| GORLEBEN RUNDSCHAU |
|
März2008
AUSGABE 3 |
Inhalt:
Ausgabe im
PDF-Format (286)
KB)
Mitgliederversammlung der BIEinladung in die Trebeler Bauernstuben am 29.03.2008 um 15 UhrEin auszugsweiser Rückblick auf das vergangene Vorstandsjahr. Im Februar haben wir mit einer großen Torte aus Beton und über 500 Menschen unser 30- jähriges Widerstandsjubiläum gefeiert.Ausstellungen, Lesungen, Kabarett, Musik und Treckerexkursionen zu markanten Punkten waren nur einige Highlights des bunten Festes. Bei allem Bedarf nach Ausruhen und dem sicher stattfindenden Generationenwechsel,Aussetzen zählt nicht: wir streiten energisch weiter für den Erhalt unserer Grundrechte und die sofortige Stilllegung der Atomanlagen! Um den Generationswechsel plastisch zu machen, veranstalteten wir gemeinsam auf Initiative des Musenpalastes am 1. September eine Anti-Atom- und Anti-Kriegsdemo mit Kulturfest an den Gorlebener Anlagen. Ein schöner Protesttag und eine lange Protestnacht, die abermals bewiesen haben, dass Widerstand auch Spaß machen kann.Am Vorabend fand in Gedelitz eine Veranstaltung mit den AnwältInnen Ulrike Donat, Sönke Hilbrans und Carsten Gericke zu Repression statt. Im März 2007 haben wir zwei Aktivisten von Ecodefense aus Moskau eingeladen, die in Platenlaase auf einer gut besuchten Veranstaltung über die Urantransporte von Gronau nach Russland berichtet haben. Die Urantransporte finden fortlaufend statt, die Urananreicherungsanlage Urenco in Gronau entledigt sich so 90% ihrer Abfälle kostengünstig. Nur 10% werden angereichert zurücktransportiert. Der größere Teil lagert unter freiem Himmel, rostend, weitere Zukunft ungewiss. Die Urantransporte haben im letzten Jahr eine große öffentliche Anteilnahme erfahren. In der Legende vom sauberen Atomstrom ist dies ein wichtiges Kapitel. In Brüssel fand im März die Gegenveranstaltung zu 50 Jahre Euratom statt. Dazu trug auch die internationale Urankonferenz in Dortmund bei, die auch wir mit vorbereiteten und finanziell unterstützten. Im April wurde das illegale Atommüllendlager, die Asse, 40 Jahre alt.Wir waren mit einer Delegation aus dem Wendland auf der Demo und haben mit unseren solidarischen Grüßen das weitere gemeinsame Handeln bekräftigt. Seit April trifft sich die Endlager AG. Zunächst gab es zweiwöchentliche Treffen im Landkreis. Mit den anderen Endlagerstandorten Asse, Morsleben und Konrad fanden nach Bedarf Treffen zum Austausch statt. Inzwischen trifft sich die Landkreisgruppe selten, die Standorte haben sich zu einem aktiven bundesweit agierenden Kreis zusammengeschlossen. Es gibt eine gemeinsame Erklärung und Homepage. Erwähnenswert bleibt auch die Ausstellung über das Endlager Morsleben, die in Salzwedel und in Gedelitz zu besichtigen war.
Hört endlich auf,Atommüll zu produzieren, ihr könnt mit dem vorhandenen schon nicht umgehen! Den Tschernobyl- Jahrestag haben wir mit der Gomelhilfe Meridian genutzt, um auf dem Lüchower Marktplatz Infos zu verteilen. Im April 2007 fand auch anlässlich des Tschernobyljahrestages in Heiligendamm ein Zaunspaziergang statt.Wir waren mit der Lüneburger Initiative gegen Atomanlagen (LIgA) mit einem Bus dort und konnten schon mal undemokratische Luft schnuppern. Der Zaun und das Polizeiaufgebot waren immens und nur vergleichbar mit bevorstehenden Castortransporten. Ende Mai, im Vorfeld des G8 Gipfels in Heiligendamm, hat eine Fahrradkarawane bei uns an den Atomanlagen Station gemacht. Nach einer öffentlichen Begrüßung in Lüchow auf dem Marktplatz gab es am nächsten Morgen ein gemeinsames Frühstück mit hiesigen Aktiven auf dem Salinas Gelände.
Am Tag der Großdemonstration in Rostock, als Auftakt der G8 Proteste, an der etwa 90.000 Menschen teilnahmen, hat die BI einen Infostand gemacht.Während des gesamten Gipfelzeitraumes hat der MMKW täglich bei Demonstration als Bühne und Kundgebungsort gute Dienste geleistet, unsere Transparente zur Atomproblematik fanden großen Zuspruch.Wir haben uns an der Organisation eines der drei großen Camps beteiligt. Uns war wichtig, dass das Demonstrationsrecht, das wir in unserer Region nur zur Genüge missachtet wissen während eines jeden Castortransportes, nicht einem weiteren Abbau von Grundrechten geopfert wird. Unsere Erfahrungen bezüglich Camps und Strukturen waren den dortigen Protesten nützlich. Das Thema Atomenergie war eines der zentralen Themen auf dem vorherigen Gipfel gewesen und auch auf diesem Gipfel sind Weichen für die weitere Nutzung der Atomkraft gestellt worden. Am 2.3. diesen Jahres fand ein Vortrag Die Asse bringt es an den Tag, zur gescheiterten Atommüll- Endlagerung in Deutschland, in Trebel statt. Nach einem castorfreien Jahr müssen wir in diesem Jahr mit einem Transport rechnen. Ein Transport aus La Hague ist beantragt, jedoch eine Transportgenehmigung noch nicht erteilt. Jedenfalls müssen wir schon jetzt mit der Mobilisierung beginnen und bei Großveranstaltungen in Städten mit Informationen präsent sein. Ich möchte Euch im Namen des derzeitigen Vorstandsteams ermuntern,weiterhin die Arbeit der BI und den Widerstand zu unterstützen.Wir freuen uns über Spenden, neue Mitglieder und tatkräftige Mitarbeit. Kerstin Rudek für den Vorstand der BI Die Asse bringt es an den TagIm Versuchsendlager Asse II, das eine Pilotfunktion für Gorleben haben soll, ist so gut wie alles, was für die Endlagerung von Atommüll von der Atom-Energie-Lobby an Sicherheit versprochen wurde, gescheitert. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bezeichnete zu Recht diesen Zustand im April letzten Jahres als Gau in der Grube. Seit 1988 fließen täglich ca. 12 m3 Lauge aus dem Deckgebirge in das ehemalige Salz-Gewinnungsbergwerk und heutige Atommülllager. In den oberen Etagen des 15 Stockwerke hohen und 650 Meter langen Abbaugebietes in der Südflanke hat sich das Deckgebirge schon 5-6 Meter in die Höhlräume hineingebogen. Dadurch sind die Wegsamkeiten zum wasserführenden Deckgebirge zustande gekommen. Und diese Bewegung ist weiter im Gange.
