Chronologie der Gorlebener Atomanlagen und des Widerstandes (1977-1997)

Inhaltsverzeichnis:
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1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987
1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
 

Niedersachsens vergiftetes Zugeständnis - Neuere Darstellungen über die Geschichte des Auswahlverfahrens für ein Nukleares Entsorgungszentrum Gorleben (EJZ vom 17.12.2005

1977

  • 22.Februar
    Standortverkündung durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht
  • 12. März
    Großkundgebung in Gorleben, ca. 20.000 Teilnehmer Sommer: internationales Sommercamp in Gartow. Erntehilfe, Wiederaufforstung der Waldbrandflächen, auf denen die DWK (Deutsche Gesellschaft zur Wiederauf arbeitung von Kernbrennstoffen) eine WAA errichten will. Herbst: Der Aufruf "Gorleben soll leben" erscheint
  • 1 7.0ktober
    OVG Lüneburg verfügt Baustopp für Brokdorf, der Weiterbau des AKW wird an Entsorgungsnachweise (Gorleben) gebunden.

1978

  • Jan.-April:
    Landkäufe der DWK. Bespitzelung von Bürgern durch ein Stader Wachkommando
  • 10.-17. Juli:
    innerhalb von 5 Tagen sammelt die Bl 800.000 DM, um der DWK beim Grundstückskauf zuvorzukommen, der Eigentümer verkauft schließlich doch an die DWK Sommer: 2. internationales Sommercamp Oktober: bundesweite Aktionstage "Gorleben soll leben"

1979

  • Januar:
    mobile Waldwache im Vorfeld erster Baugrundunter suchungen (Flachbohrungen)
  • 14. März:
    Beginn der Bohrungen, Blockadeaktionen
  • 19. März
    Bauern blockieren die Bohrfahrzeuge in ihrem Depot
  • 25.-31.März
    Treck nach Hannover, dort findet zeitgleich das "internationale Gorleben-Symposium" statt
  • 16.Mai
    Ministerpräsident Albrecht lehnt den Bau einer WAA in Gorleben ab, hält an dem Endlager fest September: massiver Polizeieinsatz zur Einrichtung der ersten Tiefbohrstelle (1003) für die "Erkundung" des Salzstocks Gorleben-Rambow

1980

  • 5.Januar
    Beginn der ersten Tiefbohrung Ende Januar: Errichtung des zweiten Tiefbohrplatzes (1002) Ostern: internationales Frauentreffen in Gorleben, 5000 Teilnehmerinnen
  • 3. Mai
    Besetzung der Bohrstelle 1004, Errichtung eines Hüttendorfes (»Freie Republik Wendland")
  • 4. Juni
    gewaltsame Räumung von 1004, bundesweite Proteste Herbst: Gerüchte, in Gorleben sei ein Zwischenlager geplant, verdichten sich

1981

  • 28.Januar
    Anhörung der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) zu den Zwischenlagern (Faßlager und Brennelement Zwischenlager) in Gorleben
  • April
    Kanzler Schmidt und Oppositionsführer Kohl besuchen das Wendland und geben den Kommunalpolitikern Rückendeckung
  • 26./27. Mai
    Ratsentscheidung der Samtgemeinde Gartow zu den Zwischenlagern zugunsten des Antrags der DWK, gekoppelt an ein Nein zur WAA

1982

  • 27. Januar
    Grenzbesetzung auf dem Gebiet der DDR als Protest gegen den Baubeginn des Zwischenlagers
  • April
    Frauenblockade der Baustelle
  • 4.Sept
    Tanz auf dem Vulkan, Großkundgebung am Zwischenlager mit 10.000 Teilnehmerinnen, militante Auseinandersetzungen
  • 1 . November
    die Bl enthüllt Pläne zum Bau einer WAA in Dragahn

1983

  • Januar
    Fußmarsch von einer Abordnung verschiedener Widerstands- gruppen nach Hannover, wo die Arche Wendland errichtet wird. Der Kreistag entscheidet mehrheitlich, daß die WAA gebaut werden soll
  • 29. Januar
    Ende des Marsches, erst 10, dann 100, schließlich 1.000 Menschen (vorwiegend aus dem Wendland) protestieren in Hannover
  • 20. Februar
    300 Traktoren und 2.500 Lüchow-DannenbergerInnen I - demonstrieren in Dragahn Mai: Besetzung des Bahnwärterhäuschens bei Dragahn, Störungen und Behinderungen der Baugrunduntersuchungen
  • 6. August
    am Hiroshima-Tag demonstrieren ca. 2000 Menschen in Dragahn gegen zivile und militärische Nutzung der Atomenergie

1984

  • März
    Erörterungstermin zur Errichtung der WAA in Dragahn
  •  
  • 24. März
    Menschenkette von Hitzacker bis Clenze, ca. 12.000 Teilnehmerinnen
  • 30. April
    Wendlandblockade, für 12 Stunden werden alle wichtigen Zufahrtsstraßen nach Gorleben gesperrt
  • 8. Oktober
    Tag X, erster Atommülltransport, danach andauernde Proteste und Barrikaden auf den Straßen Unter den Fässern sind auch falsch deklarierte und illegal verschobene Fässer (Trans-Nuclear Skandal)
  • Dezember
    Gewerbeaufsichtsamt verfügt Einlagerungsstopp wegen der Baumängel

1985

  • 4. Februar
    DWK entscheidet: die WAA soll nicht in Dragahn, sondern in Wackersdorf gebaut werden
  • 16. Februar
    Sonderbusse aus Lüchow-Dannenberg fahren zur Großdemo nach Wackersdorf
  • 23. Februar
    Aktionstag im Wendland, Enthüllung eines Mahnsteins August: das Brennelement-Zwischenlager bleibt gerichtlich blockiert Oktober: nach einjährigem Einlagerungsstopp neue Atomtransporte zum Faßlager in Gorleben, erfolgreiche Behinderungs aktionen

1986

  • 17. Februar
    500 Lüchow-DannenbergerInnen protestieren gegen Rodungen für die Einrichtung einer Abraum- und Salzhalde, die im Zuge des Endlagerbaus aufgeschüttet werden soll Ende April: wenige Tage nach dem sowjetischen Super-GAU in Tschernobyl stellt die DWK den Antrag zur Errichtung einer Konditionierungsanlage in Gorleben.
  • 8./9. Mai
    Endlagerspektakel in Gorleben, ca. 5.000TeilnehmerInnen; danach: Eltern und Kinder fordern die Stillegung aller Atomanlagen in 0st und West
  • 15. Juli
    Biobauern besetzen das Kreishaus aus Protest gegen die Einstellung der unentgeltlichen staatlichen Meßprogramme
  • 18. Sept
    Fest des "ersten Kübels" in Gorleben, das Abteufen des ersten Schachtes zur Errichtung des Endlagers beginnt unter lautstarken Protest
  • Mitte November
    Staatsanwaltschaft Lüneburg erhebt Anklage gegen drei AKW-Gegner aus dem Wendland, u.a. wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung

1987

  • 25.Jan.
    Lilo Woliny kommt in den Bundestag
  • Februar
    10 Jahre Gorleben Standortbenennung
  • 29.März
    40 Trecker + 1.000 Demonstrantinnen protestieren in Gorleben gegen den geplanten Bau der PKA
  • 12.Mai
    Schwerer Unfall im Schacht 1 in Gorleben, ein Stahlring war gebrochen und auf sechs Arbeiter gestürzt. Sechs Schwerverletzte, einer tödlich.
  • 23.Juni
    20 AtomkraftgegnerInnen besetzen das Bergamt Celle, anschließend fehlen wichtige Unterlagen, die belegen, daß der Unfall im Schacht fahrlässig zustande kam. Durch die Strafanzeige der Bl und der daraus resultierenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kommt es zum Baustop für eineinhalb Jahre.
  • 22. Juli
    Die INITIATIVE 60 demonstriert im Umweltministerium in Hannover für ein Stop in Gorleben.
  • Oktober
    Das Widerstanscamp in Gedelitz hat in Gorleben einen Beobachtungsturm gebaut, sie rechnen bald mit dem ersten Castortransport.
  • Dezember
    Der Transnuclear-Skandal erreicht seinen Höhepunkt, mehrere Atommanager haben bereits Selbstmord begangen. Schwachaktive Atommüllfässer waren illegal mit Plutonium etc. vermischt worden.

