Leserbrief der

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vom 21.07.2018

Naturpark: Teil der Gorleben-Geschichte

Betrifft: Artikel „Laute Debatte um paradiesische Stille – 50 Jahre Naturpark Elbufer-Drawehn“ (EJZ vom 12. Juli)

Der Naturpark war auch in anderer,durchaus erwähnenswerterHinsicht „in der Politik heißumkämpft“: Er spielte zwei Maleine Rolle bei der Standortauswahlfür ein Atommüll-Endlager.Im ersten Auswahlverfahren desBundes 1974-1976 wurde der SalzstockGorleben nach Aussage desleitenden Geologen Prof. GerdLüttig wegen der bereits bekanntengeologischen Mängel garnicht erst berücksichtigt.

Noch2010 versucht der Historiker AnselmTiggemann in einer Auftragsarbeitfür die niedersächsischeLandesregierung diesen fürdie Gorleben-Befürworter hochnotpeinlichenSachstand zu heilenund behauptet: „Im Jahre1974 war es also weder die Grenznähe(...), noch Mängel des Salzstocks,die begründen, warumGorleben nicht (...) berücksichtigtwurde. Vielmehr war es nachAktenlage das Kriterium ‚Lageim Ferien- und Erholungsraum’(...), warum Gorleben gar nichtals Standortmöglichkeit in Erwägunggezogen war.“ Damit warder Naturpark gemeint. Eindreister und eben nach Aktenlagegerade nicht zu ziehenderSchluss des damaligen CDUFraktionsmitarbeitersTiggemann.

Denn der Standort Lutterlohschaffte es im gleichen Verfahrenimmerhin unter die letztendrei Standorte – und Lutterlohliegt mitten im ErholungsgebietNaturpark Südheide. Ein entsprechendesAusschlusskriteriumhätte dann auch schon indemselben frühen Verfahrensstadium,in dem Gorleben alsnicht betrachtungswürdig erschien,auf Lutterloh angewendetwerden müssen. Währendder Naturpark bis hier nur eineindirekte Rolle beim Versuch derspäteren Geschichtsklitterungspielte, war er im zweiten „Suchverfahren“im Winter 1976/77,diesmal im Auftrag der Landesregierung,sogar das Zünglein ander Waage. Eine interministerielleArbeitsgruppe hatte – nebenden drei vom Bund in die engereWahl gezogenen StandortenWahn, Lutterloh und Lichtenhorst– 20 weitere Orte unter anderennach dem Kriterium „KeineAusweisung von Naturschutz-,Landschaftsschutz- undErholungsgebieten“ (!) für eineanschließende Bewertung nachbeispielsweise Tiefenlage undGröße des Salzstockes identifiziert.

Das Ergebnis ist bekannt:Am 22. Februar 1977 benennt MinisterpräsidentErnst Albrecht(CDU) Gorleben als einzigenStandort für das geplante Entsorgungszentrum.Gorleben, dasim Erholungsgebiet NaturparkElbufer-Drawehn liegt.Wie konnte das sein? Hier gebührtdem Historiker Tiggemanndas Verdienst, den Fall aufgeklärtzu haben, gut verstecktin einer Fußnote seiner Arbeit:„Im Hinblick auf Gorleben ist interessant,dass aus der Lage ‚imNaturpark Elbufer-Drawehn’, dieFormulierung, das Gelände‚grenzt an den Naturpark Elbufer-Drawehn (…)’ wurde.“ Ohnediese – wie ich meine – Manipulationder Kabinettsvorlage beimKriterium Erholungsgebiet hätteGorleben den Spitzenplatznicht einnehmen können. Unddie Geschichte wäre anders verlaufen.

Mathias Edler,
Kussebode

Bearbeitet am: 21.07.2018/ad


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