Verfassungsschutzbericht über "Linksextremistische/militante Bestrebungen im Rahmen der Anti-CASTOR-Kampagne" - Einleitung Redaktion "CASTOR-NIX-DA"


Unqualifizierter Verfassungsschutzbericht sorgt fürch Lachsalven und Betroffenheit im Wendland

"Herren den Morgengrauens" blicken nichts

Wendland, zum Jahreswechsel 1996/1997. Man möchte es für einen schlechten Silvesterscherz halten, was da bereits von Wochen schon durch die Presse gegeistert ist, und die Gefahr für unser Staatswesens durch den "militanten Widerstand" im Wendland heraufbeschworen sieht. "Gewöhnlich gut" - vorab - "unterrichtete Quellen", sprich gezielt mit Informationen versorgte einschlägige Presseorgane, wußten schon vor Wochen zu berichten, daß der Widerstand gegen den CASTOR-Transport im Wendland von obskuren "militanten Autonomen" gesteuert wird, der, so war es sodann kurzzeitig über dpa in den Nachrichten zu hören, auch nicht vor "Anschlägen auf Atomare Einrichtungen, wie Atomkraftwerke" etc. zurückschrecken würde.

Wenn auch schon am nächsten Tag die "Richtigstellung" vermeldet wurde, daß Anti-AKW-Aktivisten eben genau dieses nicht vorhätten, war doch der Zweck erreicht: der "Breiten Masse" der Bevölkerung war eint tiefenpsychologisch wirkendes Feindbild bereits vermittelt worden - sehr praktisch und passend zur richtigen Einordnung möglicher Blockade-Aktionen des "unappetitlichen Packs" beim nächsten CASTOR-Transport.

Nun, was da so klandestin medial verbreitet wurde, liest sich im Original jedoch wie ein schlechter Comic. Wer die Verhältnisse hier im Wendland kennt, könnte sich vor Lachen nur auf die Schenkel schlagen. Zeigt doch dieser "Bericht" einer mit unmengen Geldern ausgestatteten Institution, daß die zuständigen Herren völlig unfähig sind, den seit über 20 Jahren im gottverlassenen Landkreis Lüchow-Dannenberg tief verwurzelten Widerstand gegen die Atomanlagen - seien es "Zwischen"- oder "Pilotkonditionierungsanlagen"-Baustellen, seien es "Bergwerke zur Erforschung eines Salzstocks" oder "CASTOR"-Transporte - nur einigermaßen zu beschreiben, denn gar zu verstehen.

Das Lachen bleibt den Wendländern allerdings im Halse stecken, wenn sie feststellen müssen, wie seit Jahren im Landkreis lebende Menschen, Nachbarn, Freunde - wenn auch Aktivisten gegen die Atomenergie - mit Unterstellungen, falschen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, suggestiven Legenden ("geboren in Hamburg", also der Stadt der "Autonomen"...) in das "RAF-Umfeld" hineinberichtet werden, deren Namen in absehbarer Zeit, gleich der Halbwertszeit von Plutonium, in den Computerdateien gespeicher bleiben.

"Szeneobjekte", die wohl in mühsamster Kleinarbeit von den niedersächsischen Stasi-Spezialisten ausgemacht wurden, sind seit Jahren bekannte und beliebte Orte, wo sich die Wenden zu Festen, bei Kulturveranstaltungen oder nur so, privat oder beim Bier, offen treffen oder wohnen.

Und daß die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, wie in dem Bericht garselbst erwähnt, nicht viel mit "Autonomen" Steinewerfern am Hut hat, ist aus deren langjähriger Geschichte ausreichend bewiesen.