1988

  • Januar bis März
    Einwendungsfrist für die Pilotkonditionierungsanlage, der Sicherheitsbericht liegt aus.
  • 13.Januar
    In einem Stück Rotwild bei Nienwalde werden 3.346 bq/kg Cäsium gemessen.
  • 21 ./22.Januar
    70 Bauern blockieren mit ihren Treckern für 2 Tage das Zwischenlager. Die "Blähfässer" sollen abtransportiert und das Lager geschlossen werden.
  • 5.März
    8.000 Menschen demonstrieren in Gorleben gegen die Atomanlagen und für den Ausstieg aus der Atomenergie. Robert Jungk ist Hauptredner.
  • 18.März
    Der Grill/Licht Bestechungsskandal wir bekannt.
  • 27.März
    Der Kreuzweg für die Schöpfung von Wackersdorf zu Fuß nach Gorleben beginnt mit 600 Menschen.
  • 1. Mai
    Das 300-Leute Konzept zur Castor-Blockade wird vorgestellt.
  • 13.-15.Mai
    Frühjahrskonferenz der Anti-AKW-Bewegung in Trebel.
  • 25. Mai
    Erörterungstermin für die Pilotkonditionierungsanlage in Gartow wird nach Tumulten vertagt.
  • 28.Mai
    Nach 63 Tagen erreicht der "Kreuzweg für die Schöpfung" von Wackersdorf seinen Zielort Gorleben, wo das Kreuz neben dem ersten Kreuz in der Nähe des Endlagers aufgestellt wird.
  • 2.Juni
    Nach 7 Verhandlungstagen wird der PKA-Erörterungstermin beendet.
  • 13.Juni
    Undine von Blottnitz, Grüne Europaabgeordnete, hat eine Privataudienz bei Papst in Rom. Er will aber nicht zur nächsten Demo kommen.
  • 6.September
    Die PTB ordnet den Sofortvollzug für die CASTOR Einlagerung in das Gorlebener Zwischenlager an.
  • 7.September
    Der Landtag in Hannover mit seiner CDU/FDPMehrheit stimmt dem Bau der PKA in Gorleben zu.
  • 14.0ktober
    Der erste kalte, leere CASTOR wird fast unbemerkt nach Gorleben transportiert.
  • 25.0ktober
    Gerichtlicher Baustop des Endiagerbergwerkes durch Graf von Bernstorffs Klage.

1989

  • 2.Januar
    Die Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Arbeiten an den Schächten haben begonnen.
  •  
  • 23.Januar
    Nach 20 Monaten Baustop wird weiter abgetäuft.
  • 22.Februar
    3 Stunden Streik am Lüchower Gymnasium, weil die Bezirksregierung einen Informationstag zur Atomenergie verboten hat.
  • 26.Februar
    Mit einem Anti-Castor Sonderzug kommen 200 Demonstrantinnen aus Hamburg nach Dannenberg und mit Bussen weiter nach Gorleben.
  • 28.Februar
    Das Verwaltungsgericht in Lüneburg stoppt wenige Stunden vor dem geplanten CASTOR-Transport aus dem AKW Stade die geplante Einlagerung in Gorleben. Auch die Beschwerde der DWK/BLG wird vom Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen.
  • 15.März
    Findet der Projekttag Kernenergie im Lüchower Gymnasium statt.
  • 28.März
    10 Jahre Harrisburg-Unfall, damals wurden bei einer teilweisen Kernschmelze große Mengen von Radioaktivität freigesetzt, obwohl die Öffentlichkeit darüber belogen wurde, fliehen über 100.000 Menschen aus der Region. Anschließend wurden in den USA die Sicherheitsauflagen verschärft, so daß 110 in Planung und Bau befindliche AKW gestoppt wurden.
  • 13.April
    Der VEBA-Konzern läutet das Ende von Wackersdorf ein. Er verhandelt mit der COGEMA über eine Beteiligung an der WAA in Frankreich.
  • 30.Mai
    Baustop in Wackersdorf, endgültiges "Aus" für die WAA 1.+2.Juli Tag und Nacht gegen die PKA, Aktionswochenende mit Übernachtung im PKA-Wald, bei Dauerregen.
  • 14.August
    Der Hochtemperaturreaktor in Hamm wird auf Beschluß der NRW-Regierung endgültig stillgelegt.
  • 23.August
    5 leere CASTOR-Behälter werden zu Übungszwecken fast unbemerkt nach Gorleben gebracht.
  • 7./8.0ktober
    Widerstandswochenende gegen die Europäisierung der Atomwirtschaft in Gorleben. Auf gräflichem Boden wird eine Schutzhütte errichtet.
  • 18.Dezember
    Der Gorlebener Gemeinderat stimmt mit 5:3 für den Bau der Pilotkonditionierungsanlage.

1990

  • 10.Januar
    Im Schacht I wird in 256 m Tiefe der Salzstock erreicht. 31 .Januar Die atomrechtliche Teilbaugenehmigung für die PKA wird von Hannover erteilt, der Landkreis folgt mit der Baugenehmigung. Die Bl-Anwälte beantragen beim OVG Lüneburg den sofortigen Baustopp.
  • 1.Februar
    Seit 5 Uhr morgens haben ca.100 AKW-GegnerInnen den PKA-Wald besetzt und mit dem Hüttenbau begonnen.
  • 3.Februar
    5.000 Menschen aus 0st und West demonstrieren zum ersten Mal gemeinsam in Gorleben gegen den drohenden Bau der PKA und gegen Atomenergie in 0st und West.
  • 6.Februar
    Räumung des Hüttendorfes und Baubeginn. Angesichts der großen staatlichen Übermacht gehen die Besetzer freiwillig vom Platz, nur die Initiative 60 bleibt und läßt sich nach langen Diskussionen wegtragen.
  • 10.Februar
    Waldspaziergang um die PKA-Baustelle mit 400 Menschen.
  • 19.Februar
    ab 5.30 Uhr blockieren ca.200 Atokraftgegner die Zufahrten zum Zwischenlager und der PKA-Baustelle. Am Nachmittag räumt die Polizei die Blockaden sehr gewalttätig ab.
  • 8.März
    Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision von drei Klägern gegen das Endlagerbergwerk zurückgewiesen. Es gibt keinen Baustop.
  • 10.März
    Beim Waldspaziergang um die PKA wird der Bauzaun von 250 Demonstrantinnen beschädigt. 50 AKW-GegnerInnen aus Wackersdorf schlossen sich am Nachmittag der Demonstration an.
  • 11.März
    7.000 Menschen aus 0st und West demonstrieren in Stendal gegen das Atomkraftwerk.
  • 28.März
    Aus Protest gegen die Entscheidung des OVG-Lüneburg zum PKA-Weiterbau ketten sich 15 Leute an die Tore des Zwischenlagers.
  • 17.April
    Frühstücksblockade der BI wird abgeräumt.
  • 6.Mai
    Treppenbesetzung des PKA-Geländes von 50 AtomkraftgegnerInnen. Um 14 Uhr freiwillig beendet. Mit Hilfe von Leitern und Treppen waren Sie bequem über die Sicherungsanlagen eingestiegen.
  • 7.Mai
    Ab diesem Montag finden jeden Montag Blockaden vor den Atomanlagen statt, von verschiedenen Gruppen vorbereitet unter wechselndem Motto. Die Polizei griff nicht ein.
  • 14.Mai
    Zu dieser Montagsblockade der Familien waren schon etwa 100 Kinder und Erwachsene gekommen. Die Aktion verlief phantasievoll ohne Räumung.
  • 13.Mai
    Landtagswahlen, im hiesigen Wahlbereich gewinnt der CDU Kandidat Grill mit 127 Stimmen Vorsprung das Mandat. Ansonsten gewinnt Rot/Grün, Hannes Kempmann kommt über die Liste in den Landtag.
  • 21.Mai
    Klassische Konzertblockade der Lebenslaute.
  • 24.Mai
    Samba-Nacht und ,,Fahrindiehöh" am Endlagerbergwerk. Die ganze Nacht geht der bunte Festumzug.
  • 4.Juni
    Die Montagsblockaden gehen weiter und verstärken den Druck zum Ausstieg auf die neue Landesregierung. Eine Schülerblockade, eine Biobauernblockade und ein Malwettbewerb erfolgen. Juni 10 Jahre nach der Hüttendorfräumung 1004 findet eine Fotoausstellung dazu großen Anklang.
  • 12.Juni
    Umweltministerin Griefhahn und Hannes Kempmann erklären auf einer Veranstaltung in Gorleben die niedersächsische Vorstellung vom Atomausstieg. Die BI bleibt jedoch skeptisch.
  • 21./22.Juni
    14 Leute besetzen die beiden Endlagerschächte in Gorleben aus Anlaß des Regierungsantritts in Hannover. Die Bergbau arbeiten werden tatsächlich eingestellt, aber Gerhard Schröder löst in Hannover sein Versprechen zum dauerhaften Gorlebenstop nicht ein. Die letzten Besetzerinnen verlassen am Morgen des 22.Juni freiwillig den Turm.
  • 23.Juni
    Etwa 70 AtomkraftgegnerInnen beginnen in Gorleben mit Hammer und Meißel den Abbruch der Endlagermauer Unter dem Motto "irgendwann fällt jede Mauer", als die Polizei nach einer halben Stunde kommt, ist bereits alles vorbei.
  • 24.Juni
    Die Montagsblockade gestaltet einen Malwettbewerb zur zukünftigen Nutzung der Atomanlagen.
  • 6.August
    Das staatliche Gewerbeaufsichtsamt hebt die Beschlagnahmung der 1.290 in Gorleben lagernden Atommüllfässer auf. Sie können jetzt zur Untersuchung nach Karlsruhe gebracht werden.
  • 6.August
    Montagsblockade zum Hiroshimagedenktag.
  • 13.August
    Montagsblockade mit Tschernobyl-Familien.
  • 29.August
    Die Sonderkommission aus 40 Kripobeamten hat ihre Arbeit in Lüchow-Dannenberg ergebnislos eingestellt. Atomkraft gegnerinnen wurden monatelang beobachtet, abgehört und über 2.000 Personen überprüft. Der Verdacht der "Bildung einer kriminellen Vereinigung" konnte nicht erhärtet werden.
  • 3.-5.September
    Mit einer 3-tägigen Abschlußblockade enden die seit Mai regelmäßig stattfindenden Montagsblockaden. Zweimal wird dabei sogar von der Polizei geräumt. Allerdings gerät die Polizei in Schwierigkeiten, als 600 Schafe die Blockade für einige Stunden verstärken, die zu diesem Zweck extra vom Elbdeich angewandert waren. Den Abschluß vor einigen Hundert BlockiererInnen bilden Theater, Kabbaret und Jogleure.
  • 6. September
    27 von 1.290 illegalen Fässern sind zum Abtransport geprüft und sollen abtransportiert werden.
  • 28.September
    Nach langem juristischem Hick-Hack reißt der Landkreis die auf gräflichem Boden errichtete Schutzhütte wieder ab.
  • 7.0ktober
    Abtäufarbeiten in den Gorlebenschächten werden eingestellt. Es liegt keine gültige Genehmigung mehr vor, da 5 Bürger Widerspruch eingelegt haben. Die Landesregierung weigert sich den Sofortvollzug anzuordnen.
  • 15.0ktober
    Eine Blockade des Endlagers soll dem Baustop nachhelfen, da dort ohne Rechtsgrundlage weitergearbeitet wird. Am Abend verkünden Gerhard Schröder und Monika Griefhahn ihre Ausstiegspläne für Gorleben in der völlig überfüllten "Alten Burg" in Gorleben.
  • 11 .November
    Zusammen mit 300 Ärzten die bundesweit in der IPPNW organisiert sind, demonstrieren in Gorleben 800 Menschen gegen die Atomkraftnutzung.
  • 6.Dezember
    Mit verkleideten Nicoläusen findet eine Blockade vor den Atomzufahrten statt.

1991

  • 6.Februar
    Zum Jahrestag der PKA-Hüttendorfräumung besetzen 22 AtomkraftgegnerInnen die PKA-Baustelle. Um sechs Uhr früh, bei eisiger Kälte klettern sogar einige auf die Baukräne.
  • 20.Februar
    Das Verwaltungsgericht Lüneburg hebt den Baustop für das Endlagererkundungsbergwerk auf.
  • 6.März
    Das Niedersächsische Umweltministerium erteilt den neuen Hauptbetriebsplan für das Erkundungsbergwerk und ordnet die Einstellung der Arbeiten wegen fehlender Salzlagerstätte an.
  • 19.März
    Bei einem Unfall im Schacht werden zwei Arbeiter verletzt.
  • 25.April
    Das Umweltministerium ordnet über das Bergamt Celle den sofortigen Stop der Arbeiten am Endlagerbergwerk an. Das Bundesamt für Strahlenschutz zieht dagegen vor Gericht.
  • 14.Juni
    Drei Container, die auf dem Weg von Mol nach Gorleben sind, werden vom Land Niedersachsen gestoppt und in der Lüchower Polizeikaserne untergestellt. Währenddessen blockierten 200 Demonstrantinnen mit Treckern die Zufahrten in Gorleben.
  • 16.Juni
    Mit einer Weisung zwingt Töpfer das niedersächsische Umweltministerium zum Weitertransport des Transnuklear Mülls nach Gorleben.
  • 18.Juni
    Mit brutalster Polizeigewalt werden die Gorleben-Blockaden abgeräumt und die Container im Zwischenlager eingelagert.
  • 16.Juli
    Obwohl das Verwaltungsgericht Lüneburg die Klagen gegen die Gorlebener Rahmenbetriebspläne abweist, wird nicht weitergearbeitet, weil das Land nach wie vor die Zustimmung verweigert.
  • 4.September
    Mit zahlreichen Blockaden vor den Toren und auf den Zufahrtswegen zur PKA-Baustelle versuchen AtomkraftgegnerInnen vergeblich die zahlreich anrollenden Betonmischer zu stoppen. Nach kurzer Zeit wurden sie abgeräumt.
  • 6.0ktober
    Bei der Kommunalwahl verliert die CDU ihre absolute Mehrheit im Kreistag und in einigen Städten. Es bildet sich eine bunte Koalition.
  • 15.November
    Verwaltungsgericht Stade bestätigt Die Dringlichkeit der Salzstockuntersuchung in seiner schriftlichen Urteisbegründung vom 16.Juli.

