VDI-Nachrichten

Vom Kernkraftwerk zur grünen Wiese

Inhalt:

Unverantwortliche Behauptungen in „Technik und Leben“, Ausgabe 1/2010, der Mitgliederzeitschrift des VDI Bezirksvereins Hannover.
Auf Anfrage lehnt die Redaktion eine Berichtigung ab. Tausende Ingenieure werden damit unvollständig oder falsch informiert.

Die Autorein des ersten Beitrags, Frau Prof. Schlünz, hat sich leider von den Herren Drotleff und Klimmek in einzelnen Punkten recht oberflächlich beraten lassen.

Ihr Beitrag erweckt den Eindruck, der Rückbau eines AKW sei eine klinisch saubere Angelegenheit, nichts bleibe zurück.
Lapidar erklärt sie, zuerst würden die Brennelemente entsorgt. Kein Wort darüber, wie das geschieht und wo diese verbleiben. Tatsächlich ist völlig unbekannt, was man damit anfangen könnte. Ein Endlager wird es dafür noch sehr lange nicht geben, falls überhaupt jemals.
Weiter unten wird bezüglich der radioaktiven Anlageteile erwähnt, diese würden „ordnungsgemäß entsorgt“. Eine Entsorgung, die diese Bezeichnung rechtfertigen würde, gibt aber gar nicht. Der Hinweis auf Seite 2, dafür gäbe es einschlägige Gesetze und Verordnungen, hilft dem geneigten Leser auch nicht.

Unter „Freigebbar“ wird ausgeführt: „Für diese Materialien wird die Einhaltung der Kriterien für eine Freigabe nachgewiesen“.
Immerhin noch mehr als 5000 Tonnen Material müssen als kontaminiert gelten. Wieviel davon freigebbar ist, erfährt der Leser nicht.
Welche Materialien betrifft es? Welche Werte muss die Radioaktivität unterschreiten, damit die Bezeichnung „freigebbar“ gerechtfertigt ist?
Die Autorin könnte auf die Strahlenschutzverordnung verweisen; aber gibt diese eine Antwort?
In den Erläuterungen zum Anhang dieser Verordnung stehen nämlich seltsame Dinge.
Man findet darin u.a. zwei Spalten mit Angaben über Werte, die für die Freigabe zu beachten sind.
Vernünftig wäre der Umgang mit den beiden Spalten so, dass genehmigungsfrei mit dem Müll umgegangen werden darf, wenn die Werte in beiden Spalten unterschritten werden. Sobald einer der beiden Werte überschritten wird, müsste eine Genehmigung eingeholt werden. Im Anhang steht aber etwas anderes: "Eine Genehmigungspflicht setzt dann ein, wenn sowohl die Aktivität als auch die spezifische Aktivität die angegebenen Freigrenzen der Spalten 2 und 3 überschreiten." Man muss genau lesen: Wenn man mit der spezifischen Aktivität unter dem Wert der Spalte 3 bleibt, kann man genehmigungsfrei und ganz legal unbegrenzt große Mengen von Radionukliden loswerden außerhalb jeder Überwachung, jeder Rechenschaftspflicht. Man kann auch diese Sorte Atommüll im Prinzip zu Babynahrung verarbeiten.
Der von der Verfasserin beschworene Schutz für die Umgebung ist also keineswegs gewährleistet.

Mehr und genaueres darüber in „Download-Dokumente“ der Gesellschaft für Strahlenschutz

Wiederverwertbar. Ein Teil des gering belasteten Materials lässt sich, zum Beispiel in anderen kerntechnischen Anlagen, wieder verwerten.
Wirklich? Die anderen Anlagen existieren doch bereits. Wozu das belastete Material dienen könnte, wird nicht gesagt.

Kontaminiert: Bei diesen Materialien hat sich eine Kontamination als oberflächliche Verschmutzung abgelagert. Nach entsprechender Reinigung und Kontrolle kann auch ein Teil der konta¬minierten Materialien uneingeschränkt freigegeben werden.
Wie wird dekontaminiert? Die Radioaktivität verschwindet nicht einfach. Wie wird sie aufgefangen? Wie wird sie entsorgt?

