Energie-Fakten.de

Offensichtliche Falschinformationen im "Deckmäntelchen" der Seriosität

Eine Richtigstellung der
Fachgruppe Radioaktivität

Inhalt:

 

Sehr geehrter Herr Roth,

durch einen Hinweis der BI–Lüchow-Dannenberg bin ich auf die Website „Energie-Fakten“ und auf Ihren Beitrag über die Standortauswahl für ein nukleares Endlager aufmerksam geworden.

Ich bin nicht wenig erstaunt, wie sehr Sie an der Oberfläche bleiben. Wichtige Erkenntnisse sparen Sie einfach aus. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie grundsätzlich andere Informationen habe als wir. Somit muss man Absicht hinter Ihren Darstellungen vermuten.

Ihre „Spitzen“ gegen die Atomkraftgegner belegen das ebenfalls. Sie verdrehen bewusst unsere Argumente. Wir „brandmarken“ keineswegs das „Offen Sein“ der Entsorgung. Was wir kritisieren, ist die Leichtfertigkeit, mit welcher viele Wissenschaftler, Betreiber und Politiker mit der Frage der Entsorgung umgehen. Was uns antreibt, ist die Forderung nach größtmöglicher Sicherheit. Wir sind es unseren Nachkommen, denen wir so oder so den fürchterlichen Müll hinterlassen müssen, schuldig, die tatsächlich „bestmögliche“ Lösung für die Entsorgung zu finden. Weil dafür bisher ein schlüssiges Konzept fehlt, gehört dazu die Forderung nach dem totalen Stopp der Atomtechnik.

Ihre anzügliche Bemerkung, ob diejenigen, die eine Forderung nach dem bestmöglichen Standort erheben, tatsächlich eine Einigung in der Standortfrage als Ziel verfolgen, empfinde ich als Diffamierung. Mit gleicher Berechtigung könnte ich behaupten, Sie informieren die Internet-Leser bewusst falsch, um deren Kritikfähigkeit nicht zu wecken.

Belege finden Sie im Anhang.

Sollte meine Darstellung richtig sein, so fehlt Ihrem gesamten Beitrag die Grundlage.

Mit freundlichen Grüßen

für die Fachgruppe Radioaktiviät

Hitzacker/ Elbe


Quelle:
http://www.energie-fakten.de/html/endlagerung-in-d.html

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, 32 kB). Dieser Beitrag wurde am 9. November 2006 veröffentlicht.

Zu „Standortfragen für ein nukleares Endlager“

Allgemeines

Sie sprechen von „sehr kleinen Mengen“ hochradioaktiver Stoffe. Das ist m.E. der Versuch der Verharmlosung. Die „sehr kleinen Mengen“ enthalten gewaltige, eigentlich unvorstellbare, Mengen an Radioaktivität. Letztere ist das Problem, nicht die reine Stoffmenge.

Warum verschweigen Sie das?

Dass Sie behaupten, ein Lager für hochradioaktive Stoffe könne „sicherer gebaut“ werden, grenzt an Satire. Auch dass die Machbarkeit dieser Art Entsorgung schon längst ausreichend wissenschaftlich geklärt sei, gehört ins Reich der Fabel.

Wo in der Welt gibt es denn en solches Endlager?

Gorleben geeignet? Nein!

Mit ihrem Beispiel, die rot-grüne Regierung habe anerkennen müssen, dass es keine Anhaltspunkte gäbe, das der Gorlebener Salzstock nicht geeignet sei, sind Sie einer Falschinformation erlegen. Wieso eine derart irreführende Behauptung in die damalige Koalitionsvereinbarung geraten konnte, ist leider bis heute nicht bekannt geworden Tatsächlich weiß man seit langem, dass dieser Salstock nicht geeignet ist.

Das wollen viele, die darüber reden, nicht wahr haben. Zu viel Geld ist dort wohl schon versenkt worden.

Die Fakten:

Niemand weiß vermutlich mehr über den Gorlebener Salzstock als die Professoren Grimmel, Uni-Hamburg, und Duphorn, Uni-Kiel. Sie haben ihn nämlich genau erforscht.

Grimmels Urteil, nachzulesen auf Seite 125 in seinem Buch „Kreisläufe der Erde“ ISBN 3-8258-8212-8, lautet:
„Der Salzstock ist nicht durch eine hinreichende mächtige und lückenlose Tondecke von den wasserführenden Schichten abgeschirmt.