 

1992

  • 2.Januar
    Laugenzuflüsse in Schacht I stellen erneut die Eignung des Salzstockes in Frage.
  • 5.Februar
    Die neue Kreistagsmehrheit beschließt eine Resolution zu Gorleben, in der PKA, Endlager und Zwischenlager gestoppt und abgebrochen werden sollen.
  • 12.Mai
    Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen der illegalen Einlagerung von Mol-Müll 1987 sind eingestellt worden.
  • 11 .Juni
    Die BLG will das CASTOR-Lager mit mehr Aktivität und mehr Behältern füllen und beantragt dafür eine erweiterte Genehmigung.
  • 23.Juni
    Der letzte der TurmbesetzerInnenprozesse endete wie die vorhergegangenen mit einer Verfahrenseinstellung gegen Zahlung einer Geldbuße.
  •  
  • 8.Juli
    Es beginnt die oft angekündigte Auslagerung von 1.290 Transnuklear-Skaridalfässern. Sie sollen nun doch in Duisburg untersucht werden.
  • 28.August
    Die Standsicherheit der Schächte in Gorleben wird durch die Laugenzuflüsse nicht gefährdet sagt das Landesumwelt ministerium.
  • 8.September
    Das NMU fordert eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Erkundungsbergwerk, vorher dürfe nicht weitergetäuft werden. Die DBE droht erneut mit einer Klage.
  • 13.-19.Sept.
    World Uranium Hearing in Sazburg. Vertreter von Ureinwohnern aus der ganzen Welt treffen sich und berichten von den Folgen des Uranabbaues, der Atommüllagerung und der Atomtests, die meistens gegen den Willen auf dem Land von Ureinwohnern und Indianern stattfinden.
  • 19.0ktober
    Das Zwischenlager in Gorleben soll erweitert werden und der Gorlebener Gemeinderat stimmt mit 4:3 Stimmen zu.
  • 22.0ktober
    Die BLG erklärt, daß in den letzten Wochen des Jahres mit dem ersten CASTOR zu rechnen ist.
  • 23.0ktober
    Umweltministerin Griefhahn lehnt weitere Zwischenlager in Gorleben ab.
  • 15./16.Nov.
    Herbstkonferenz der Anti-Atombewegung findet in Schnackenburg mit 80 Delegierten statt.
  • 20.November
    In Gartow öffnet die Informationsstelle Gorleben schon vor der offiziellen Eröffnung am 14. Dezember mit Monika Griefhahn. Gudrun Scharmer ist Leiterin dieser lange verwaisten Stelle.
  • 14.Dezember
    Zur Eröffnung der INFO-Stelle erhält Griefhahn einen kleinen CASTOR-Behälter, gleichzeitig wird der CASTOR Verladekran bei Dannenberg von AtomkraftgegnerInnen besetzt.
  • 16.Dezember
    Wegen der Blockade des Zwischenlagers werden 6 auf dem Weg von Karlsruhe nach Gorleben befindliche "Mosaikbehälter" gestoppt und im AKW Esensham versteckt.
  • 18.Dezember
    Mit knapp 300 Traktoren blockieren und protestieren die Bauern anläßlich der Eröffnung der Dömitzer Brücke gegen Atommüll und Gattabkommen.

1993

  • 1.Januar
    300 Demonstrantinnen übersteigen anläßlich eines Neujahresempfanges am Endlager die Mauer mit Hilfe einer Holztreppe. Das Bergwerksgelände wird für die nachatomare Nutzung neu verplant. Nach Abschluß der etwa 1-stündigen Aktion verlassen alie unbehelligt das Gelände durchs Tor.
  • 10.Januar
    In Schacht I wird in 345m Tiefe mit dem festen Schachtausbau begonnen.
  • 19.Januar
    Mit massivem Polizeiaufgebot werden die beiden seit Dezember versteckten Atommüllcontainer nach Gorleben gebracht. Etwa 800 Polizistinnen beseitigen die Barikaden und räumen die 500 SitzblockiererInnen, unter ihnen Landrat Zühlke und viele Mitgliederinnen der Initiative 60, ab. 30.März Aus Protest gegen die Pläne zur Erweiterung des Zwischenlagers mauern 40 Demonstrantinnen das Tor des Zwischenlagers zu.
  • 31.März
    Der Gartower Samtgemeinderat erhebt Einwendung gegen die geplante Zwischenlagererweiterung.
  • 7.April
    Die Auslagerung des Skandal-Mülls aus Gorleben stockt, weil für die Untersuchung der ersten 9 Fässer ein Spezialbohrer fehlt
  • 23.Juni
    Das Bundesamt für Strahlenschutz fordert von den 14 Turm - besetzerinnen Schadensersatz in Höhe von 126.901,10 DM für die Stillstandszeit.
  • 27.Juli
    Die Sternfahrt mit Fahrrädern zum Umwelffestival in Magdeburg macht Station in Gorleben. 200 Jugendliche klettern über die Endlagermauern und machen einen Schachtbesuch.
  • 1.August
    Töpfer bekommt keinen Pfennig, bekunden die 14 TurmbsetzerInnen auf einer Infoveranstaltung zum Thema der Mahnbescheide.
  • 4.August
    Wieder einmal soll es zügig Losgehen mit der Auslagerung und Untersuchung der Skandalfässer.
  • 10.August
    Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die BLG, wegen illegaler Atommüllagerung, werden eingestellt.
  • 13.August 5
    Transportbehälter mit schwachaktivem Müll wurden eingelagert, nachdem 300 Polizistinnen etwa 100 SitzblockiererInnen abgeräumt hatten.
  • 6.-9.September
    Zu Beginn des Erörterungstermins für die Nutzungser weiterung des Zwischenlagers steigen rund 15 Männer und Frauen der BLG auf das Dach. Unter dem Motto abreißen statt erweitern, beginnen sie mit dem Abdecken der Dachziegel. Auch die Bl nimmt am Erörterungstermin (Alibiveranstaltung) nicht teil.
  • 9.September
    Griefhahn stoppt erneut die Erkundungsarbeiten in Gorleben, da eine Enteignung des Grafen von Bernstorff laut Gutachten nicht möglich ist.
  • 11 ./12.Sept.
    CASTOR-HALLE-LUJA vor dem Zwischenlager. Eine Blockade mit Podiumsdiskussion zu den Konsens gesprächen, mit Kinderfest, Lifemusik und Theater, findet anläßlich des 10 Jahre erfolgreich verhinderten ersten CASTORs statt. Ein Mittelalterlicher Rammbock wurde gebaut.
  • 24.September
    Das Ziel des Atomausstiegs ist nicht verhandelbar, sagt Schröder vor den Konsensgesprächen.
  • 22.Dezember
    Mehrere Hundert Unterzeichnerinnen erklären sich in einer Zeitungsanzeige solidarisch mit den 14 TurmbsetzerInnen.
  • 29.Dezember
    Das Verwaltungsgericht Lüneburg äußert Zweifel an der Eilbedürftigkeit des Endlagerprojektes. Endgültige Entscheidung fällt erst im Februar.

1994

  • 30.Januar
    Die Herkunft der Laugenzuflüsse in Schacht I ist weiterhin unbekannt. DBE will weiterbauen.
  • 3.Februar
    Tritium in der Schachtlauge deutet darauf hin, daß diese entweder von der Oberfläche kommt oder von Tritiuminjektionen bei der Salzstockerkundung.
  • 4.Februar
    Beim Bau der PKA wurden Änderungen ohne Genehmigung durchgeführt. Die GNS tauscht daraufhin drei Verantwortliche für den Bau aus. Das NMU will daher die 2.Teilerrichtungs genehmigung nicht erteilen.
  • 21.Februar
    Beim Anhörungstermin zum Bergwerk in Gorleben vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg wird bezweifelt, ob Gorleben als Endlager noch politisch erwünscht ist. Entscheidung ist am 7.März.,
  • 7.März
    Das Verwaltungsgericht entscheidet für den Weiterbau des Erkundungsbergwerkes. Damit ist der Baustop seit dem Jahreswechsel aufgehoben.
  • 3.April
    Am Ostersonntag begräbt die Bl vor dem Endlager die Wahlversprechen der rot-grünen Regierung.
  • 14.April
    Nach dem Gerichtsurteil genehmigt jetzt auch das NMU den Schachtweiterbau in Gorleben.
  • 20.-22.Mai
    Belagerung der Atomanlagen mit mittelalterlichen Geräten. Etwa 300 Menschen bauen bei diesem Pfingstspektakel einen Belagerungsturm, Wurfmaschinen und den bekannten Rammbock auf. Kurzzeitig gibt es Rangeleien mit der Polizei.
  • 21.Juni
    Im Vorfeld des erwarteten CASTOR-Transportes verübt die "Gruppe Waschbär" einen Anschlag auf das BLG-lnfohaus in Gorleben. 20.000 DM Schaden.
  • 21.Juni
    Über 100 Schülerinnen blockieren die Lüchower Innenstadt aus Protest gegen den CASTOR.
  • 23.Juni
    Alle Pastoren des Kirchenkreises Dannenberg haben sich gegen den CASTOR-Transport ausgesprochen.

  • 23.Juni
    Bei einem Bahnanschlag auf der Güterbahnstrecke Uelzen Dannenberg wurden 19 Bahnschwellen zersägt und die Schienen verbogen.
  • 30.Juni
    Über 30 Trecker demonstrieren in Dannenberg zur Wochen marktzeit gegen den drohenden CASTOR.
  • 6.Juli
    Erneut Anschläge auf Bahnstrecken. Eisen und Bäume liegen auf den Bahnschienen. Im Gorlebener Forst entsteht ein Hüttendorf gegen den drohenden CASTOR-Transport.
  • 7.Juli
    Am frühen Morgen werden auf allen Zufahrtsstraßen des Landkreises die verschiedensten Blockaden errichtet. In einer Erklärung wird Monika Griefhahn an ihr Versprechen erinnert, mit zu blockieren, wenn der CASTOR kommt.
  • 10.Juli
    Das CASTORNIX-Hüttendorf ist am Wochenende auf 1.000 Menschern angewachsen, der Belagerungsturm und 30 Trecker unterstützen die Dauerblockade.
  • 13.Juli
    Rund 800 Polizistinnen räumen die Dauerblockade ab. Der Turm wird zersägt, Straßenuntertunnelungen wieder zugeschüttet. Bis zur CASTOR-Einlagerung gilt jetzt ein Demonstrationsverbot.
  • 14.Juli
    Robert Jungk stirbt in Salzburg mit 81 Jahren.
  • 15.Juli
    Der CASTOR-Transport wird vorläufig abgesagt, das Versammlungsverbot wieder aufgehoben.
  • 16.Juli
    Trotzdem ziehen 2.000 Menschen zum Zwischenlager. Am Hüttendorf wird weitergebaut. Nachts ist Lifemusik mit vier Bands aus Hamburg, Stuttgart und Lüchow-Dannenberg.
  • 20.Juli
    Die Polizei kämpft Umweltminister Töpfer den Weg zu einer Veranstaltung in Scharnebeck frei. In der Nähe des Verladekranes unterhöhlen 200 Atomkraft gegnerinnen 28 Bahnschwellen. Unterdessen wird der CASTOR-Behälter in Phillipsburg auf den Bahnwagon verladen. Auf Weisung von Töpfer genehmigt Griefhahn den Weiterbau der PKA: 2.Teilerrichtungsgenehmigung.
  • 26.Juli
    Wegen Waldbrandgefahr zieht das CASTORNIX-Hüttendorf auf eine Wiese an der Elbe um.
  • 2.August
    Töpfer stellt Griefhahn ein Ultimatum zur Bearbeitung der CASTOR Transportpapiere bis 15 Uhr.
  • August
    Auf 13 Bahnhöfen im ganzen Bundesgebiet haben die Gorleben-Frauen Station gemacht und über die Gefahren der CASTOR-Transporte informiert.
  • 19.August
    klassische Konzertblockade der Gruppe "Lebenslaute~ über den ganzen Tag. Mittags werden in einer Blitzaktion die beiden Tore des zwischeniagers mit Leitern überschritten. Trotz einiger,,Ausraster" der Wachleute kann das Konzert "drinnen" und "draußen" stattfinden.
  •  
  • 20.August
    20 Trecker blockieren als CASTOR-Protest die Dömitzer Brücke. Eine "CASTORNIX-Karawane" zieht über die Atommüll- transportwege von Gorleben nach Phillipsburg, sie informiert über CASTOR-Gefahren.
  • 15.0ktober
    Schüler blockieren mehrmals die Lüchower Innenstadt aus Protest gegen den CASTOR.
  • 26.0ktober
    Töpfer weist Griefhahn an, innerhalb von 14 Tagen der CASTOR-Einlagerung zuzustimmen.
  • 5.November
    1.000 Menschen blockieren mit verschiedenartigen Blockaden die Zufahrtsstraßen in den Landkreis.
  • 10.November
    Nächtliche Barrikaden aus Baumstämmen und brennenden Strohballen machen viele Zufahrtsstraßen stundenlang unpassierbar.
  • 14.November
    Anschlag auf Bahnoberleitung zwischen Celle und Garßen. Es werden Castor-Aufkleber gefunden.
  • 19.November
    Trotz Versammlungsverbotes demonstrieren 2.000 Leute auf den Bahngleisen gegen den CASTOR. Die Räte der Stadt und Samtgemeinde Dannenberg sprechen sich erneut gegen die CASTOR-Transporte aus.
  • 20.November
    Für die Zeit bis zum CASTOR-Transport erläßt die Bezirksregierung ein 6-Zeitungsseiten langes Versammlungsverbot.
  • 21.November
    Aus einer Demonstration in Gorleben wurde ein Freudenfest, als der CASTOR-Stop des Verwaltungsgerichtes Lüneburg bekannt wird. Uber 3.000 Menschen feiern ihren Sieg.

