Atomaufsicht hat Messungen bewußt unterlassen

 

Meßprotokoll beweist: Lug und Trug in Kenntnis des Merkel-Bundesamts für Strahlenschutz

Bundesministerin Merkel hat sich in den letzten Tagen gern darüber überrascht gezeigt, daß sie und ihre Behörde jahrelang über die Kontaminationen an den CASTOR-Behältern nicht "informiert" worden ist, sei es von AKW-Betreiberseite, sei es von Seiten der "französischen Behörden".

Tatsächlich ist es seit Jahren gang und gäbe, daß sie Atom"aufsichts"behörden ihrer Arbeit in keiner Weise nachkommen.

Bereits in Zusammenhang mit dem CASTOR-Glaskokillentransport im Mai 1996 hat die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg darauf hingewiesen, daß der Transportbehälter nicht "dicht" ist, daß nämlich die Abschirmung gegen die Neutronenstrahlung in bestimmten Behälterbereichen nicht wirksam ist.

In diesem Zusammenhang hatte die BI bereits einen Strafantrag gegen das Merkel-Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gestellt, der allerdings von der zuständigen Staatsanwaltschaft nicht weiterverfolgt wurde, u.a. mit der Begründung, "mangels Zuständigkeit bzw. fehlender Dienstaufsicht über eine der beteiligten Behörden" sei nicht der Frage nachzugehen gewesen, ob und wie ggf. einzelne Strahlungen gemessen wurden; es bestünden "auch in keine Weise tatsächliche Anhaltspunkte dafür, daß bei der Einlagerung der TS28V-Behälter zulässige Strahlungsgrenzwerte überschritten wurden".

Den Akten ein Meßprotokoll der "Aufsichtsbehörde" Eisenbahnbundesamt (EBA) bei, das wir anbei dokumentieren (Meßprotokoll 48 KB, längere Ladezeit). Dieses Meßprotokoll liegt seit über einem Jahr auch dem Merkel-BfS vor, das es in einem anderen Verfahren auf richterliche Anweisung zur Verfügung stellen mußte.

 

Angesichts dieses Protokolls ist festzustellen, daß

  • Das EBA entgegen der Angaben im Protokoll, die Messungen wurden bei der Übernahme des Transports am Grenzübergang Wörth vorgenommen, dort nur Gammastrahlung, und zwar nicht einmal an allen bezeichneten Punkten, gemessen hat
  • Wesentliche Messungen, die von der "Aufsichtsbehörde" EBA hätten vorgenommen werden müssen, sind stattdessen vom Empfänger der Strahlenladung, der BLG Brennelement Lagergesellschaft, vorgenommen worden, und zwar zu einem späteren Zeitpunkt
  • Das Meßprotokoll wurde in dieser Hinsicht verfälscht, indem diese Meßergebnisse der BLG ins Protokoll eingeklebt wurden, als wären sie vom EBA in Wörth vorgenommen worden; es gibt keinen Hinweis darauf, daß Meßergebnisse, zu anderer Zeit an anderem Ort durchgeführt, in dieses Protokoll aufgenommen wurden
  • Das Protokoll trägt keine Unterschrift der Verantwortlichen, auch deren Namen werden nicht aufgeführt
  • Laut damaligem Meßprotokoll ist weiter festzustellen, daß auch die erforderlichen "Wischtests", die die jetzt bekanntgewordene Außenkontaminierung erfassen sollten, gerade NICHT vorgenommen wurden! Die entsprechende Spalte im Meßprotokoll blieb schlichtweg leer!

 

Warum diese Messungen unterblieben sind, ist nach dem Bekanntwerden der radioaktiven Verstrahlung der Behälter nunmehr erklärlich.

 

Tatsache ist: Das Merkel-BfS hat von den vermutlich bewußt unterlassenen Messungen gewußt (die Protokolle wurden dem BfS vom EBA per Fax übermittelt; auch wurde in der Öffentlichkeit immer wieder auf solche "Messungen" bezug genommen), und ist nicht tätig geworden. Die Atomaufsicht hat also nicht nur "versagt", sie hat in menschenverachtender Weise ihre Aufgaben nicht wahrgenommen, weil sonst bereits damals keine CASTOR-Transporte hätten stattfinden dürfen. Verstrahlungen des Transportpersonals, der Polizei und tausender weiterer Menschen, Anwohner der Transportstrecken oder Demonstranten, wurden in Kenntnis der Verseuchung der Transportbehälter im Interesse der Atomindustrie hingenommen.

 

D. Metk, Tarmitz 4, 29439 Lüchow,

Tel.: 05841/6451, Fax: 05841/4062

 

Fachgruppe Internet der BI Lüchow-Dannenberg 

Bearbeitet am: 24.05.1998/ad


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