Leserbrief der

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vom 21.04.2018

Forciert AfD den Endlagerstandort Gorleben?

Betrifft: Bericht über den AfD-Antrag zur Salzhaldenabdeckung

Wie die Verwaltung richtig dargestellt hat, gibt es für die Begrünung von Salzhalden keine Standards, weil jede Halde anders ist. Aber alle haben eins gemeinsam: Sie sind kein lockerer Hügel wie ein großer Sandhaufen, sondern knüppelhart, klüftig, mit Spalten bis tief ins Innere, messerscharfen Graten und stabilen Böschungen.

Die als Beispiel angeführte Halde in Reyershausen ist eben aus diesen Gründen nur teilweise abgedeckt, und auch nach 40 Jahren gibt es immer noch Einbrüche innerhalb der Halde, so dass für Teilbereiche ein Betretungsverbot besteht. Die Halde wurde mit leicht „verunreinigtem“ Boden abgedeckt. Heute wäre solch eine Abdeckung nur mit unbelastetem Boden möglich.Hier stellt sich die Frage: Wo sollen diese Materialmengen herkommen?

Der Boden müsste auch eine gewisse Bindigkeit haben, um Standfestigkeit zu gewährleisten. Über die Verfügbarkeit von bindigen Böden können die Deichbauer ein Lied singen. Solche Böden gibt es nicht um die Ecke. Auch die Verwendung von Bauschutt wie beispielsweise auf der Kalihalde in Wathlingen (Gem. Uetze) ist nicht so einfach, weil weit vorgebaut werden muss, um standfeste Böschungen zu erhalten. Auch da die Frage, wo sollten hier im Landkreis geeignete Materialmengen anfallen? Wie wäre die Qualität zu prüfen, wenn dann Abfall nicht nach Abfallrecht „entsorgt“ wird, sondern nach Bergrecht „entsorgt“ wird?

 Hinzu kommt die steigende Knappheit an Sanden und Kiesen, sodass Bauschutt besser recycelt wird. In Bokeloh bei Hannover wurde eine Halde mit Rekal-Schlamm abgedeckt. Nicht nur das dieses Rückstandsprodukt aus der Aluminumproduktion hoch nitrathaltig ist und die Salzbelastung der Elbe dann durch die Nitratbelastung des Grundwassers ersetzt würde. Es kam auch 2010 zu einem Hangabrutsch, der ähnlich einer Schneelavine eine Kreisstraße unter sich begrub. In Heringen (Werra) wurden Versuche mit Grünkompost vorgenommen, der wie bei der Kalkung von Wäldern, mit dem Hubschrauber drei Zentimeter dick ausgebracht wurde. Ein Auswaschen von Salz kann so nicht verhindert werden, weil die Überfläche der Halden ungleichmäßig ist und Regen das Material kleinräumig abschwemmt und dann an einigen Stellen zehn bis 20 Zentimeter Auftrag oder gar kein Auftrag zu finden ist. Einfach eine Folie über den Hügel spannen, geht ebenfalls nicht. Bei dem scharfkantigen „Hartgestein“ mit entsprechenden temperaturbedingten Zug- und Spannkräften, die auf die Folie wirken, wird keine Firma eine Garantie auf Dichtigkeit übernehmen ohne Unterbaumassnahmen.

Einen ganz wichtigen Punkt hat die AfD aber unterschlagen. Sollte diese Halde in irgendeiner Form abgedeckt werden, ist das eine Fixierung auf ein Endlager in Gorleben. Wenn Gorleben kein Endlager wird, kann das Salz auch wieder nach untertage.

Somit stellt sich der AfD-Antrag als rein populistisches Getöse dar, der einem Endlagerstandort Vorschub leistet. Man sollte viel mehr den Bergwerksbetreiber zwingen, das salzbelastete Wasser wieder auf der Halde zu verregnen – Stichwort Saline.

Willy Hardes,
Braasche

Bearbeitet am: 21.04.2018/ad


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