Leserbrief der

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vom  03.07.1998

Zugunglück mit Castor - eine Horrorvision?

Betrifft: Mensch und Technik

Bundespräsident Herzog sagte auf der Trauerfeier für die Unglücksopfer von Eschede, wie jede menschliche Hervorbringung werde die Technik niemals unfehlbar sein. Recht hat er, und auch der "Spiegel" erkannte: "Beunruhigend ist nach dem Urteil von Experten vor allem das unglückliche Zusammentreffen der Faktoren, aus denen das Desaster vermutlich erwuchs."

Aber welche Konsequenzen werden daraus gezogen, wer sorgt dafür, daß es nicht bei schönen Worten bleibt? Ein Pastor in Eschede sagte unter dem Schock des Unglücks während einer Andacht: "Herr, das war Deine letzte Warnung an uns Menschen. " Leider haben wir dieses und ähnliches schon nach Harrisburg und Tschernobyl gehört. Wie lange warten wir noch?
Wollen wir wirklich eines Tages die Nachrichten hören: Bei einem Zugunglück in Niedersachsen prallte ein 800 Tonnen schwerer Intercity-Zug mit 220 Stundenkilometern auf einen entgegenkommenden Zug, der sechs Castoren transportierte. Durch den Einsturz einer Brücke wurde einer der beschädigten Castoren unter einem mehrere hundert Tonnen schweren Betonteil begraben. Freiwerdende, tödlich wirkende Radioaktivität verhindert, daß Rettungsmannschaften sich dem Unglücksort nähern, die ausbleibende Kühlung läßt die Temperatur im Castor gefährlich steigen. Eine Bergung der Verletzten und eine Abschottung des Castors ist zur Zeit nicht möglich. Katagtrophenalarm ist ausgelöst, die umliegenden Städte und Ortschaften werden evakuiert.

Wahnsinn, Horrorvision,"undenkbare" Verkettung unglücklicher Zustände? Inzwischen meint die Atomindustrie, es sei wieder Zeit für einen neuen Transport. Auch Staatssekretär Hirche, der noch vor dem Zwischenlager vom "runden Tisch" und neuen Entsorgungspfaden redete, befürwortet eine Wiederaufnahme der Transporte. Mit ein wenig Silicon läuft alles wieder wie geschmiert...

Axel Kahrs, Lüchow

Bearbeitet am: 03.07.1998 /ad


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