Till Bastian


PLUTONIUM oder Wer Pandoras Büchse öffnet


Im Auftrag der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung
Zweite, erweiterte und aktualisierte Auflage - Berlin 1995

Vorbemerkung


Das vorliegende Büchlein ist aus einer Broschüre hervorgegangen, die im Jahr 1994 erstmals erschienen ist - zum 9. August, dem Jahrestag der Zerstörung der japanischen Stadt Nagasaki durch eine Plutoniumbombe. Während der Arbeit am Text wurden plötzlich mehrere spektakuläre Fälle von wirklichem oder vermeintlichem Plutonium- Schmuggel bekannt - und das Thema, zuvor eher eine Angelegenheit für Spezialisten, stand im wahrsten Wortsinne über Nacht im Brennpunkt öffentlichen Interesses. Dieses Interesse ist, bedenkt man die Gemeingefährlichkeit, von der hier die Rede sein muß, allerdings auch durchaus angebracht. Doch das Jahr 1994 eignete sich auch in eher hintergründiger Manier als Dreh- und Angelpunkt einer Betrachtung zum Thema menschlicher Größenphantasien und blindwütiger Fortschrittsgläubigkeit.

Denn auch wenn wir die Geschichte wissenschaftlicher Vorhersagen - oder sollten wir lieber gleich sagen: anmaßender Selbstüberhebung - rückblickend studieren wollen, dann ist 1994 ein durchaus wichtiges Jahr gewesen.

Nehmen wir zum Beispiel eine Umfrage zur Hand, die die Zeitschrift "Naturwissenschaftliche Rundschau" 1967 unter nach ihren Zukunftsprognosen befragten wissenschaftlichen Experten veranstaltete.' Nach dieser Expertise sollte just 1994 das Jahr sein, in dem ein umfassender Impfschutz gegen alle Krankheiten und Seuchen erstmals möglich werde ...

Daß die Realität anders aussieht, wissen wir heute, wir kennen die Realität des Jahres 1994, die mit solchen Prognosen nicht das geringste gemein hat!
1 Naturwissenschaftliche Rundschau, Heft 7, Juli 1967 - andere Prognosen der Umfrage: 1982 werde eine permanente Mondbasis mit zehn Astronauten besetzt sein; 1985 werde jedes Kind dieser Erde eine Schule besuchen; 1990 werde der Mensch das Weltklima nach Gutdünken gestalten können ...

In ähnlicher Weise gibt die Geschichte des Ultragiftes Plutonium allen denkbaren Anlaß, an jenen Experten zu zweifeln, die uns auch heute noch machbare Wunder versprechen, alle Risiken unter Kontrolle wissen wollen und ansonsten stets verkünden, daß Angst ein schlechter Ratgeber sei. Vor solchen Experten kann man gar nicht genug Angst haben.

Hoffentlich trägt die schreckliche Geschichte des Plutoniums zur Verbreitung dieser Einsicht bei - und zur Schärfung der entsprechenden Wachsamkeit.


Till Bastian Frühling 1995

Die Broschüre ist zu Beziehen:

Verlag und Herausgeber:
Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialerVerantwortung (IPPNW) e.V.
Körtestraße 110,
10967 Berlin

oder bei der

Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg

(Wir bitten um Verständnis, daß die Bestellung und der Versand nur per Post möglich ist.)

Bearbeitet am:30.05.1998/ad


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