Zwar wurden Verfüllmaßnahmen der Kammern ohne radioaktive Abfälle von 1995 bis 2005 durchgeführt, die sich verlangsamend auf die Bewegungen im Berg auswirken von wirklicher Standsicherheit ist man heute aber noch weit entfernt. Somit könnte der Laugenzufluss ständig ansteigen und die Grube ersaufen. Nach nur 20 Jahren Betrieb ... Dabei heiß es noch Anfang der 80ger Jahre vom damaligen Leiter der Schachtanlage, Egon Albrecht, sie sei standsicher und trocken. Nach nur 20 Jahren Betrieb als Atommülllager war der Isolationszeitraum beendet, eine Wegsamkeit der Radionuklide in die Biosphäre war durch den Laugenzufluss geschaffen. Dieses unterstreicht, dass das Konzept der Langzeitsicherheits-Prognosen auf sehr wackligen Beinen steht. Wo liegt der Ursprung dieser falschen wissenschaftlichen Einschätzungen von standsicher und trocken? Dieser Fehler ist bis heute nicht analysiert worden, eine Aufarbeitung dieser Fehleinschätzung fand nicht statt. Somit kann für die Zukunft hieraus keine positive Lehre für die Endlagerung gezogen werden außer die, dass es zurzeit keine sichere Endlagerung von Atommüll gibt. Udo Dettmann Kein Forum dem Atomforum!Gegen die Jahrestagung Kerntechnik - 27.-29. 05.08 im Hamburger CCHEnde Mai versammelt sich das DEUTSCHE ATOMFORUM zu seiner JAHRESTAGUNG KERNTECHNIK in Hamburg. Mehr als 1.000 VertreterInnen aus (Atom)Wirtschaft und Politik werden im CCH die atomaren Risiken verharmlosen und die Atomenergie als weltweiten Klimaretter feil bieten. Die Atombranche bemüht sich, die Akzeptanz für die Fortsetzung der Atomenergie zu verbessern. Vor allem in der Debatte um die Klimakatastrophe und bei der bis heute ungelösten Entsorgung der Atomabfälle will sie Punkte machen, um ihre Reaktoren länger laufen lassen zu können. Klimawandel und die Endlagerfrage Klimawandel war da was? Die Erkenntnis, dass der vom Menschen gemachte Klimawandel eine Tatsache ist, hat sich mittlerweile in weiten Teilen von Politik und Gesellschaft herumgesprochen. Und getreu dem Motto, die Letzten werden die Ersten sein, versuchen jene, die den Klimawandel am längsten geleugnet haben, heute die ersten zu sein, die uns eine neue / alte Lösung für das Klimaproblem anzubieten haben. Atomkraft sei COÇ neutral heißt es da in den Flugschriften des deutschen Atomforums. Mit diesem Form des Green-Washings wird versucht, einen zweiten Frühling für die Atomenergie herbei zu reden. Ohne von den enormen Risiken der Atomenergienutzung zu sprechen, versuchen sie sich als Klimaretter aufzuspielen. Doch auch die Atomenergie ist nicht CO2-Frei. Denn beim Uranabbau, bei den zahlreichen Transporten und bei den verschiedenen Fertigungsschritten zur Herstellung von Brennelementen entsteht sehr wohl CO2. Und wie wenig glaubhaft die Klimaschutz-Atom-Debatte ist, zeigt sich an anderer Stelle. Die vier AKW-Betreiber Vattenfall, E.On, EnBW und RWE investieren gerade im ganz großen Stil in dieFortsetzung der Klimakatastrophe: Insgesamt 19 neue Kohlekraftwerke, wollen sie bundesweit neu bauen. Für 40 Jahre Betriebsdauer schreiben sie damit viel zu hohe CO2-Emissionen fest! Mit Klimaschutz haben diese Konzerne nichts am Hut. Beim Betrieb von Atomkraftwerken wie bei den neuen Kohlekraftwerken geht es nur um eines: Um die Gewinne für die Aktionäre. Trotz aller Bemühungen der Atombranche: Die Bevölkerung will den Ausstieg aus der Atomenergie. Zahllose Störfalle in den Atomreaktoren, aber auch die bis heute ungelöste Entsorgung der radioaktiven Abfälle sind Gründe für diesen Ausstiegswillen. Kein Wunder also, wenn die Atomgemeinde neben dem Klima vor allem daran interessiert ist, die Endlagerung als gelöst anzupreisen. