Nachfolgender Text ist einMärchen und wurde von den 4. Klässlern der Grundschule Wustrow während des Castortransportes geschrieben.

Die Ausdauerlinge

Ein Märchen zum lesen und Ausmalen

Allen Ausdauerlingen gewidmet

Das Wendische Reich ist nicht besonders groß, doch hat es von allem etwas. Es gibt Hügel, die mit Laubwäldern bedeckt sind. Auf den saftigen Wiesen grasen die schwarz - weißen Milchvierbeiner. Das Reich ist eher nach, man kann weit blicken DieBewohner leben im kleinen Ortschaften zusammen. In den älteren Dörfern stehen die Häuser im Kreis, deshalb heißen diese Dörfer Rundlinge. Die meisten Menschen kennen sich untereinander, helfen sich gegenseitig und leben sehr friedlich und harmonisch miteinander. Sie benützen als Fortbewegungsmittel gerne ihr Zweirad oder ihr Reittier. Um die Ortschaften gibt es viele Felder, auf denen Kartoffeln, Grünkohl und andere Pflanzen angebaut werden. Deshalb nennt man die Bewohner des Wendischen Reiches auch Kartoffellinge und Grünlinge. Die vielen Fantasielinge, die sich hier im Reich der Wenden angesiedelt haben, fertigen Geräte für den täglichen Gebrauch; wie Möbel, Töpfe, Körbe und Haushaltsgeräte die Strom benötigen.

Kleinere Flüsse durchziehen das Reich, in denen die Fische munter umherschwimmen. Die Grenze zu anderen Reichen bildet ein großer Fluss, auf dem Schiffe fahren. Im Wendischen Reich gibt es einen Grafen, der ein unterirdisches Salzschloss besitzt. Im Inneren dieses Schlosses glitzern die Wände wie Diamanten. Ein Förderkorb ersetzt die Stufen. Vor langer Zeit hat der Graf seinen Untertanen für ihre geleistete Arbeit zusätzlich zu ihrem Lohn noch eine Hand voll Salz geschenkt. Salz und Brot waren, und sind heute noch lebensnotwendig. lm Wendischen Reich gibt es keine großen Produktionshallen aus denen stinkende Abgase gepustet werden. Seine Bewohner haben das Monster "Smog" noch nicht kennengelernt. Deshalb kommen viele Fremdlinge hierher, um ihre Freizeit zu verbringen.

Dieses Wendische Reich fühlt sich zur Zeit von einem gefährlichen Atomdrachen bedroht.

In Stromhausen, davon gibt es mchrere verstreut um das Wendische Reich, leben die Stromleuchter. Sie besitzen eine seltsame Energie, die sie verkaufen und dadurch sehr reich geworden sind. Diese seltsame Energie heißt Strom. Sie kann nützlich sein, weil sie in der Nacht Licht verbreitet, sie bewegt Maschinen und gibt Wärme ab. Im Wendischen Reich kennen die Grünlinge, Kartoffellinge und Fantasielinge auch diese Energie. Sie erzeugen sie mit Windrädern. Die Stromleuchter, die einen gelben Leuchter auf dcm Kopf tragcn, eine total hellgelbe Haut haben und deren Gesicht schrumpelig ist, erzeugen einen sehr gcfährlichen Strom. Er wird von einem Atomdrachen erzeugt, der mit der Umwelt nicht in Berührung kommen darf, weil seine Strahlen sehr gesundheitsschädlich für Menschen, Tiere und Pflanzen sind.

Selbst ein ausgebrauchter Atomdrachen ist immer noch sehr gefährlich, wegen seiner Strahlen. Die Grünlinge vergilben, den Kartoffellingen fallen die Wurzeln ab, die Fantasielinge verlieren ihre Haare und bei allen können sich Geschwülste bilden. Ihre Kinder schrumpeln statt wachsen und von der Strahlung bekommen sie die Strahlenpest. Die Tiere verlieren ihre natürlichen Farben und werden pink oder türkis oder leuchtis. Die Pflanzen wachsen riesengroß oder sterben ab. Das Wasser wird hart und braun, es ist verseucht. Die Stromleuchter suchten nun für ihre gefährlich strahlende Atomdrachenmumie, die für sie Abfall war, einen sicheren Platz. zum endlagern. Mit Hilfe von Spionen hatten sie von dem, in einem Waldgebiet, gut verborgenen unterirdischen Salzschloss erfahren. Das war es was sie brauchten! Zuerst versuchten sie die Bewohner des Wendischen Reiches von der Ungefährlichkeit der Atomdrachenmumie zu überzeugen. Das gelang ihnen nicht. Danach heuenen sie sich fur teures Geld. davon haben sie genug, Grasmännchen an. Damit wollten sie die paar Kanoffell -, Grün - und Fantasielinge kleinkriegen.

