Leserbrief der

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vom 01.08.1998

Neue Castors ohne Praxistests 

 Betrifft: Atommüllentsorgung

Die Atomindustrie drängt, sie möchte wegen der Entsorgungsnöte den Atomtransportestopp
für die abgebrannten Brennelemente aufgehoben sehen. Die deutschen Hersteller des "Castors" legen immer wieder Wert darauf - so auch die BLG Gorleben , daß der "deutsche Castor" vom
Kontaminationsskandal - bis auf den einen in Ahaus - nicht betroffen sei. Ich will das gar nicht weiter konunentieren, sondern das Augenmerk auf einen gravierenden Einwand gegen weitere Castor-Transporte lenken, auf ein Faktum, das bislang keinerlei Erwähnung fand.

In einem Gutachten für den Kernenergiebeirat, des Landes Mecklenburg-Vorpommern, in dem ich für den BUND mitwirke, arbeitet Prof. Dr. Elmar Schlich heraus, daß CastorBehälter neueren Typs nicht zum Einsatz kommen dürfen, weil sie niemals praktischen Tests unterzogen wurden. Die Dichtigkeit der Behälter wird lediglich errechnet. Der Gutachter stellt klar, daß die rein rechnerische Übertragbarkeit früherer Experimente nach den Richtlinien der internationalen Atombehörde IAEO nur dann abgewandt werden darf, wenn die Berechnungsverfahren als "belastbar und konservativ" anerkannt sind. Angesichts der Veränderungen im Herstellungsverfahren und in der Geometrie - nicht nur der Querschnitt und die Maße der neueren Behälter sind verändert, auch die Lage der Dichtungen verstoßen die Rechenkunststücke der Castor-Hersteller gegen die IAEO-Richtlinie 37, einem begleitenden Kommentar ("Advisory Material") zur Richtlinie Nr. 6 der die detaillierten technischen Anforderungen und Prüfmethoden erläutert.

In den Jahren 1978 bis 1982 wurden mehrere Tests mit den Castoren Ia, Ic und IIa durchgeführt, allerdings hatten nur zwei Castor-Behälter Originalgröße. Seidem wurden keine Fall-, Brand- oder Penetrationsversuehe mehr durchgeführt, obwohl die neueren Behälter (V 19, V 52 und 440 - die spezielle Entwickung für die "Ost-Reaktoren" in Greifswald und Rheinsberg) sich owohl in ihrer Geometrie und auch vom Herstellungsverfahren von den Castor-Behältern der "ersten Generation" untercheiden, konstatiert Schlich. Der Castor Ic ist beispielsweise sechseckig, der moderne Castor V 19, der in Ahaus und Gorleben eingesetzt wurde, ist rund. Die Prüfmuster, die dem Gutachten der BAM bis zum Jahr 1982 zugrunde lagen, waren allesamt mit Hilfe des Sandgußverfahrens hergestellt worden - nach 1985 wurde nach Zweifeln an der Güte der Werkstoffqualität die Behälterherstellung umgestellt auf den gekühlten Kokillenguß.

Für mich liegt klar auf der Hand: Transporte mit den "Castoren" sind nicht zulässig. Wer das Gutachten - und eine Stellungnahme von Dr. Janberg, GNS - lesen möchte, wendet sich an das Innenministerium in Schwerin, Wissmarsche Straße 133, 19053 Schwerin.

Wolfgang Ehmke. Breese/Göhrde

Bearbeitet am: 01.08.1998  /ad


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