Leserbrief der

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vom 17.06.1998

Informationen mager und oberflächlich

Betrifft: Informationsbesuch im Brennelementlager Gorleben

Das Brennelementlager Gorleben hält für alle interessierten Bürger ein Informationshaus bereit. Die Kosten für diese Vorhaltung sind durchaus enorm und vermitteln den Besuchern, daß der Einsatz derartiger Mittel offensichtlich sinnvoll erscheint und auch nützlich ist. Doch als Besucher stellt man dann fest: Die Qualität dieser Information steht in keinem Verhältnis, die der Informationswillige dort erwarten kann.

Wir waren eine Gruppe von elf Personen, als sich uns der Pressesprecher des Zwischenlagers vorstellte. Langatmige Einleitungen, die durch fünf ankommende Gespräche am Funktelefon unterbrochen waren, vermittelten durchaus nur, daß dieser Referent hier eine "ungeheuer wichtige Aufgabe" hätte. Seine Informationen zur Sicherheit der Nuklearabfälle waren hingegen mager, oberflächlich und somit durchaus entbehrlich.

Der angekündigte Ablauf der Information wurde mehrfach geändert, ohne einen Sinn dafür erkennen zu lassen. Oder war die gezeigte Konzeptlosigkeit gewollt? Die im Tnformationshaus vorgehaltene Anschauungstechnik wurde in keinster Weise informativ genutzt. Teuer ist sie sicherlich.

Die Sicherheitsvorkehrungen am Zwischenlager sowie die Kontrolle der Besucher mit Ausgabe von elektronischen Besucherkarten, die zum Einlaß in Türen und Tore erforderlich sind, versagten ihren Dienst. Die Tür zur Castor-Lagerhalle öffnete sich nicht, und die Gruppe stand solange vor der Halle, bis man endlich einen Weg gefunden hatte und auf den Einsatz dieser Kartentechnik verzichtete und die Gruppe - nicht wie vorgesehen einzeln - sondern gemeinsam durch das Hallentor führte. Eine durchaus fragwürdige und zudem bedenkliche "Sicherheitsfunktion".

In der Castor-Halle hörten die Besucher weiterhin langatmige Ausführungen und konnten im gehörigen Abstand einige Behälter "bestaunen". Der Besucher würde sicher gern wissen und messen wollen, wie groß die Strahlung der Abfallbehälter einer Entfernung von 5, 10, 15 oder 20 Metern ist. Auch damit konnte oder wollte man nicht dienen. Mit einer Informationsdauer von mittlerweile über fünfeinhalb Stunden war der eigentliche Informationswunsch auch weiterhin mehr als unzureichend befriedigt worden.

Alle informationswilligen Bürger, die ihre Zeit für einen Besuch in Gorleben nicht besser einsetzen können, sollten dort ihre Zweifel am durchaus berechtigten Sicherheitsinteresse "befriedigen". Offensichtlich steht die Information unter dem Motto: "Mit allergrößtem Aufwand wird der allerkleinste Nutzen erreicht. " Dieses Verhalten ist offensichtlich gewollt!
Uns allen bleiben nur weitere Pannenmeldungen über eine Nukleartechnik, deren Schönreden mit Sicherheit nicht überzeugen kann. Unendlich viele "Sicherheitsfachleute" können weiterhin ihre "Verantwortung" auf eine breiige Masse verteilen. Ebenso "strahlend" wie die angeblich Verantwortlichen eine Sicherheit vermitteln möchten, so strahlend bleiben auch die Abfälle der Nuklearnutzung. Sicher bleibt allein nur die Strahlungsdauer.

Lars Gerstheimer, Soltendieck

Bearbeitet am: 17.06.1998 /ad


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