Sie verpackten die erste Atomdrachenmumie in einen silberfarbenen Sarg, der in der Sonne verfuhrerisch glänzte, und luden sie auf ein Schienenungeheuer, das den Sarg bis vor das Salzschloss beförderte.

Von da musste ihn ein Tiellader auf der Straße bis ins unterirdische Salzschloss fahren. Die Grasmännchen mussten den Sarg mit der gefährlich strahlenden Fracht bis zum Salzschloss bcgleiten. Die Kartoffel -. die Grün - und die Fantasielinge wehrten sich mit allcn Mitteln, die ihnen einfielen. Es nützte wenig. Die Grasmännchen waren in der Überzahl. Der erste und der zweile Sarg mit so einer gefahrlichcn Mumie eines ausgedienten Drachens rollte in das Salzschloß. Endgelaget ? !

Ganz traurig und verweifelt waren die Bewohner des Wendischen Reiches, doch sie gaben nicht auf. Sie mussten in der Überzahl sein und sie mussten die Grasmännchen davon überzeugen dass die Mumie des Atomdrachens auch für sie sehr schädlich ist. Sie mussten die Bewohner der Nachbarreiche davon überzeugen, dass die Atomdrachen wegen der gefährlich strahlenden Mumien keinen Strom mehr erzeugcn dürfen.

Die Windräder die Sonne - das ist die "Zukunft".

Eines Tages, nachdem der Winter schon fast vergangen war. erfuhren die Einwohner des Wendischen Reiches, dass die Stromleuchter gleich sechs Särge mit Atomdrachenmumien ins Innere des Salzschlosses schicken wollten. Das war zu viel !!! Dies wollten die Bewohner des Wendischen Reiches nicht zulassen. In allen Dörfern und Ortschaften versammelten sich die Kartoffel, - die Grün - und die Fantasielinge und berieten, wie sie diesen Transport verhindern könnten. Sie ließen sich viele friedliche Protestaktionen einfallen. Überall begegnete man dem vertrauten Zeichen, am Auto, am Trecker, an den Fenstern der Häuser, an den Straßenrändern, X . Plötzlich erfuhren sie, dass der Sechs - Pack mit den Särgen der Atomdrachenmumien bereits losgeschickt worden war. 500m lang war das Schienenungeheuer diesmal. Und wieder fuhren Grasmännchen mit. Jede Atomdrachenmumie hatte einen eigenen Sarg und einen eigenen Tieflader. Jeder Sarg wog 120t und der Tieflader musste 12 Achsen habcn, damit die Mumien befördert werden konnten.

Da veranstalteten die Kartoffel -, Grün - und Fantasielinge am freien Wochenende eine tolle ''Stunkparade''. Sie holten ihre behäbigen, großen Tüfflader, manche mit ihrem Anhänger, und schmückten sie mit Protestplakalen. Auf den Anhängen waren viele Idecn, die ihren Protest darstellten: z.B. ein schwarzes Monster als Atomungeheuer. Alomsonnen und - Windmühlen. 573 geschmückte Tüfflader trafen sternförmig beim Salzschloss ein. Von dort fuhren sie in über 5 Stunden bis zu dem Dorf "Splitau", es war ein 14 km langer, karnevalsähnlicher Zug. Viele Fantasielinge und Fremdlinge säumten die Straße und freuten sich über diesen friedvollen Protest. Als sich der Tüfflader - Lindwurm den Grasmännchen näherte, wurden ihre Augen größer und größcr, sie kamen aus dem Staunen nicht heraus. So friedliche Demonstranlen hatten sie nicht erwartet. Die Sonne schien sich auch darüber zu freuen, sie lachte warm vom Himmel. Grünlinge, Kartoffellinge, Grasmännehen, Fremdlinge und Fantasielinge waren alle einer Meinung, es sollte keine Atomdrachenmumien mehr geben.

