Leserbrief der

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vom   02.03.1999

Ungelöste Probleme bei Castor-Behältern

Zum Leserbrief "Castor ohne Transportverbot" von Jürgen Auer (EJZ vom 23. Februar)

Herrn Auer ist es in seiner Funktion als Pressesprecher der BLG offensichtlich unangenehm, daß Probleme sachlich öffentlich diskutiert werden. Seine Aussagen bedürfen in wichtigen Punkten der Ergänzung bzw. Korrektur: " Im Zwischenlager Gorleben ist alles in Ordnung", so die Aussage von Ministerpräsident Glogowski und BLG bezüglich der Außenkontamination von Castoren. Liegen dafür hinreichende Beweise vor?

Richtig ist, daß sowohl von der BLG als auch vom TÜV Nachmessungen vorgenommen wurden, die keine Überschreitung der Grenzwerte aufzeigen. Dabei muß man jedoch beachten, daß weniger als ein Prozent der Oberfläche der Castoren erfaßt wurde. Wenn Castor-Behälter abwischbare Radioaktivität an der Oberfläche aufweisen, ist zu erwarten, daß Radioaktivität auf den Transportwaggons nachweisbar ist.

Mehrfach haben die Kreisverwaltung und die Verwaltung der Gemeinde Dannenberg vergeblich versucht, vom Eisenbahnbundesamt Kopien der entsprechenden Meßprotokolle zu erhalten. Warum weigert sich die Bahn so beharrlich? Besteht für Behörden und Betreiber Vertuschungsbedarf? Auch im Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) zum Kontaminationsskandal sucht man Aussagen zu den CastorTransporten vergeblich. Die Gutachter behaupten wie Herr Auer, daß das Problem der Außenkontamination nur bei Transport-, nicht aber bei Castor-Behältern auftreten könne.
Falsch, wie wir nunmehr wissen. An drei der sechs ins Zwischenlager Ahaus transportierten Castoren wurden grenzwertüberschreitende Kontaminationen festgestellt. Die These, die Herr Auer und GRS vertreten, die Ursache für die Kontamination läge im Kontakt mit radioaktivem Beckenwasser, ist bislang unbewiesen. Experimente der GRS, die diese These bestätigen sollten, sind fehlgeschlagen. Solange Unklarheit besteht, ist es nicht zu verantworten, Außenkontamination bei Castor-Behältern mit Glaskokillen auszuschließen.

Richtig ist, daß die Restfeuchte bei Glaskokillen keine Rolle spielt. Herr Auer verschweigt, daß bei fünf der acht eingelagerten Castoren die potentielle Gefahr der Korrosion der Dichtung besteht. Damit kann von der beschworenen Langzeitsicherheit der Castoren nicht mehr die Rede sein. Auch die Gesundheitsgefährdung durch Neutronenstrahlung beim Transport von Glaskokillen wird von Herrn Auer nicht erwähnt.
Die Neubesetzung der Strahlenschutz- und Reaktorsicherheitskommission läßt hoffen, daß die Wissenschaftslobby der Atomwirtschaft nicht mehr allein über Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung bestimmt. Castor-Transporte sind in absehbarer Zeit wegen ungelöster Probleme nicht zu verantworten.

Udo Jentzsch, Tießau

Bearbeitet am:  02.03.1999/ad


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