Leserbrief der

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vom 06.12.2011

Mit Würde und Anstand mehr Aussicht auf Erfolg

Betrifft: Gewalt bei den Castor-Protesten

In die große Freude über die gelungenen Verzögerungen beim Castor-Transport hat sich auch Nachdenklichkeit gemischt. Der wiederholte Satz »Wir sind die Guten» und mit Schrauben durchbohrte Golfbälle, die auf Menschen in Uniform geschleudert werden, sind der Anlass. Die Geisteshaltung »Wir sind die Guten» kann langfristig im Persönlichen zu Depression, Überheblichkeit oder Hass und im Kollektiven zu Diktatur, Krieg und Gewaltherrschaft führen.

Man wird ja versucht sein, sich entweder selbst zu bemitleiden oder die Bösen zu attackieren, zu verbieten oder gar auszurotten.

Alles Gute oder »Böse in der Welt hat aber seine geistigen Ursachen. Und selbst der Nutzung von Atomenergie liegen Gier, Größenwahn und Rücksichtslosigkeit zugrunde. Wir können feststellen, dass diese Eigenschaften in jedem von uns in unterschiedlichen Anteilen vorhanden sind - sonst wären wir nämlich gar nicht hier in dieser schlechten Welt. Um die Welt also nachhaltig zu verbessern, müssten wir diese unsere negativen Eigenschaften bekämpfen (Dschihad). Das wollen wir natürlich nicht, lieber bekämpfen wir die anderen.

Wenn wir nicht akzeptieren, dass es den Zufall nicht wirklich gibt und wir (die Guten) deshalb auch nicht zufällig in einer schlechten Welt (mit Atommüll) gelandet sein können, drücken wir uns vor unserer Verantwortung und neigen zu Depression oder Aggression.

Wenn der Meister sagte, »Nenne mich nicht guter Meister. Es gibt nur einen, der gut ist...», können wir das als Anweisung verstehen, in uns zu blicken und zu versuchen, das Schlechte, was dort zu finden ist, zu erkennen, auszuhalten und möglichst umzuwandeln. Das unzählige Scheitern bei dieser permanenten, meist unbewussten Aufgabe hat mir die Erkenntnis geliefert, dass ich wohl nicht zu den Guten, wohl aber in diese Welt gehöre.

Als dennoch Castor-Protestierender möchte ich mich hiermit von Hass und Gewalt gegenüber Polizistinnen und Polizisten distanzieren. Gorleben ist nicht zu akzeptieren, aber mit Würde und Anstand hat man auch mehr Aussicht auf Erfolg.

Christian Becker,

Langendorf

Bearbeitet am: 06.12.2011/ad


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