Leserbrief der

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vom    17.07.1998

Nur die Spitze des Eisbergs?
Betrifft: Atommülltransporte

 

Der Atomwirtschaft war das Problem der "Hot Spots" lange bekannt, nur gewußt haben wollte davon niemand. Eine vor kurzem erschienene, aber nicht weiter beachtete Kurzmeldung deutet auf ein mindestens genauso großes technisches Problem hin, das der Atomwirtschaft ebenfalls seit geraumer Zeit bekannt sein müßte. Dies würde vielleicht auch erklären, wie Spuren von radioaktiven Spaltprodukten an Stellen wie den Castor gelangen können:
Ausgehend von einer Meldung des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" berichtet die "Berliner Zeitung" vom 10. Juni, daß Bakterien die Metallhüllen von abgebrannten Kernbrennstäben angreifen. Die Abklingbecken, in denen ausgebrannte, verbrauchte Kernbrennstäbe einen Teil ihrer Radioaktivität verlieren, sind "demnach für - eine längere Lagerung nicht geeignet".

Ein Untersuchungsteam der Betreiberfirma Westinghouse Savannah River Company fand unter der Leitung von Carl Fliermans in den Abklingbecken eines atomaren Zwischenlagers in Aiken (South Carolina, USA) Baktehen, die aggressive Säuren freisetzen. Probestäbe aus verschiedenen Edelstählen und Aluminiumlegierungen, die die Forscher in die (eigentlich keimfreien) Wasserbecken eintauchten, waren schon nach drei Wochen mit Bakterien besetzt. Die Aluminiumstäbe zeigten nach zwölf Monaten Sprünge und Lochfraß an der Oberfläche.
Die Bakterienfilme auf den Metallstäben enthielten radioaktive Teilchen und Spuren von Cäsium- und Europium-Isotopen. Daß diese Spaltprodukte, die aus dem Inneren benachbarter Brennstäbe stammen, durch zerfressene Metallhüllen nach außen dringen konnten, halten die Wissenschaftler für möglich. Vermutet wird, daß die Bakterien durch angelieferte Brennelemente eingeschleppt werden und sich von Algen, die an den Behälterwänden wachsen, ernähren.Parallelen zum Castor-Skandal? Auch bei den beanstandeten Atommüllbehältern war das Problem der "Hot Spots" zu allererst nur ein amerikanisches und schließlich als rein theoretisch-wissenschaftliches Problem bekannt.

Claus-Dieter Santen, Berlin

Bearbeitet am:17.07.1998 /ad


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