    1995

  • 21.Januar
    Verschiedene Castor-Gruppen, die "Unbeugsamen" und die "Gorleben Frauen" veröffentlichen das Konzept zum "Zivilen Ungehorsam" - einer"Öffentlichen und gemeinsamen Schienendemontage" vor dem Dannenberger Castor-Verladekran.
  • 24.Januar
    OVG Lüneburg hebt den Einlagerungsstopp für das Gorlebener Zwischenlager auf, damit ist der gerichtliche Weg für den Castor aus Philippsburg frei. Spontan versammeln sich vor dem Verladekran, auf dem Lüchower Marktplatz und vor dem Zwischenlager mehrere 100 Menschen, um ihren Unmut gegen die Entscheidung kundzutun.
  • 26.Januar
    Auf die Bahnstrecke zwischen Uelzen und Hamburg wird ein Anschlag verübt, die Oberleitung abgerissen. Menschen werden nicht gefährdet. Zettel mit der Aufschrift "Stoppt Castor" gefunden.
  • 10.Februar
    Über 300 Unterzeichnerinnen bekennen sich öffentlich in einer Zeitungsanzeige zu zivilem Ungehorsam im Rahmen der Aktion "Ausrangiert"
  • 11.Februar
    Mittels Luftballons fliegt ein Castormodell in die Luft und der Zaun um den Verladekran wird mit Toilettenpapier eingehüllt.
  • 16.Februar
    Merkel weist Griefahn an, binnen einer Woche, dem Castor Transport zuzustimmen.
  • 20.Februar
    Eine Kreuzung in Dannenberg wird von 50 Atomkraft gegnerinnen "dichtgemacht".
  • 1.März
    3. Verhandlungstermin vor dem Landgericht Lüneburg gegen die 14 Turmbesetzerinnen wegen Schadensersatz forderungen der BRD. Das Urteil wird für den 3. Mai angekündigt.
  • 10.März
    Der Landkreis verbietet per "Allgemeinverfügung" die für Sonntag angekündigte Aktion "Ausrangiert".
  • 12.März
    Etwa 800 Menschen zeigen trotz "Allgemeinverfügung" ihren Ungehorsam und gelangen trotz massiver Polizei- und BGS Präsenz auf die Gleise und beginnen mit der Demontage.
  •  
  • 23.März
    Mehrere Hundert AtomkraftgegnerInnen prodestieren vor dem Zwischenlager und in Lüchow gegen den Besuch von Bundesumweltministerin Merkel im Erkundungsbergwerk. Dabei vergleicht Merkel die Pannen beim Beladen des Castors in Philippsburg damit, daß in jeder Küche "beim Kuchenbacken mal etwas Bachpulver danebengeht". Dies könnte der Spruch des Jahres werden.
  • 13.April
    Unbekannte verüben erneut einen Anschlag auf die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg. Aus den Schienensträngen werden jeweils etwa 2 m lange Stücke herausgeschnitten und zu einem X aufgerichtet. Ein außerplanmäßiger Güterzug überfährt die Stelle, entgleist aber nicht. Schaden: 20.000 DM.
  • 15.April
    Für die erneute Aktion zivilen Ungehorsams, "Abschalten", ergeht wieder eine Allgemeinverfügung des Landkreises. Auktionator "Mister X" versteigert die Endlager-Erkundungs türme zugunsten der Prozeßkosten für die Turmbesetzerinnen.
  • 16.April
    1.500 BGS- und Polizeibeamtinnen verhindern, daß 400 AtomkraftgegnerInnen in die Nähe des Verladekrans zum "Abschalten" auf die Schienen gelangen.
  • 19.April
    Erneut Anschläge auf die Bahnstrecke zwischen Uelzen und Celle. Leit- und Signalkabel werden zertrennt und"Stopp Castor" Plakate gefunden.
  • 21 .April
    OVG Lüneburg gibt den Weg für den Castor frei.
  • 22. und 23.April
    Mehr als 4.000 Menschen protestieren in Dannenberg, aber auch im gesamten Landkreis gegen den unmittelbar bevorstehenden Castor-Transport. Dabei kommt es zu Demonstationen, Barrikadenbau, Gleisbesetzungen, Errichtung eines Hüttendorfes und vielen anderen Aktionen.
  • 24.April 20.05 Uhr
    Der Castor beginnt in Philippsburg seine Fahrt gen Gorleben.
  • Dienstag 25.April Tag X
    Die gesamte Castor-Transportstrecke ist Ziel von Anschlägen und Protesten. AtomkraftgegnerInnen leisten im Wendland leisten erbitterten Widerstand. Nach 14 Stunden Bahnfahrt trifR der Castor gegen 10.30 Uhr in Dannenberg ein, wird verladen und setzt sich gegen 12 Uhr auf die 18 km lange Strecke nach Gorleben in Bewegung. 6.500 Beamtinnen von Polizei und BGS bahnen dem Transport unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern den Weg. Es kommt zu zahlreichen Verletzten. Um 17.12 Uhr schließen sich hinter ihm die Tore des Zwischenlagers in Gorleben. Die Kosten des Transports werden mit 55 Millionen DM angesetzt.
  • 1.Mai
    1.000 Menschen "flüchten" im Treck vor der atomaren Bedrohung und ziehen mit Sack und Pack durch Dannenberg.
  • 3.Mai
    Landgericht Lüneburg verurteilt die Turmbesetzerinnen zu 126.901,10 DM (+ Zinsen) Schadensersatz wegen Stillstandskosten bei den Erkundungsarbeiten im Gorlebener Salzstock. Die Turmbesetzerinnen beantragen Berufung beim Oberlandesgericht Celle gegen dieses Urteil.
  • 12.Mai
    Mehr ais 3.000 Menschen sagen erneut in einer Zeitungsanzeige"Nein zum Castor".
  • 13.Mai
    Etwa 15.000 Menschen und 250 Trecker demonstrieren in Hannover gegen Castor-Transporte.
  • 9.Juni
    Die Bäuerliche Notgemeinschaft protestiert mit 100 AtomkraftgegnerInnen gegen den Besuch von Monika Griefahn in Hitzacker
  •  
  • 9.Juli
    Die "Castornix Karavane" startet zu ihrer zweiten Reise, diesmal durch Norddeutschland
  • 26.Juli
    BfS ordnet den Sofortvollzug für weitere Castortransporte an. Erstmals sollen auch Glaskokillen aus der WAA La Hague nach Gorleben transportiert werden.
  • 1.August
    - Nuklearmediziner Prof. Horst Kuni bestätigt in einem Gutachten, daß Transporte mit Brennelementen aus AKW wesentlich gefährlicher sind, als bisher angenommen.
  • 21.August
    Anschläge auf den Verladekran und das Zwischenlager in Gorleben verursachen Schäden von über 300.000 DM.
  • 26. und 27.August
    "Stay rude - Stay rebel", Benefitz-Open-Air-Festival, mit 24 Bands in Grabow.
  • 24.September
    Malefiz in Gorleben. 1.000 Menschen demonstrieren am Gorlebener Erkundungsbergwerk. Es kommt zu Rangeleien mit der Polizei, Schlagstock- und Wasserwerfereinsatz.
  • 24.0ktober
    Sechs Anschläge auf Bahnlinien im Kreis Uelzen. Menschen kommen nicht zu Schaden. Ein Bekennerbrief zeigt den Zusammenhang zu Castor-Transporten nach Gorleben.

