Leserbrief der

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vom 27.06.1998

"Radioaktiver Schmutz" nicht sichtbar    

Betrifft: Verstrahlung von Atommüllbehältern

Kernenergie kann doch nur deshalb als" saubere Energiegewinnung" verkauft werden, weil "radioaktiver Schmutz" nicht sichtbar ist. Weil radioaktive Verseuchung durch unsere Sinnesorgane nicht wahrnehmbar ist, sind wir atif Gedeih und Verderb den Messungen durch geeignete Meßgeräte ausgeliefert.

Niemand kann ohne entsprechende Messungen einen hochverstrahlten Castor von einer warmen Blechtonne unterscheiden. Man stelle sich vor, daß in den 80er Jahren die Kernkraftwerkbetreiber weltweit keine Erklärung dafür fanden, weshalb Behälter mit radioaktiven Müll wie von Geisterhand radioaktiv verstrahlt sind.
1991 stellte ein Wissenschaftler die Theorie auf, es könne mit Restmengen Wasser, das während des Bestückens der Behälter irgendwie in den Ritzen verdampft, zu erklären sein. Die Atomkraftwerkbetreiber meinten also das Problem durch Waschen und Wischen der Behälter gelöst zu haben.

Ist seit 1991 eine ordentliche Testreihe erfolgt, ob die nachträgliche Verstrahlung der Atommüllbehälter durch Waschen und Wischen zuverlässig, dauerhaft und wirksam beseitigt werden konnte? Wo sind die Prüfungs- und Meßprotokolle, die Aufschluß dgrüber geben, unter welchen Bedingungen in welchen Zeitabschnitten ein mit Atommüll beladener Behälter wieder "Radioaktivität ausstößt"? Wo sind die Prüfungsprotokolle, in denen die Wiederholungstests dokumentiert sind, ob nach dem Waschen und Wischen der Atommüllehälter keine Verseuchung mehr aufgetreten ist?! Warum sagen die Wissenschaftler noch fast zwanzig Jahre nach dem ersten Auftreten der nachträglichen Verstrahlung von Atommüllbehältern "es könnte sein, daß die nachträgliche Verstrahlung der Atommüllbehälter durch Restfeuchtigkeit auftritt".

Dieses wirft doch die Frage auf, weshalb wurde in den fast zwanzig Jahren keine schlüssige Erklärung gefunden, die eine sichere Behebung der nachträglichen Verstrahlung beseitigt. Eine Binsenweisheit ist, daß die Überprüfung einer Theorie mehrfach wiederholt werden muß, um dem Ergebnis eine höhere Wahrscheinlichkeit zuordnen zu können.

Es ist Ausdruck von naivem Dilettantismus, wenn ich dann höre, daß die Atomkraftbetreiber sich in Kleinkindmanier herausreden wollen"die französischen Behörden haben uns aber sieben Jahre lang nicht gesagt, daß die Behälter immer noch verstrahlt sind". Nur Menschen mit so viel gemeingefährlicher Dummheit können absolute Sicherheit versprechen.

Hans Wittkowski, Harpe

Bearbeitet am: 27.06.1998 /ad


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