Leserbrief der

vom 05.10.2019

Gesunde Skepsis

Betrifft: Abriss als „politisches Signal“ (EJZ vom 7. September)

Umweltminister Lies hat nach seinem Besuch im Zwischenlager Gorleben beruhigende Worte für uns.

Er hat vollstes Vertrauen in die Arbeit der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), denn: „Wir alle sind die BGZ“, nicht mehr nur ein Unternehmen. Heißt das, die größt-mögliche Kompetenz ist am Werk?

Bedeutet das Transparenz und Sicherheit? Machen wir uns nichts vor, die langfristige Zwischenlagerung hochradioaktiven Mülls ist Neuland. Geprüfte Verfahren und wissenschaftliche Langzeitstudien gibt es nicht. In der Medizin durchlaufen Verfahren und Medikamente vor der Anwendung jahrelange Testreihen, bevor sie für die Praxis zugelassen werden.

Zeit zum Testen von Aufbewahrungsverfahren für den bereits massenhaft vorhandenen hochradioaktiven Atommüll gibt es nicht. Learning by doing – wir müssen es am hochgefährlichen Objekt ausprobieren, eine schlecht zu kontrollierende Ausgangslage.

Die Pilotkonditionierungsanlage zur Reparatur defekter Castoren wird als veraltet ausgemustert. Es gibt keine neue. Ein Konzept für Reparaturmöglichkeiten wird gerade erst entwickelt. Die Werkstatt besteht noch nicht, und erst recht gibt es dort noch keine Erfahrung. Die deutschland-erste Videoüberwachsungsanlage für Fässer wird installiert. Wie, wo, wie oft, wie lange am besten beobachtet wird – keine Erfahrung.

Statt uns mit den Schlagworten „die Zwischenlagerung ist sicher“ abzuspeisen, möchte ich lieber die gesunde Portion Skepsis gegenüber neuen Methoden bei der BGZ erkennen können. Ich möchte eine nahezu zwanghafte Wachsamkeit in Sicherheitsfragen sehen und erfahren, welche Forschungsprojekte angeschoben werden, um die der Strahlung und Hochtemperatur ausgesetzten Materialien zu überprüfen (wird mal eine Castoröffnung geplant?).

Signalisiert uns, liebe Mitarbeiter der BGZ, dass Ihr Eure engen Grenzen kennt. Dies ist eine Voraussetzung für das Vertrauen in Eure Bemühungen, das Menschenmögliche zu tun, eine Katastrophe abzuwenden.

Barbara Khanavkar,
Vietze

Bearbeitet am: 07.10.2019/ad


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