Leserbrief der

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vom 25.12.2011

Recht auf körperliche Unversehrtheit steht jedem zu

Betrifft: Äußerungen von Eckhard Pols und Cornelia Kamphausen beim CDU-Parteitag (EJZ

vom 2. Dezember)

Erst durch den guten Leserbrief von Gerhard Has habe ich erfahren, dass Eckhard Pols auf der CDU-Mitgliederversammlung in Lüchow am 30. November Folgendes sagte: Er fand auch, dass man diejenigen, die sich einbetonierten, erstmal ruhig ein wenig liegenlassen und nicht gleich mit einem Wärmezelt versorgen sollte, während die Polizisten frierend daneben stünden.

Dazu Folgendes: Erstens habe ich mich mit meinen Mitstreitern und meiner Mitstreiterin nicht einbetoniert, sondern in einem Rohr in einem Betonklotz angekettet. Das nur mal zum technischen Verständnis der Aktion.

Zweitens waren wir selbst ziemlich gut ausgestattet gegen die Temperaturen und haben selbst Isomatten und Rettungsdecken, Getränke, Essen und Unterstützung dabei gehabt.

Drittens haben wir mindestens neun bis zehn Stunden auf den Gleisen gelegen, bevor das Zelt über uns aufgebaut wurde. Dieses diente nach den Worten des Einsatzleiters Scheiner dazu, die Presse abzuschirmen, und es gelang ihm auch dadurch. Wir wollten das Zelt nicht, und auch die Heizung wurde auf unser Drängen gleich wieder ausgestellt, weil es uns zu warm wurde. Also: Zelt und Heizung gingen auf das Konto von Herrn Scheiner.

Wenn Herrn Pols dessen Vorgehen nicht passt, rate ich ihm, sich an ihn zu wenden und keine polemischen Reden zu halten. Und das Recht auf körperliche Unversehrtheit steht übrigens jedem und jeder zu, unabhängig von Handlung und politischer Gesinnung. Falls Herr Pols das vergessen haben sollte: Im Artikel 2 des Grundgesetzes ist dies festgeschrieben, neben dem Verbot von Körperstrafen, Folter und so weiter. Viertens stand wirklich eine große Menge von Polizisten nutzlos um uns herum während der 15-stündigen Aktion. Sollte ihnen kalt gewesen sein, hätten sie sich ja irgendwie sinnvoll betätigen können, denn bekanntlich ist Arbeit doch die wärmste Jacke.

Zum Thema menschliche Schutzschilde: Wozu bräuchte man diese denn, wenn man sich in den Castor-Tagen in Gleisnähe aufhält? Doch wohl höchstens, um sich vor OC-Kampfstoffen (Pfefferspray), Gummiknüppeln und Reiterstaffeln zu schützen, die unrechtmäßig gegen Versammlungsteilnehmer/innen eingesetzt werden. Wer sein/ihr Recht auf Meinungsäußerung ausübt, sollte nicht vor irgendetwas Angst haben müssen in einer Demokratie.

»Abscheulich» (Zitat Cornelia Kamphausen) ist für mich nicht der vielfältige, entschlossene und in überwältigender Mehrheit gewaltfreie Widerstand gegen lebensverachtende Technologie, sondern sind solche Sprüche.

 

Oliver Rausch,
Krummasel

Bearbeitet am: 25.12.2011/ad


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