Gefährlich naive Unwissenheit im

ARD-Presseclub

vom 14. Januar 2007

Eine Richtigstellung der Fachgruppe Radioaktivität

Ein denkwürdiger Presseclub! Herr Krumrey vom „Focus“ und Frau Dr. Rubner von der „Süddeutschen Zeitung“ glänzten durch erschreckende Unwissenheit. Ohne Dr. Vorholz von der „ZEIT“, der vieles zurechtrückte, wäre die Sendung zur Realsatire geworden.

Herr Krumrey fordert eine Laufzeitverlängerung von 32 auf 60 Jahre und begründet es damit, dass Autos zwar alle zwei Jahre zum TÜV müssten, dann aber solange fahren könnten, wie man will. Dann meint er, natürlich sei die Atomkraft „ein bisschen“ gefährlicher als ein normales Auto.
Und weiter, Technik, von der wir heute feststellen, sie ist sicher, sonst dürfte man es ja nicht, stellen wir einfach fest, nach 32 Jahren ist sie unsicher, logisch und technisch nicht zu erklären, eben nur ideologisch.
Krumrey wirft die Argumente beliebig durcheinander. Dass das Gefahrenpotenzial der Atomkraft hunderttausendfach größer ist als das eines Autos, scheint ihm unbekannt zu sein.
Und die genannten 32 Jahre stehen im keinem Zusammenhang mit Sicherheit oder Unsicherheit. Diese Frist ist allein Resultat politischer Verhandlungen.

Dass wir noch kein Endlager haben, liegt ja nicht daran, dass wir nicht wüssten, was wir damit (dem Atommüll) machen, es war eine rein politische Entscheidung der rot-grünen Regierung. Die Erkundung von Gorleben ist im Prinzip weitgehend abgeschlossen, man hat aber aus politischen Gründen gesagt, dass man es erst einmal nicht weiter verfolgt.
Das ist Nichtwissen pur. Das „Endlager“ ist vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten aus politischen Gründen ausgewählt worden. Wissenschaftliche Untersuchungen durch die Professoren Grimmel und Duphorn haben eindeutig ergeben, dass der Salzstock ungeeignet ist. Eine weitere „Erkundung“ ist also sinnlos.

Würde man die ganze Suche noch einmal von vorne beginnen, weil sich die geologischen Bedingungen seit dem Amtsantritt von Gabriel nicht verändert haben, man würde am Ende einer solchen Suche wieder auf Gorleben kommen.
Unfug, siehe oben.

Zahlreiche Betreiber beneiden Deutschland, weil man so einen Salzstock hat, weil Salz und besonders das Salz dort, besonders gut für die Einlagerung geeignet ist, besser als Granit oder Ton.
Wiederum Unfug. Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Vergleich zwischen den drei Wirtsmaterialien. Auch Salz ist bisher nur äußerst ungenügend untersucht worden. Es gibt Forschungsergebnisse (Prof. den Hartog), die gegen die Eignung sprechen.

Krumrey schlägt vor, das Endlager zu genehmigen, um jedem zu zeigen, wir wissen, was wir mit dem Atommüll machen. Ob es 50 oder 100 t mehr sind, spiele letztlich für die Gefährlichkeit keine Rolle.
Ihm ist offensichtlich völlig unbekannt, dass wir eben nicht wissen, wo wir den strahlenden Müll lassen sollen. Ein Konzept für eine sichere Endlagerung gibt es nicht – und wird es vermutlich niemals geben. Es muss heute davon ausgegangen werden, dass die Radioaktivität des strahlenden Mülls eines Tages in die Biosphäre eintritt. Jedes Kilogramm mehr vergrößert die damit verbundene Gefahr.
Man wird eines Tages wohl oder übel die nach menschlichem Ermessen am wenigsten schädliche Methode wählen müssen. Unsere Nachkommen müssen dann mit den Problemen fertig werden.

Dr. Rubner
Längere Laufzeiten sehr vernünftig, man brauche nicht gleich neue zu bauen.
Das kann nur jemand fordern, der die Gefahren der Atomkraft vollkommen ignoriert.
Frau Dr. Rubner weiß nicht, daß es weder ein sicheres Endlager für Atommüll noch ein sicher zu beherrschendes Atomkraftwerk gibt.

Absurd, jetzt AKW, die gut funktionieren, abzuschalten.
Von der langen Störfallliste deutscher AKW scheint sie noch nie gehört zu haben.

Natürlich wächst der Müll an. Man wird irgendwie eine Lösung finden.
Entsorgung der Anlagen hat man ja sowieso. Endlagerfrage ist eine politische Frage, ist aber wohl das größte Problem.

Während Herr Krumrey die Lösung bereits kennt, gibt sie immerhin zu, dass es „für das größte Problem“ noch keine gibt. Dass die Politik es lösen kann, dürfte neu sein. Was bliebe dann für Geologen, Physiker, Strahlenmediziner oder Ingenieure und Wissenschaftler noch zu tun?

Angesichts der Tatsache, dass Öl und Gas im Besitz von Autokraten sind, ist Atomkraft eine Quelle, die man handeln kann.
Als ob Atomkraft Öl und Gas ersetzen könnte. Und wie gut man sie "handeln" kann, haben Three-Mile-Island und Tschernobyl gezeigt.

Finnen zeigen uns, dass es möglich ist, ein Endlager zu bauen, dass es absolut nicht möglich ist, ist durch Finnland widerlegt.
Sie sieht anscheinend keinen Unterschied zwischen Bauen und Betreiben.

Wir müssen die Atomenergie als eine klimafreundliche Option betrachten, sauber, billig, versorgungssicher.
Das ist derart naiv, dass sich eigentlich jeder Kommentar erübrigt.
Noch nie gehört von der radioaktiven Verschmutzung des Nordatlantiks durch die Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield? Auch die CO2-Bilanz ist nicht positiv, im Gegensatz zur Propaganda der Atom-Apologeten.
Sie ignoriert die Milliarden, mit denen die Atomenergie seit über 50 Jahren direkt und indirekt, offen und versteckt subventioniert wird, inklusive Aufbau, Ausbau und jahrzehntelangen Betrieb der deutschen Atomforschungsanlagen. Sie hat vom Prognos- Gutachten wohl auch noch nichts gehört. Der Atomstrom ist unter Einbeziehung aller Kosten der teuerste Strom überhaupt.
Und versorgungssicher? Wie lange denn? Unter allen Ressourcen geht Uran (als Quelle des Atomstroms) als erste zu Ende.

Wir werden es nicht schaffen, schnell genug alternative Energie zu schaffen.
Wie denn auch, wenn die Gelder nach wie vor hauptsächlich der Atomenergie zugute kommen.

Eine Richtigstellung der
Fachgruppe Radioaktivität

Bearbeitet am: 01.02.2007/ad


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