Leserbrief der

ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 08.12.2011

Dem Gewissen folgen und die Konsequenz tragen

Betrifft: Entschuldigung wegen Schüler-Demo

Als die Tochter zur fünften Klasse an die Drawehn-Schule wechselte, wir dort die Willkommensrede des Schulleiters lauschten, war man ganz angetan von geäußerten Versprechen und Ansprüchen. Inhaltlich die gleiche Rede, als der Sohn der Schwester nach vier Jahren dorthin folgte. Wieder war Grundtenor: Diese Schule wird jungen Menschen echte Hilfe zu selbstdenkendem, couragiertem, hilfsbereitem, selbstständigem, kritischem, aufrechtgehendem Verhalten geben.

Dass diese Versprechen und Ansprüche sich in Luft auflösen beziehungsweise sogar ins Gegenteil kehren, sobald sich ein Castor dem Wendland nähert, wurde nicht erwähnt. Wie landkreisweit bekannt, gab es anlässlich der jüngsten Castor-Fracht eine Schüler-Demo in Lüchow. Da die Tochter das Pech oder Glück hatte, auch dieses Jahr erkennbar in der EJZ mit Porträt abgebildet zu sein, ist es ihr schon daher unmöglich zu leugnen, daran teilgenommen zu haben. Dass Schulpflicht mal dem Demonstrationsrecht zurückzustehen hat, teilte sie mit etwa 1800 Schülerinnen und Schülern und sicherlich einem Großteil der Elternschaft. Auch ihr EJZ-Foto wird Teilen der Schulpädagogen vermutlich bekannt sein, wissen daher exakt, wo sich das Mädchen tatsächlich befand. So weit, so gut.

Dennoch wird nun schulseits ermuntert oder gar gedrängt, das Fehlen in der Schule nicht wahrheitsgemäß zu begründen, sondern im Gegenteil wird zur dreisten, weil widerlegbaren Lüge geraten. Pädagogen erwarten im Falle der Castor-Demo, dass Schülerinnen und Schüler all die hehren Ansprüche verwerfen und lügen sollen. Um sich selbst einer gewissen Problematik hier im Lande nicht stellen zu müssen? Ein Thema, das den heranwachsenden Jugendlichen jedoch von umweltzerstörender Wirtschaft/ Regierung/Polizei längst aufgezwungen wurde, soll nicht thematisiert werden? Das Gorleben-Syndrom geht seinen Weg: vertuschen, verheimlichen, abstreiten, kollaborieren, zum Beispiel wurde Eltern »angeraten», um nicht zu sagen unterschwellig verlangt, »Übelkeit» als Fehlgrund anzugeben.

Eltern jedoch, die das komplette Lügengebilde beziehungsweise -gebäude »Gorleben» zu recht heftigst ablehnen und Wahrheit einfordern, sind sehr schlecht beraten, wenn sie diese Entschuldigungslüge mittragen. Auf diese Weise manifestiert sich das Gorleben-Syndrom auf eine andere Art und Weise in ihren Köpfen. Man kann nicht einerseits die Lügen von Wirtschaft/ Regierung/Polizei kritisieren, aber wenn es selbst passend erscheint ebenfalls zum Lügenpack verkommen. Damit erlernen unsere Kinder keinen aufrechten Gang, sondern setzen das fort, was wir und sie glauben zu bekämpfen. Die Tochter hat sich daher entschieden, auf diese Form von Entschuldigung zu verzichten, was elternseits mit Respekt und Achtung quittiert wird.

Von der Schule hätte ich erwartet, dass sie oben genannte Ansprüche umsetzt, die Schülerinnen und Schüler ermuntert und anhält, ihrem Gewissen zu folgen, die Konsequenz zu tragen und einen müden Eintrag wegen eines unentschuldigten Fehltages dann hinzunehmen.

Bodo Arndt,
Gühlitz

Bearbeitet am: 08.12.2011/ad


Zurück zur Homepage