Aktiviert. In unmittelbarer Nähe des Reaktorkerns kann durch physikalische Effekte eine Aktivierung im Material erfolgen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Einbauten des Reaktordruckgefäßes sowie Teile seiner Wandung und des biologischen Schildes.
Was geschieht damit? Ist dies der Anteil, den Schacht Konrad aufnehmen soll?

Frau Prof. Schlünz lässt wichtige Aspekte unerwähnt, die zur unmittelbaren Folge des Rückbaus gehören, und beschönigt dadurch die Geschichte des Abbruchs von Kraftwerken.

Ionisierende Strahlen und ihre Effekte

Herr Vahlbruch, Verfasser des zweiten Beitrags, geht viel weiter und stellt nachweislich falsche Behauptungen auf. Schwer zu verstehen bei einem Leiter von Strahlenschutzkursen.

Falschbehauptung 1:
Die Unterschiede der sog. „natürlichen Strahlung“ haben keine erkennbaren Gesundheitsschäden.
Damit ignoriert er alle Untersuchungen, die das Gegenteil nachweisen.
Siehe hierzu beispielsweise A. Körblein /W. Hoffmann: Cancer and infant mortality is associated with background radiation

Falschbehauptung 2:
Erst bei hohen Strahlenexpositionen kann es zu Strahlenschäden kommen.
Zitat aus der Informationsschrift des BFS „Strahlung und Strahlenschutz“: Stochastische Strahlenwirkungen treten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erst Jahre oder Jahrzehnte nach einer Exposition auf“.
Hätte Herr Vahlbruch Recht, so müsste es einen Schwellenwert geben.
Zitat dazu aus „Krebsinformationsdienst

>>>> Auch eine sehr geringe Strahlungsdosis kann unter ungünstigen Umständen ausreichen, Gewebe zu zerstören oder eine Tumorentwicklung anzustoßen.

  • Eine untere Grenze oder einen Schwellenwert, unterhalb dessen ionisierende Strahlung
    unschädlich wäre, gibt es nicht. <<<<

Das ist auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der Grund für die erhöhte Leukämie - Rate im Umkreis der Atomkraftwerke, die im Rahmen der KIKK-Studie ermittelt wurde.
Jede, auch die geringste Erhöhung der Strahlung kann zu Schädigungen von Mensch und Natur führen.

Falschbehauptung 3:
Nach dem Unfall von Tschernobyl verstarben 31 Personen infolge von Explosionen und Strahlenkrankheit.
Diese Zahl ist völlig aus der Luft gegriffen.
Erst jüngst wurde ein neues Buch von der New Yorker Akademie der Wissenschaften vorgestellt.
Chernobyl: Consequences of the Catastrophe for People and the Environment
Danach dürfte die Zahl der Toten inzwischen 1 Million überschritten haben

Falschbehauptung 4
Der Fallout aus der oberirdischen Kernwaffentests, die bis 1963 von der UDSSR und den USA durchgeführt worden sind, die Folgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986 sowie die Emission aus kerntechnischen Anlagen oder Forschungseinrichtungen bezüglich der Strahlenexposition spielten bezüglich der Strahlenexposition keine Rolle.
Diese Behauptung ist durch keinerlei Fakten gerechtfertigt und ignoriert alle Forschungsergebnisse, die das Gegenteil belegen.
Selbst bei der durchschnittlichen Belastung der gesamten Menschheit mag der Anteil gering, keinesfalls aber vernachlässigbar sein. Die vielen Manschen, die wegen ihrer Nähe zu den nuklearen „Ereignissen“ geschädigt wurde, bleiben unerwähnt.
Darüber hinaus verschweigt er, dass schon im Normalbetrieb eine Emission fester und gasförmiger Radionuklide in die Umgebung trotz Einhaltung größter Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern ist. Und dass diese auf jeden Fall Auswirkungen haben und zwar ausschließlich negative.

Bereits 1990 ist das Buch von Gould/Goldman „Tödliche Täuschung Radioaktivität“ ISBN 3406340334 erschienen.
Seitdem kann niemand mehr behaupten, die Katastrophe habe in größerem Abstand zum keinen Mortalitäts- oder Krankheitsfällen geführt. Daselbst auch Fakten zur Falschbehauptung 1.


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Eine Richtigstellung der
Fachgruppe Radioaktivität

Bearbeitet am: 20.08.2010/ad


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