Leserbrief der

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vom  17.07.1998

Transport- und Lagerkonzept bricht zusammen  

Betrifft: Außenkontamination von Atommüllbehältern

In der Diskussion um die Ursachen der Außenkontamination von Atommüllbehältern wird ein wichtiger Gesichtspunkt nicht berücksichtigt. Bisher wurde von Betreibern sowie offiziellen Stellen das ;,Weinen" und "Schwitzen" der Castoren als mögliche Ursache genannt. Gemeint ist damit, daß radioaktive Teilchen, die von außen (zum Beispiel im Wasser der Abklingbecken) in Poren und Ritzen des Stahlmantels gelangt sind, durch Erschütterung und hohe Temperaturen an die Oberfläche gelangen. Diese Theorie suggeriert, daß man prinzipiell durch gründliche und nötigenfalls mehrfache Dekontamination das Problem in den Griff bekommen könnte. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit.
Eine Erklärung dafür, warum die Atombetreiber dieses Problem seit 18 Jahren nicht lösen konnten, gibt der Göttinger Prof. Rolf Bertram, der sich seit mehreren Jahren mit den Effekten, die durch die Neutronenstrahlung der Behälter ausgelöst werden, beschäftigt. Er hat festgestellt, daß Atome, die Bestandteile der Legierung des Stahlmantels sind, durch Neutronenstrahlung aktiviert, `das heißt radioaktiv werden können.


Als Beispiel hierfür nennt er Kobalt, welches häufig bei den Messungen gefunden wurde. Nichtradioaktives Kobalt-59 als Bestandteil der Stahllegierung des Castors wird unter Neutronenbeschuß, begünstigt durch hohe Temperaturen, zu radioaktivem Kobalt-60. Ähnliche Prozesse finden auch mit den Staubteilchen, die sich in der Kühlluft befinden und an der Oberfläche des Behälters ablagern, statt. In einem Kubikmeter ungefilterter Luft befinden sich ca. 150 000 Staubkörnchen unterschiedlicher stofflicher Zusammensetzung, darunter mehrere Metalle, wie Nickel, Kobalt und Chrom, die leicht radioaktiv werden können.
Im Klartext heißt dies: Die Atommüllbehälter und wegen der hohen Neutronenstrahlung besonders die Castor-Behälter, sind nicht nur von außen "schmutzig", sondern sie arbeiten wie "Mini-Reaktoren" und produzieren selbst neue Radioaktivität, zumindest über viele Jahrzehnte, in denen die Neutronenstrahlung hoch ist.

Damit ist die Verseuchung von Atommüllbehältem prinzipiell unvermeidbar. Das ist die Erklärung, warum dieses Problem in 18 Jahren nicht gelöst wurde: Weil es nicht lösbar ist.


Obwohl das so ist, hat die Atomgemeinde diese strahlende Fracht rücksichtslos durch Großstädte gekarrt. Und sie hat den Menschen in Ahaus und Gorleben die Lagerhallen als sicher verkauft. Also: Auch das Argument von der "Kartoffelscheune " ist letztendlich richtig. Wichtig sind die Auswirkungen auf den Betrieb von Atomanlagen. Das gesamte Transportund Lagerkonzept fällt in sich zusammen. Damit entfällt der Entsorgungsvorsorgenachweis und damit die Grundlage für den Weiterbetrieb der AKW.


Wir bräuchten unter diesen Umständen nicht einmal ein Ausstiegsgesetz, sondern nur Politiker und Behörden, die ihre Pflicht tun und den AKW-Betreibern sagen, daß sie leider abschalten müssen, weil die gesetzlichen Grundlagen für den Weiterbetrieb nicht mehr vorhanden sind.

Herbert Walke, Jameln

Bearbeitet am: 17.07.1998 /ad


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