Leserbrief der

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vom 17.12.2011

Polizeiliche Provokationen

Betrifft: Castor-Transport

Wieder einmal haben wir hier im Wendland einen unglaublichen Castor-Transport erleben müssen. Allein schon die Tatsache, dass diese todbringenden Behälter just am 1. Advent im Landkreis eintrafen, ist eine ungeheure Provokation der hier Lebenden.

Wer konnte sich an dem Wochenende schon auf die beschauliche Vorweihnachtszeit einstellen, wenn zehntausende Polizeibeamte in den Landkreis einfallen, Straßenkontrollen aller Orten vorgenommen wurden, NATO-Stacheldraht ausgerollt ist, Hubschrauber in der Luft knattern? Der Weihnachtsmarkt in Dannenberg musste ausfallen.

Die Polizei lamentiert nun immer wieder von »Eskalation» auf Seiten der Atomkraftgegner. Wer provoziert hier eigentlich? Warum werden die Behälter hier her gekarrt, wenn doch die Strahlenmessungen am Zwischenlager durch Tricks und Manipulationen gerade noch so heruntergerechnet werden, dass die Jahresgrenzwerte knapp eingehalten werden? Elf Behälter, von denen jeder die vierfache Strahlung enthält, die in Fukushima freigesetzt wurde? Eine neue Standortsuche wird angekündigt, der Schwarzbau Gorleben aber in Tag- und Nachtschichten weiter ausgebaut?

Sicher: Die tausenden Menschen, die sich friedlich auf die Schiene, auf die Straße setzen, sind eine Provokation für den Castor-Staat. Die polizeilichen Provokationen aber sind Macht- und Rachedemonstrationen, die eines demokratischen Staats unwürdig sind.

Ein Beispiel sei die Fahrraddemonstration am Advents-sonntag. Hier bietet sich traditionell eine Möglichkeit auch für Menschen, die Angst vor der Polizeiwillkür haben, mit Kindern und Alten ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Alles war abgesprochen, die Demo bestätigt. Lächerlich zwar, dass die Radler erst mit Verspätung starten konnten, weil die Polizei ihre Begleitfahrzeuge nicht rechtzeitig zum Startort bugsieren konnte. Weniger lächerlich aber, dass fast am Ende der bestätigten Route plötzlich versucht wurde, die Fahrradfahrer nicht über die Gorlebener Hauptstraße zur Umrundung des Endlager-Schwarzbaus fahren zu lassen.

Unverschämt dann, dass die Querung der abgesperrten Einfahrt nicht ermöglicht wurde und sich hunderte Radler per Polizeibefehl durch eine Schneise im Wald, am Gottesdienst des »Gorlebener Gebets» vorbei, zum Schwarzbau-Zaun quälen mussten. Für die Rückfahrt, nach Ende der Demonstration, wurden dann allerdings die Absperrgitter kurzfristig geöffnet. Wer also provoziert?

Das Gorlebener Gebet sei um Nachsicht gebeten, dass die Fahrraddemo in diese Polizeifalle geraten ist.

Dieter Metk,
Tarmitz

Bearbeitet am: 17.12.2011/ad


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