Es ist eben für die Stasi-staatliche Denke nicht nachvollziehbar, daß ein ganzer Landkreis mit X-tausenden Menschen, Bauern, Ärzten, Schülern, Lehrern, sich offen und immer wieder aufs neue gegen die Atomiker "querstellt", und nicht auf Drohungen, Einschüchterungsversuche, Hetzkampagnen hereinfällt. Wenn dann sogar bei den Wahlen in einem der ursprünglich konservativsten Landkreise der alten Bundesrepublik die Mehrheit der CDU den Rücken kehrt, und auch ihr X auf dem Wahlzettel bei den Atomgegner macht, sollte eigentlich die damals schon von Ernst Albrecht gewonnene Erkenntnis, in diesem Landkreis seien Atomanlagen "politisch nicht durchsetzbar" selbst bis ins hannoveranische "Amt" vorgedrungen sein.

Allein, was nicht sein kann, das nicht sein darf, und: irgendwas wird schon hängenbleiben...

Herr Glogoswski, "Chef" der Verfassungschutzbehörde, die dieses Traktat zusammenstellten, müßte doch schamrot werden ob dessen Qualität, und unser Möchtegern-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ja selbst vor knapp zwei Jahrzehnten den wendischen Widerstand persönlich erlebt hat, müßte doch schleunigst gemäß seinem Sparkurs die Konsequenz ziehen: Sofortige Abschaffung dieser sinnlosen Institution, fristlose Entlassung aller Mitarbeiter wegen erwiesener Unfähigkeit!

Dem wird aber nicht so sein: Wenn denn die "Herren des Morgengrauens" nicht in der Lage sind, hier die geheimen Zirkel auszumachen, zu unterwandern und unschädlich zu machen, es nicht gelingt, sie zu "erfinden", liegt es allein daran, daß es diesen "Untergrund" nicht gibt. Denn die Wenden sind ein offenes Völkchen! Mensch stellt sich quer, ob vor oder hinter die Polizeikette, den Wasserwerfer, mit dem Trecker oder den bloßen Händen, gegen den CASTOR, und - auch das haben die "dummen Bauern" in den letzten Jahrzehnten längst erkannt - gegen den Atomstaat.

Wer den Landkreis nicht kennt, dessen Dummheit sei es - traurig, traurig - zugebilligt, wenn er solche Berichte nicht nur liest, sondern auch noch kolpoltiert. Wenn aber jemand, der hier wohnt, nur weil er "MdB" ist, selbst in der hiesigen Lokalpresse mit dem Verweis auf solche unqualifizierten Berichte warnend den Finger vor den "Chaoten" hebt, macht er sich damit nicht nur lächerlich, sondern zeigt letztlich auch dem letzten seiner (noch-)Wähler, daß er nicht seinem Gewissen, was er möglicherweise gar nicht hat, sondern lediglich seinem Parteibuch und der Stimme seines Herrn und Kanzlers hörig ist.

Dieter Metk


Wir dokumentieren im folgenden den Verfassungschutzbericht:

Linksextremistische / militante Bestrebungen im Rahmen der

Anti-CASTOR-Kampagen

- Konzepte, Gruppen, Szeneobjekte und Personen (Wendland) -


Dazu Stellungnahmen der
"BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg" vom 17. 12. 96
und von
Dieter S. aus dem "militanten Bereich" der Anti-AKW-Bewegung
Zur Erheiterung, und Dokumentation über den Einfallsreichtum der "Herren im Morgengrauen" ein entsprechender Artikel aus der
Stellungnahme des MdB K.D.Grill
in der "Elbe-Jeetzel-Zeitung" vom 20. 12. 96

Mit welchen Mitteln versucht wird, der BI "Militanz" unterzujubeln, ist gleichfalls nachzulesen in der
EJZ vom 20. 12. 96: "Material untergeschoben"
Fragen zur "Denunziation" durch den VS-Bericht und über die Rolle Niedersachsens bei dessen Erstellung will schließlich die Grünen-MdNL Rebecca Harms durch eine "Kleine Anfrage" geklärt wissen:
EJZ vom 2. 1. 97


Bearbeitet am: 6.1.96 (Jobname: VS-EINL)