1996

  • Ende Februar
    "Gorleben-Frauen" übergeben bei der Siemens-Aktionars versammlung mehr als 2.000 im Wendland gesammelter Unterschriften boykottwilliger Verbraucherinnen. Es sollen solange keine Produkte von Siemens gekauft werden, solange der Konzern an der Atomwirtschaft festhält.
  • 24.März
    Polizei klaut Prozeßakten aus PKW. Ein Bio-Bauer soll bei einer Treckerdemonstration Polizeibeamtinnen gefährdet - haben. Wenige Tage vor Prozeßtermin beim Dannenberger Amtsgericht, verschwinden die Prozeßakten des Verteidigers und werden kurz danach von der Dannenberger Polizei zurückgegeben.
  • 30.März
    Mehr als 50 Motorräder nehmen an einer Protestaktion der Gruppe IDAS teil.
  • 6.April
    "Frühjahrsputz" im Wendland mit gut 2.000 Demonstrantinnen
  • 13.April
    Wieder ergeht eine "Allgemeinverfügung" des Landkreises gegen ein erneutes "Ausrangiert".
  • 14.April
    Trotzdem lassen sich mehr als 1 .000 Menschen nicht abschrecken und versuchen erneut die Schienen öffentlich zu demontieren. Die Polizei verhindert dies mit Härte (Hunde, Wasserwerfer). Noch April Vor dem Amtsgericht in Dannenberg beginnt eine Prozeßflut wegen Widerspruchsverfahren, die mit dem letztjährigen Castortransport zusammenhängen.
  • 16.April
    200 AtomkraftgegnerInnen besetzen die Gleise zum Verladekran. Damit beginnt die Zeit des "Feierabendsägens" in Dannenberg.
  • 20. und 21.April Tag B
    ca. 1.000 AtomkraftgegnerInnen begutachten den Zustand der Brücken auf den Castor-Bahn-Strecken Uelzen- bzw. Lüneburg-Dannenberg.
  • 24.April
    Strommast bei Lüchow wird erklommen und ein riesiges Transparent entfaltet: Stop AKW
  •  
  • 26.April
    Tschernobyl - 10 Jahre danach. Bundesweite Aktionen für die sofortige Stillegung aller Atomanlagen.
  • 27.April
    OVG Lüneburg gibt grünes Licht für die Einlagerung von Glaskokillen aus La Hague.
  • 27.April
    Zwischen Lüneburg und Dannenberg explodiert ein Srengsatz an einer Brücke der Bahnstrecke.
  • 30.April
    Hüttendorf Castornix bei Spietau entsteht.
  • 1.Mai
    Anschlag auf Bahnstrecke Uelzen-Hannover. Ein umgesägter Strommast beschädigt die Oberleitungen von 4 Gleisen. 100 Kinder protestieren mit Trommeln und Trillerpfeifen in Lüchow.
  • 2.Mai
    erneutes "Demonstrationsverbot" für den Landkreis Lüchow Dannenberg entlang der Schienen und der Straße nach Gorleben.
  • 2. und 3. Mai
    Die ohnehin seit drei Wochen hohe Polizeidichte rund um Dannenberg wächst ins Unermeßliche
    .
  • 3.Mai
    28 Gorleben-Frauen sind mit Performance in U-Bahn schächten der Großstädten unterwegs und zeigen, daß Gorleben überall ist.
  • 4.Mai
    Mehr als 10.000 Menschen demonstrieren in Dannenberg. 400 werden im Anschluß bei Karwitz an der Bahnstrecke von der Polizei eingekesselt.
  •  
  • 6. und 7.Mai
    Der Widerstand geht weiter. Viele kleinere und größere Aktionen begleiden das Warten auf den nahenden Castor. Unter anderem kommt es in Jameln zu einer Blockade des Tiefladers, in deren Verlauf der Landwirt Adi Lambke aus seinem Trecker geprügelt wird.
  • 7.Mai
    Gegen 12 Uhr überquert der Castor bei Lauterbourg die deutsch-französische Grenze und beginnt in Deutschland seine von Protesten begleitete Reise ins Wendland.
  • 8. Mai Tag X:
    Ein Landkreis im Ausnahmezustand. Gegen 6.00 Uhr erreicht der Castor aus La Hague Dannenberg. Für die Strecke vom Verladekran zum Zwischenlager werden 6 Stunden benötigt. 10.000 Polizei- und BGS-Beamtinnen bahnen unter massivem Wasserwerfer- und Schlagstockeinsatz den Weg gegen den Widerstand der etwa 10.000 Demonstrantinnen. Im Morgengrauen werden weit entfernt von der Transportstrecke die Trecker der Bäuerlichen Notgemeinschaft beschädigt und stillgelegt. Ca. 500 Demonstrantinnen werden an diesem Tag in polizeilichen Gewahrsam genommen, mehr als 100 Personen verletzt.
  • Dieser Polizeieinsatz war einer der bisher größten in der Geschichte der BRD. Ende Mai kündigt die GNS für Herbst einen Sammeltransport mit drei Castorbehältern an.
  • 18.Juni
    Glogowski beziffert die Kosten für die Sicherung des letzten Castor-Transportes auf 90 Mio. DM.
  • 5.August
    300 Menschen und 30 Traktoren blockieren einen leeren Castor-Behälter neuen Typs, der zu Genehmigungszwecken ins Zwischenlager transportiert wird. Gleichzeitig kündigt die niedersächsische Landesregierung den Umbau am Verladekran an, damit zukünftig mehrere Castor-Behälter gleichzeitig verladen werden können.
  • 7.August
    Schröder muß eine Rede auf dem Lüneburger Marktplatz abbrechen, da Trillerpfeifen seine Atompolitik quittieren.
  • 9.August
    AtomkraftgegnerInnen stellen 110 Strafanzeigen gegen Polizei- und BGS-Beamte im Zusammenhang mit dem letzten Transport.
  • 11.August
    1.400 Menschen beteiligen sich beim "Fit gegen den Castor" Volksradeln und -laufen.
  • 17.August
    In Trebel gründet sich die "Salinas Salzgut GmbH" mit dem Ziel "Förderung und Vertrieb von Gorleben Salz".
  • 28.August
    400 AtomkraftgegnerInnen reisen per Sonderzug von Dannenberg nach Bonn zum »Ersten Atommülltransport nach Bonn", einem Theaterstück mit Bullizei, Wasserwerfer und - Pappmache-Castor.
  • 15.September
    Auftaktschienensägen zur Aktion öffentlichen Ungehorsams "Keine Bahn zum Castor-Kran".
  • Anfang November
    "Der Spiegel" veröffentlicht Teile eines 31 seitigen"vertraulichen" Dossier des Bundesamts für Verfassungsschutz. Darin erkennen die "Verfassungsschützer" eine Zunahme des Widerstands gegen die Castortransporte durch Anzahl und Wirkung der Anschläge und versuchen mittels Einstufung als "Linksextremistisch/militante Bestrebungen im Rahmen der Castor-Kampagne" die Kriminalisierung der Bewegung voranzutreiben.
  • Ende November
    Es wird bekannt, daß der ursprünglich für Herbst geplante dritte Atommülltransport Anfang März 97 stattfinden soll. Erstmals sollen gleich sechs Castor-Behälter in einem Sammeltransport ins Zwischenlager gebracht werden.