Es nützte nichts. Die Stromleuchter sorgten dafür, dass das Schienenungeheuer kam. Sie sorgten auch dafür, dass 11.500 Grasmännchen, mit schweren Räumungsmonstern ausgerüstet, anwesend waren. Schließlich mussten die Grasmännchen den sechs Särgen auf den Tiefladern eine freie Fahrt in das Salzschloß gewährleisten; wenn nötig mit Gewalt. Sie führten ihre Befehle aus, wenn auch nicht immer aus innerer Überzeugung. Die Kartoffel -, Grün -, Fantasie -. Fremd - und Freundlinge nahmen all ihren Mut und Kraft zusammen und versuchten sich friedlich zur letzten Wehr zu setzen. Einige hatten die Schienen, auf denen der Sechs - Pack anrollte, durchgesägt. Zwei Fantasielinge hatten sich an die Schienen gekettet und die Ketten einbetonieren lassen. Ganz schön, mutig !! Die Grasmännchen hatten viel zu tun, bis sie die beiden Fantasielinge ausbetoniert hatten. Viele, viele Tüfflader hatten sich nach der "Stunparade", statt sich in den heimischen Stall zu begeben, auf der Straße quergestellt und total ineinander verkeilt. Ein paar Fremdlinge hatten unter den Tüffladern die Straße unterhöhlt, das war den Kartoffel - und Grünlingen nicht recht. Die Grasmännchen mussten die Querstunker stehenlassen und einen neuen Fahrweg für die Atomdrachenmumien festlegen.

Es kam dcr Tag X3. Aus lauter Verzweiflung schliefen um die 5000 Kartoffellinge, Grünlinge, Fantasielinge, Fremdlinge und Freundlinge die letzte Nacht vor dem Transport auf der Straße und blockierten die Ausfahrt des Sechs - Packs. Strohballen dienten als Matratzen. Schlafsäcke wärmten notdürftig und Plastikplanen solllen vor den wasserspuckenden Monstem der Grasmännchen schützen. Dcn Transport der Särge konnten sie nicht mehr verhinden, aber verzögern, das wollten sie. Und das ist ihnen gelungen !! Von den wasserspuckenden Monstern wurden sie von der Straße gespült. Die Grasmännchen hielten die Fahrbahn für die sechs Tieflader mit den gefährlichen strahlenden, in der Sonne verführersch glänzenden Särgen frei. Mit 14 km / Std. rollte der 1.5 km lange Strahlenlindwurm in Richtung Salzschloss. Tauscnde und Abertausende gaben hinter den Rücken der Grasmännchen ihrer Wut und ihrer Enttäuschung durch Schreie und Pfiffe Ausdruck.

Als sich die Sonne dem westlichen Horizont näherte fuhren die sechs Särge auf den Hof des Salzschlosses. Die Stahltore schlossen sich. Soll das das Endc sein ? - Auf beiden Seiten Verletzte und die Stromleuchter die Sieger ? Die Grasmännchen fuhren in ihren rollenden, grünen Laubhütten erschöpft und müde nach Haus. Sicher sehr nachdenklich. Die Kartoffel -. Grün -. Fantasie -, Freund - und Fremdlinge hoffen nun, dass ganz viele Nachbarlinge mithelfen, dass die Stromleuchler die Atomdrachen in allen Stromhausen aussterbcn lassen, und Strom nur noch aus Wind - und Sonnenkraft erzeugt wird. Wir wollen dies noch zu unseren Lebzeiten erleben und nicht erst, wenn wir schon gcstorben sind. Wir sind die Kartoffellinge, Grünlinge und Fantasielinge der Grundschule Wustrow Klasse 4 b des Jahrgangs 1996/97

Nils Leipner ,Jasmin Heller, Mirko Klauke, Jessica Zacharias, Johannes Lüdecke, Jessica Kulisch, Zeki Kovaci, Alina Kamlade, Julian Greibke, Jennifer Büsetzke, Bastian Morawski, Sabrina Ehlert, Nils Gostomski, Caner Dolas Laura Hanke, Christian Behn, Arta Kervolli, Aber Kervolli, Doris Schramm, Sara Sprenger Alexander Kuschka, Fiete Müller, Norman Möhle, Gertraud Spangenberg

Dieses Märchen ist mit vielen Kinderbildern versehen, die auch zum anmalen gedacht sind.

Copyrights by Gertraud Spangenberg, Klein Wietzeetze

Die broschürenhafte Ausgabe ist für 3,50 DM Druckkosten + 1,50 DM Porto oder/sowie freiwillige Spende zu beziehen bei:

Albert Doninger, OT Ganse, Im Rundling 12 29462 WUSTROW, Tel..& Fax 05843-619


Bearbeitet am 19-04-1997

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