Leserbrief der

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vom 25.05.1998

Unabhängige Kontrolle findet nicht statt

Betrifft: verstrahlter Castor-Transport (EJZ vom 19. Mai)

Skandal reiht sich an Skandal in der deutschen Atomwirtschaft. Versuchte Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel noch vor gut zwei Wochen, die Ursache der verstrahlten Transporte auf die aus Frankreich stammenden Waggons und Castor-Behälter zurückzuführen, so wurde sie von den französischen Kontrollbehörden eines Besseren belehrt. Die Verstrahlung der 1997 nach La Hague transportierten Behälter betrug nicht 14,8 Bq pro cm2, wie die Ministerin behauptete, sondern bis zu 13 400 Bq pro cm2 (mehr als das 3 000fache des Grenzwertes).

In 1998 wurden von den französischen Behörden bereits wieder an vier aus Deutschland stammenden Behältern erhöhte radioaktive Kontamination bis zu 10 000 Bq pro cm2 festgestellt. Der verstrahlte Behälter aus Brunsbüttel war also nur einer von mehreren.

Da die französischen Behörden offensichtlich seit der neuen Regierung, anders als in Deutschland, ihre Kontrollfunktion wirklich ausüben und die Ergebnisse auch veröffentlicht, hat die Bundesministerin kurzerhand die Transporte nach La Hague, nicht aber in die Zwischenlager Gorleben und Ahaus gestoppt. Anläßlich des Widerstandes im Wendland gegen den Castor-Transport 1996 brüstete sich die Atomwirtschaft damit, daß bereits 1600 Behälter "sicher" transportiert wurden. Wenn von 55 Castor-Behältern elf weit über den zulässigen Grenzwert verstrahlt waren, so kann man sich ausrechnen, wie viele Behälter bereits in der Vergangenheit ihren radioaktiven Staub in die Umwelt verteilen und die Gesundheit ahnungsloser Menschen gefährdeten.

 Wenn Mediziner (was sind das für Vertreter ihres Berufsstandes?) behaupten, daß der radioaktive Staub "nicht zu großen radioaktiven Belastungen" führt, so ist das nach ihrem Verständnis über rädiologische Schäden sicher zutreffend und dennoch menschenverachtend. Sicher werden Menschen, die den radioaktiven Staub einatmen oder mit der Nahrung in ihren Körper aufnehmen, nicht akute Symptome wie zum Beispiel Ubelkeit und Erbrechen an sich wahrnehmen. Daß diese Menschen jedoch frühestens nach zehn Jahren an Krebs erkranken oder mißgebildete Kinder zeugen oder gebären können, daß verschweigen diese Herren.

Wie kann es geschehen, daß diese Mißstände über Jahrzehnte unentdeckt blieben? In Deutschland stellt sich die Atomwirtschaft mit ihren hochdotierten Gutachtern die Persilscheine in Form von Prüfprotokollen selber aus. Die staatlichen Kontrollbehörden - beschränken sich darauf, diese Protokolle in dicke Ordner abzuheften. Eine unabhängige Kontrolle findet nicht statt.

Wir erlebten das Verfahren mit den Umweltmeßdaten der BLG von 1983 bis 1995 und zuletzt mit den Strahlenmeßdaten des Castor-Transportes 1997 (Dr. Schober, NMU: "Weitere Messungen zum Beispiel durch die GAA sind daher überflüssig und aufgrund des StrahlenschutzMinimierungsgebotes auch nicht verantwortbar".  

Udo Jentzsch, Tießau 

Bearbeitet am:25.05.1998 /ad


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