhindern können, daß die 3. Teilerrichtungsgenehmigung (TEG) erteilt wurde, die zunächst grünes Licht für den “kalten” Betrieb, dann aber auch für den “heißen” Betrieb gibt. 800 Millionen DM hat die PKA gekostet.

Rot-Grün brüstet sich, dass vorerst “nur” die Reparatur defekter Castoren erlaubt ist. Eine Konditionierung macht für absehbare Zeit gar keinen Sinn, die PKA ist überflüssig.

Das heißt, Castoren, die nicht dicht halten, beschädigt sind, werden künftig nach Gorleben transportiert. Und weil nach einem Unfall eine Mengenbegrenzung unsinnig wäre, fällt sogar die ursprünglich geplante Begrenzung auf einen Jahresdurchsatz von 35 Tonnen!

Für uns war die PKA der Elchtest für Rot-Grün. Statt eines Atomausstiegs wird uns eine weitere Atomanlage untergeschoben - zur Sicherung der GNS-Investitionen. Ein schwarzer Tag - nicht nur für das Wendland! Aber gegen die Betriebsgenehmigung wird mit Sicherheit geklagt.

 

WOHIN MIT DEM STRAHLENDEN MÜLL ?

 

Der weitere Betrieb von Atomkraftwerken schafft täglich neue Sachzwänge. Wir treten folglich für die sofortigen Stillegung aller Atomanlagen ein. Der angefallene Atommüll kann zunächst in den stillgelegten Reaktoren gelagert werden. Eine Lösung muß zwar im internationalen Maßstab gefunden werden, aber gegen die Exporte von Atommüll ins Ausland (z.B. GUS-Staaten oder 3. Welt) machen wir energisch Front. Welche Möglichkeiten der Endlagerung letztlich in Frage kommen, ist völlig ungewiss.

WELCHE ALTERNATIVEN ZUR ATOMENERGIE GIBT ES ?

Auch das Verbrennen von Kohle, Erdgas und Mineralöl wirft große Probleme auf: Verschmutzung der Luft und Klimaprobleme sind die Folge. Die Freunde der Atomenergie preisen demgegenüber die AKW's als sauber und umweltfreundlich an. Eine Energiepolitik, die auf die Zu-kunft gerichtet ist, muss also eine doppelte Anwort finden: wie lassen sich die Gefahren der Atomkraft und das Klimaproblem überwinden? Die größte Energiequelle heißt nach wie vor Energieeinsparung. Im Verkehr durch treibstoffarme Fahrzeuge, bei der Raumwärme durch Isolation, bei der Stromerzeugung durch Kraft-Wärme-Koppe-lung (KWK). Forschungspolitisch müssen alle Anstrengungen auf die Entwicklung soge-nannter regenerativer Energiequellen (Wasser, Wind, Sonne) gerichtet sein. Anstelle der griffigen Formel Kernkraft und Kohle könnte es in naher Zukunft Kraftwärmekoppelung, Regenerative und Einsparung heißen. In ferner Zukunft wird Wasserstoff als (Sekundär-) Energieträger eine wichtige Rolle spielen, vor allem dann, wenn Wasserstoff durch Sonnenenergie aus Wasser in größeren Mengen gewonnen wird. Die Liberalisie-rung auf dem Strommarkt wirft jedoch alle Bestrebungen zurück, vernünftige Alternativen zur bisherigen Energiepolitik zu installieren. Die gro-ßen Stromkonzerne drohen mit Dumping-Preisen die Stadtwerke und damit die dezentrale Energieversorgung mit KWK zu zerschlagen. Die freie Wahl der Stromanbieter bietet aber auch ungeahnte neue Möglichkeiten. Wir fordern alle Kommunen, Kirchen, Betriebe und Büros auf, es uns nachzutun und den Anbieter zu wechseln: Atomstrom kommt uns nicht ins Haus!

Sowohl im Energierecht als auch in der Forschung müssen die Weichen gestellt sein. Das Atomzeitalter ist schließlich nichts Schicksalhaftes. Nehmen wir unser Geschick in unsere Hände!

 

STOPPEN WIR DIE ATOMINDUSTRIE!

Gemessen an dem, was in den 70er Jahren unter dem Stichwort “Nukleares Entsorgungszentrum” für Gorleben geplant wurde, ist die heuti-ge Situation geprägt von Erfolgen der Anti-AKW-Bewegung: die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) konnte sowohl in Gorleben als auch in Dragahn und Wackersdorf verhindert werden. In elf Jahren seit der Fertigstellung der CASTOR-Halle ist es den Betreibern nie gelungen, hoch-radioaktiven Müll einzulagern. Der Bau des Endlagers im Salzstock Gorleben konnte bereits um Jahre verzögert werden. Die Atomtransporte in das Castorlager wurden immer wieder ver- und behindert und letztlich nötigten wir der Bundesregierung die Ausstiegsdiskussion auf.

Die Auseinandersetzung ist noch nicht entschieden. Das gilt auch unter Rot-Grün. Der Widerstand in Gorleben geht weiter: Gegen den Betrieb der PKA, für das Verfüllen der Endlagerschächte und die Schließung der Anlage, gegen den Bau einer zweiten Fasslagerhalle, für die Schließung des Zwischenlagers, gegen weitere Atomtransporte, für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen und für eine nachhaltige Form der Energie-versorgung.

DIE BÜRGERINITIATIVE UMWELTSCHUTZ LÜCHOW-DANNENBERG

ist auf jede Unterstützung dringend angewiesen! Wer sich in die zur Mobilisierung für Aktionen angelegten “Alarm”-Telefonlisten eintragen möchte, kann dies im Büro der Bürgerinitiative persönlich oder telefonisch machen. Im BI-Büro gibt es auch weiteres Informationsmaterial, Aufkleber, Plakate etc.. Für Menschen, die sich regelmäßig über Gorleben informieren wollen, empfehlen wir unsere Zeitung “Gorleben-Rundschau” und unsere Schriftenreihe “Zur Sache”. Beides kann über das Büro bestellt werden. Die BI bietet ReferentInnen zu Gorleben- und Atomenergiethemen an, die sowohl zu Veranstaltungen in die ganze Bundesrepublik und ins Ausland reisen als auch BersucherInnen im Wend-land betreuen, beispielsweise bei einem Rundgang um die Gorlebener Anlagen (vereinbaren Sie bitte rechtzeitig einen Termin).

Widerstand braucht Phantasie und Geld.

Deshalb sind wir auch auf finanzielle Hilfe ständig angewiesen.

Bürgernintiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Drawehner Str. 3
29439 Lüchow
Germany
http://www.bi-luechow-dannenberg.de

+49-(58 41) 46 84
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BI-Luechow@t-online.de

BI-Gruesse@t-online.de

Spendenkonto für die BI: Bank: KSK Lüchow BLZ: 258 513 35 Konto Nr.: 2 060 721

Stand 1/2001

Bearbeitet am: 29.12.2000/ad


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