Der Salzstock ist nicht in Ruhe, sondern bis in quartäre Zeiten aufgestiegen und steigt immer noch weiter auf.
Der Salzstock hat durch Salzauflösung bereits einen großen Teil seiner Substanz verloren und wird noch weiter abgelaugt. Darüber hinaus ist zweifelhaft, ob Salz grundsätzlich für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle geeignet ist. Durch unkontrollierbare Reaktionen des Salzes (Radiolyse), initiiert durch Wärmeeintrag und Strahlung, ist die Stabilität des Salzstocks gefährdet“.

Grimmels Ergebnisse decken sich weitgehend mit denen von Prof. Duphorn.

Im April 1979 begann die obertägige Standortuntersuchung des Deckgebirges des Gorlebener Salzstocks mit diversen Probebohrungen. Im Auftrag der PTB leitet der Kieler Geologe Prof. Dr. Klaus Duphorn die Untersuchungen von 1979 bis 1981. Duphorn, eigentlich Atomenergiebefürworter, liefert wissenschaftliche Beweise dafür, dass Gorleben für die Einlagerung von Atommüll denkbar ungeeignet ist. Er kommt zu einem für den Standort Gorleben vernichtenden Ergebnis: Jede seiner zehn Schlußfolgerungen beginnt mit dem Satz: „Wir können nicht für einen Salzstock plädieren, ...“, seine Ausführungen enden mit der Empfehlung: „Erkundung anderer Lagerstätten!“.( Duphorn, Klaus. Quartärgeologisches Fazit. Kiel, 27.5.1982). Genug Gründe, den Standort Gorleben wegen des schlechten Deckgebirges aufzugeben. Doch die PTB trennt sich statt dessen von Duphorn.

Wenn Sie die von Prof. Grimmel genannten Punkte betrachten, so kann ich nicht erkennen, wieso vergleichbare Untersuchungen nicht auch an anderen Salzstöcken vorgenommen werden könnten. Ihr Hinweis, eine solche Überprüfung sei „prinzipiell unerfüllbar“, geht fehl.

Salz geeignet?

Über die Eignung von Steinsalz als Wirtsgestein verlieren Sie kein Wort. Dabei dürfte auch Ihnen bekannt sein, dass es erhebliche Zweifel gibt. Auch das will man in Deutschland nicht wahr haben. So wurde diese Frage von der AkEnd gar nicht erst gestellt. In mühsamen Gesprächen mit verschiedenen Mitgliedern dieser Arbeitsgruppe konnte der Schreiber dieser Zeilen erreichen, dass es noch nach Abschluss der eigentlichen Arbeit eine Sondersitzung unter Leitung von Prof. Brewitz gab. Fazit der Sitzung: Es besteht Forschungsbedarf!

Dessen ungeachtet behauptet die diesbezügliche Stellungnahme der RSK, die Radiolyse sei kein Problem. Eine falsche Schlussfolgerung. Ich habe Prof. den Hartog die Studie vorgelegt.
Auch Sie wissen, oder sollten es jedenfalls wissen, dass in seinem Institut für Feststoffphysik der Uni-Groningen seit über 20 Jahren das Verhalten von Salz unter hochradioaktiver Strahlung und hohen Temperaturen erforscht wird.

Prof. kritisiert die RSK-Stellungnahme als unhaltbar. Ihm ist völlig schleierhaft, wie die RSK zu ihrem positiven Votum kommen konnte. Gesprächsangebote oder Vorschläge zur Zusammenarbeit werden von deutscher Seite seit Jahren abgeblockt. Das letzte Gespräch mit einem deutschen Wissenschaftler ( Dr. Mönig) hat den Hartog vor 4 Jahren gehabt. Das heißt, seine neueren Forschungsergebnisse sind deutschen Wissenschaftlern gar nicht bekannt.

In NL waren dagegen die Ergebnisse den Hartogs Anlass für die Regierung, die Option Salzstock als Endlager zu stoppen und das bereits vor über 10 Jahren.

Fachgruppe Radioaktivität
Hitzacker, 15.03.2008


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Hinweis der Castor-Nix-Da Redaktion:

Recherchiert man auf den Seiten von Energie-Fakten.de bei deren Autoren nach Ihrer "Herkunft" findet man fast ausnahmslos Verbindungen zu den großen Stromkonzernen oder der Atomwirtschaft.

Sucht man dann noch bei GOOGLE, sind die "Treffer" noch "besser".


 

Bearbeitet am: 18.03.2008/ad


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