1997

  • 5.Januar
    20 AtomkraftgegnerInnen klettern in einer Blitzaktion über das Tor der PKA Baustelle, um darauf aufmerksam zu machen, daß die technische Inneneinrichtung bereits installiert wird und demnächst mit der"Kalthantierung" am Castorbehälter begonnen werden soll.
  • 12.Januar
    In Hitzacker demonstrieren 300 AtomkraftgegnerInnen mit einer Menschenkette auf dem Eis der Elbe (von Ufer zu Ufer).
  • 16.Januar
    Ein Waggon, der kurz zuvor einen leeren Castorbehälter aus der WAA Sellafield zum AKW Krümmel gebracht hatte, entgleist wegen "Vereisung" der Schiene vor dem AKW.
  • 20.Januar
    Politwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Seifert entlarvt den Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz als Dossier zum Aufbau eines Feindbildes, damit die Polizei "ihre Schlaghemmung verliert".
  • 4.Februar
    Ein Zug mit abgebrannten Brennelementen aus dem AKW Lingen entgleist auf dem Weg nach Sellafield in der Ortschaft Apach unweit der französisch-luxemburgischen Grenze. Von den drei Waggons mit Uran 235 kippt keiner um, der erste neigt sich allerdings zur Seite und hat sich mit den Rädern tief in das Steinschotterbett der Gleise eingegraben.
  • 8.Februar
    2.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen die Atomgeschäfte von Siemens.
  • 14.Februar
    Das Oberlandesgericht Celle befindet in einem "Grundurteil" die Schadensersatzforderungen der Bundesrepublik Deutschland gegen die Turmbesetzerinnen für rechtens, will aber über die Höhe der Forderung erst verhandeln, wenn dieses Urteil rechtskräftig wird. Die Turmbesetzerinnen beantragen Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
  • 15.Februar
    Die Aktion "Entwidmung-jetzt" auf der Bahnstrecke von Uelzen nach Dannenberg brachte 2.000 Menschen zur Auftaktkundgebung nach Zernin. Danach begutachteten zwei "lnspektionskollonen" den Zustand der stillgelegten Strecke. Zu guter Letzt wurde vor dem Haus des CDU-Bundestagsabgeordneten Grill eine Fuhre Mist abgeladen.
  • 19.Februar
    Mitten im Stadtviertel Frankfurt-Sachsenhausen kollidieren zwei Güterzüge, davon einer mit 21 Kesselwaggons mit Benzin und Gefahrgut. Vier Waggons entgleisen, einer fängt Feuer.
  • 20.Fenruar
    Unter dem Vorwand, Beweismaterial im Zusammenhang mit der Aktion "Keine Bahn zum Castor-Kran" zu suchen, finden acht Hausdurchsuchungen im Wendland und den Nachbar regionen statt. Offensichtlich soll jedoch vor dem anstehenden Transport der Widerstand verunsichert und kriminalisiert werden.
  • 19. bis 23.Februar
    Die Bl Lüchow-Dannenberg feiert 20 Jahre Widerstand nach dem Motto "Unser Lachen wird sie besiegen". Im Vorfeld des anstehenden Transportes wehren sich auch - regionale Gremien: der Landkreis weigert sich ein Demonstrationsverbot zu erlassen, woraufhin dies durch die Bezirksregierung Lüneburg geschieht; der regionale Wasserbeschaffungsverband untersagt der Polizei und BGS das Füllen der Werfer; diverse Stadt- und Gemeinderäte fassen Beschlüsse gegen den Atommülltransport; die Städte Dannenberg und Hitzacker verweigern Polizei und BGS Schul- und Mehrzweckhallen als Unterkünfte, worauf die Bezirksregierung mit einer Beschlagnahmeverfügung reagiert und Schülerinnen die Hallen kurzerhand besetzen.
  • 26.Februar
    Unter lautstarken Protesten findet in Lüchow ein Gespräch (natürlich ohne konkretes Ergebnis) zwischen der Bundesumweltministerin Angela Merknix und Vertreterinnen einiger Anti AKW-Gruppen statt.
  • 27.Februar
    In Bonn findet (ebenfalls ohne konkretes Ergebnis) eine Castor-Debatte statt. Anschläge auf die Deutsche Bahn AG und Ampelanlagen in Scheswig-Holstein und Hamburg.
  • 1.März
    Nachdem schon in mehreren Städten Demos gegen den anstehenden Transport stattgefunden haben und im Wendland mehrere kleinere und größere Aktionen gelaufen sind, demonstrieren auf der Auftaktkundgebung in Lüneburg etwa 15.000 Menschen und setzen sich anschließend im Konvoi nach Lüchow-Dannenberg in Bewegung.
  • 2.März
    Die "Stunk-Parade" setzt mit 10.000 Menschen und etwa 570 Treckern ein weiteres Zeichen gegen die Selbstherrlichkeit der Atomiker. Abends beginnt mit 80 Treckern die Blockade der Transportstrecke in Splietau.
  • 3.März, 5 Uhr
    Die Tage NiX3 beginnen. Um 5 Uhr startet der 510m lange, 1.900 Tonnen schwere, aus 17 Waggons bestehende und von je 2 Dieselloks gezogene bzw. geschobene Zug in Wahlheim. Uber Bebra, Göttingen, Hildesheim und Hahnover erreicht er begleitet von wütenden Protesten am Nachmittag Lüneburg. Für die letzte Etappe nach Dannenberg werden mehrere Stunden benötigt, da der Zug ständig und phantasievoll blockiert wird. Mit mehr als achtstündiger Verspätung kommt er nach Mitternacht in Dannenberg an.
  • 4.März
    Verladetag. Recht zügig werden die Castorbehälter auf die Schwerlasttransporter verladen. Etwa 8.000 Atomkraft gegnerinnen besetzen die Straße direkt vor dem Verladekran. Die ursprünglich geplante Transportstrecke ist wegen Unterhöhlungen, Blockaden und anderen Beschädigungen unpassierbar. An der Ausweich-Nordstrecke finden ständig Auseinandersetzungen zwischen dem massiven Polizeiaufgebot und Demonstrantinnen statt. Es kommt zu zahlreichen Verletzungen, Ingewahrsamnahmen und Verhaftungen. Der Landkreis ist wieder einmal im Ausnahmezustand, Straßenkontrollen werden ohne Rechtsgrundlage zu Straßensperren.
  • 5.März
    Nachts gegen 0 Uhr beginnt die Polizei mit der Räumung der Sitzblockade. Dabei wird das Vorgehen der Polizeikrafte von der fortschreitenden Zeit bestimmt. Zuerst erfolgt ein Wegtragen der BlockiererInnen, die sich meist an anderer Stelle wieder einreihen, dann erfolgt der Einsatz von Wasserwerfern mit sich steigerndem Wasserdruck bis zuletzt von beiden Blockadeenden her immer brutaler "weggeräumt« wird. Etwa gegen 11.45 Uhr rollt der Transport dann los. Immer wieder gelingt es Demonstrantinnen entlang der Transportstrecke trotz massivster und brutal vorgehender Polizeikräfte auf die Straße zu gelangen und den Konvoi, wenn auch meist nur kurz, zu stoppen. Kurz nach 15 Uhr ist das Zwischenlager erreicht. Eine erste Bilanz geht von 400 Ingewahrsamnahmen bzw. Festnahmen aus, mehr als 650 Ermittlungsverfahren sind eingeleitet. Es sind mindestens 400 Menschen durch die teilweise unvorstellbar brutalen Polizeieinsätze verletzt worden, zusätzlich erlitten weitere 30 Personen schwere Verletzungen. Dies war wieder einmal der bisher größte Polizeieinsatz (etwa 30.000 Beamte) in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, wieder einmal ein Lehrstück in "Staatsbürgerkunde" und wieder einmal offenbarte sich der Atom - Polizeistaat.

1998

  • 21. Mai
    Nachdem erhöhte Strahlenwerte bei Transportbehältern gemessen werden, stoppt Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) alle in- und ausländischen Transporte von Castor-Behältern mit abgebrannten Brennelementen.

1999

  • Mitte November
    Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) kündigt  die Wiederaufnahme der Castor-Transporte an.

2000

  • November
    Es ruhen die Erkundungsarbeiten im Bergwerk. Das so genannte "Moratorium" tritt in kraft. Ziel ist es nun erst einmal zu klären, welche Arten von Kriterien überhaupt erkundet werden sollen. Im Dezember erfolgt die 3. Teilgenehmigung für die umfunktionierte PKA. Sie dient nun als Reparaturzelle für kaputte Castor-Behälter.

2001

  • 26. März
    Ein Castor-Zug mit 85 Tonnen Atommüll   in sechs Castor-Behältern verlässt unter massivem Polizeiaufgebot die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Richtung Deutschland. Nahe der Ortschaft Wendisch Evern besetzen mehr als 500 Castor-Gegner die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg. Mit Hilfe eines Sonderzuges räumt die Polizei die Schienen.
  • 28. März
    Mit fast einem Tag Verspätung trifft der Zug am Abend des in der Verladestation von Dannenberg ein. Ganz überraschend startet der Konvoi der Spezial-Tieflader mit den sechs Castoren im Morgengrauen des 29. März von Dannenberg nach Gorleben.

2002

  • 14. November
    Ein weiterer Transport erreicht das Wendland. Erstmals wird ein Dutzend Castor-Behälter auf einen Schlag nach Gorleben gebracht.

2003

  • 12. November
    Wieder das gleiche "Spiel". Erneut werden 12 Behälter aus Frankreich nach Gorleben gebracht. Erneut sind 12 500 Beamte sind im Einsatz, etwa 7 000 Atomkraftgegner protestieren im Wendland meist friedlich. Damit warten dort nun insgesamt 44 Atommüllbehälter auf ihre Endlagerung. Zwei Tage später geht mit dem niedersächsischen AKW Stade der erste Atommeiler seit dem Atomkonsens 2001 vom Netz.

2004


Bearbeitet am: 11.07.2008/ad

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