Leserbrief der

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vom  01.08.1998

Gesundheitsgefahren werden verharmlost  

 Betr.: "Gorleben-Forum" (EJZ vom 27. Juli)

Ob der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz Kaul selbst kam, um die Gartower "Gorleben-Forums"-Vertreter zu desinformieren, weil gegen seinenTransportspezialisten Dr. Collins Ermittlungen wegen des Verdachtes der Täuschung und Vertuschung laufen, bleibt offen. Besser hätte er vorweg erklärt, daß das BfS vordringlich seine Aufgabe darin sieht, die Bevölkerung über die Auswirkungen des "Strahlenschmutzes" zu täuschen und daraus entstehende Gesundheitsgefahren zu verharmlosen.

In dem offiziellen Bericht der zehn Gutachter der "Gesellschaft für Reaktorsicherheit " zu den aufgetreteneri Kontaminationen liest sich alles völlig anders: Die Grenzwerte für "nicht festhaftende Oberflächenkontaminationen" sind aus § 408 der IAEO-Empfehlungen entnommen, die dem BfS vorliegen. Sie entsprechen Grenzwerten, die für Laboratorien und Arbeitsbereiche in kerntechnischen Anlagen akzeptiert sind, in denen an sehr viel kleineren Apparaturen und Stücken längere Zeit hantiert wird. Sie werden deshalb für die Auswirkung der sehr viel größeren möglichen Kontaminationsflächen - der Transportbehälter für konservativ genug gehalten, weil die Handhabungsdauer dort erwartungsgemäß kürzer ist.

Kaul möchte nun wohl "weniger auf den Wischtestlappen drücken", um die Gefährdungen aus den Behältergroßflächen (bis 5 90 000 cm²) herunterzumanipulieren. Was er verschweigt, ist die Tatsache, daß nur an 18 tellergroßen vorgegebenen Einzelflächen mit je 300 cm² Größe (weniger als ein Prozent) überhaupt gewischt wird und das Ergebnis somit nur einen zufallsbedingten Weit anzeigt. Ein Wert von 80 Bq/cm² (1995/98 beim Transport von Grohnde nach Sellafield gemessen) entspricht auf der Wischprobenfläche einer Gesamtaktivität von 80 x 300 = 24 000 Bq.
Daß keine gesundheitlichen Gefährdungen mit der Überschreitung der Grenzwerte verbunden sind, ist eine reine Lüge. Bereits 1988/89 wurden in den USA an den Castor- Behältern V/21 und II b Kontaminationen von 141 Bq/cm² festgestellt, somit 42300 Bq insgesamt. Wenn es sich dabei um punktförmige heiße Partikel mit hohem Kobalt-60- Anteil gehandelt hat, errechnet sich aus der Einatmung eines solchen "hot spots" eine effektive Dosisbelastung von 2,5 Millisievert (mSv).
War die Hälfte davon CS-137, so ergibt sich eine Dosis von 1,43 mSv. Zulässig ist nach EuroGrundnorm maximal nur 1,00 mSv. Am besten wäre es für die Betreiber, die selbst aufgestellte Prüfvorschrift 511 international so zu "harmonisieren", daß niemand mehr Nachkontaminationen auf dem Transportweg feststellen und beweisen kann. Die Befolgung der Prüfvorschrift 43, die ebenfalls vom BfS freigegeben wurde, verhindert dann auch noch die Feststellung, wie hoch die Spitzenwerte der durchdringenden Neutronendirektstrahlung an bestimmten durchlässigeren Stellen der "HAW- Kokillenbehälter" sind.

So kann nichts bewiesen werden, und durch die "Harmonisierung" ist das Töten dann legal und perfekt.

Heinrich Messerschmidt, Lüchow

Bearbeitet am:01.08.1998  /ad


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