Leserbrief der

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vom 03.06.1998

Neuberwertung der Transportrisiken

Betrifft: Verstrahlte Atommülltransporte

Kaum zu glauben, welch ein Wirrwarr an Informationen und welche Unkenntnis der tatsächlichen Strahlenproblematik bei Atommülltransporten durch die "bedauerlichen Kontaminationsfälle" zutage getreten sind. Nicht nur Frau Merkel sind in diesem Zusammenhang grob fahrlässige Vorwürfe zu machen.Und wa s die Gesundheitsvorsorge für Begleitpersonal der Bahn und Polizei angeht, so wurde mir bei den letzten'I'ransporten gesagt, es gäbe nicht genug Geld um unabhängige Neutronenstrahlungsmessungen für die Polizei vorzunehmen.

Trotzdem versichert Frau Merkel auch jetzt noch, bei den Transporten nach Gorleben seien überhöhte Werte auszuschließen gewesen, weil diese "ständig von Personal mit Strahlenmeßgeräten begleitet würden". Frau Merkel merkt nicht, daß die entdeckte Außenkontamination mit diesen Meßgeräten überhaupt nicht feststellbar ist, oder noch schiimmer, sie lügt bewußt.

Die beim Verladen im Lagerbecken des Atomkraftwerkes entstandene Kontamination der Behälteraußenhaut mit Alphastrahlen läßt sich nicht mit den üblichen Geigerzählern feststellen, dafür ist die Alphastrahlung zu wenig durchdringend. Außerdem rattert der Geigerzähler schon auf Hochtouren, weil die starke Gammastrahlung die Behälterwände durchdringt und ebenfalls die Menschen in der Nähe belastet.

Nun sind diese strahlenden Teilchen am Behälter deshalb nicht weniger gefährlich, wie wir vom Plutonium wissen, sind selbst allerkleinste Teilchen krebserregend oder tödlich, wenn sie denn über die Lunge oder die Nahrung in den Körper gelangen. Dies alles und die besondere Problematik der Neutronenstrahlung muß doch Frau Merkel wissen, und wenn von staatlicher Seite die Kontrollinstanzen versagt haben, dann müssen die dafür verantwortlichen Politiker gehen und eine kritische Neubewertung der Transportrisiken vorgenommen werden.

Es kann doch nicht angehen, daß in staatlichen Überwachungsmeßprotokollen auf Messungen der BLG, also der Betreiber, zurückgegriffen wird. Und wie im Falle Grenzbahnhof Wörth, auf Wischtests zur Überwachung der Außenkontamination ganz verzichtet wird. Diese privaten Meßprotokolle werden uns als Kommunen dann wiederum mit der Begründung vorenthalten, es gebe Datenschutz und Betriebsgeheimnisse.

Es handelt sich um keine Panne, sondern um eine organisierte große Sauerei, denn die Atomindustrie wußte schon von Anfang an, daß sie ihre 'Transporte nur so lange durchführen kann, wie nicht das volle Ausmaß ihrer Gefährlichkeit bekannt wird.
Es wird Zeit, die Ministerien mit anderen Leuten zu besetzen, die ihrer eigentlichen Überwachungsaufgabe gerecht werden, statt Wohlverhaltensverträge mit der Atomindustrie zu unterschreiben. Wenn die unabhängige Überwachung funktioniert, wird es keine weiteren Castor-'T'ransporte geben und der Atomausstieg automatisch beginnen.

Dieter Schaarschmidt, Güstritz

Bearbeitet am: 03.06.1998 /ad


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