Leserbrief der

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vom 26.06.1998

"Klingt für mich nach Pfuscharbeit"

Betrifft: Skandal um Castör-Behälter

Es ist doch absolut selbstverständlich, wenn nach dem bekanntgewordenen Skandal um kontaminierte Castor-Behälter Menschen an Standorten von Atomanlagen die Überprüfung der Meßdaten fordern. Wenn daraufhin lediglich Stichprobenmessungen durchgeführt werden wie an den Transportund Lagerbehältem in Gorleben durch den TÜV am 25. Mai und bei allen Behältertypen bei Kontaminationsmessungen unter "Befund" i. 0. (das heißt in Ordnung) aufgeführt ist, so ist das keine Auskunft für verantwortungsbewußte Menschen, sondem skandalös. Mehr und mehr werden Skandale vertuscht, aber mehr und mehr werden sie auch bekannt, denn diese menschenverachtende Atomtechnologie ist nicht beherrschbar und der Atommüllberg wächst und wächst.

Künftig sollen Schrauben und Ritzen bei Castor-Behältern mit Silikon versiegelt werden, um eine Kontamination des Außenbereichs zu vermeiden, so BLG-Geschäftsführer Willax. Für mich klingt das nach Pfuscharbeit, und ich sehe mich mit meinen Sorgen nicht ernst genommen. Mit der Forderung nach Information durch den Leiter der Abteilung "Zwischenlagerung/Endlagerung" des Bundesamtes für Strahlenschutz, Herrn Wilhelm Collin, wurde das Informationshaus in Gorleben am 5. und 6. Juni besetzt. Herr Collin ist nicht erschienen. Auch auf das Thesenpapier zum Ausstieg aus der Atomenergie wurde letztendlich von keiner Seite eingegangen.

Ich kann daraus wiederum entnehmen, daß wir mit unseren Sorgen nicht ernstgenommen werden, und es macht mir große Angst, was alles noch an Skandalen und Katastrophen auf uns zukommen wird. Nach der friedlichen Besetzung gibt die BLG bekannt, daß ein Schaden (zunächst von 100 000 Mark) von 250 000 Mark entstanden sei und sie wegen Nötigung, Raub und schwerem Diebstahl ermitteln läßt, spricht von Vandalismus und Skandal. So wird vom eigentlichen Skandal und der ungeheuerlichen Bedrohung durch die Gefahr der Verstrahlung abgelenkt.
Der Schluß des genannten Thesenpapiers lautet: "Davon haben wir nichts gewußt! " ist eine Aussage, die tragisch mit der deutschen Geschichte verknüpft ist. Es ist an der Zeit, endlich Konsequenzen daraus zu ziehen! Wer heute "nichts gewußt" hat, hat nichts wissen wollen. Ich jedenfalls trage schwer an der Verantwortung, meinen Kindern diesen atomaren Müll mitbeschert zu haben.

Lucia Wente, Bülitz

Bearbeitet am:26.06.1998 /ad


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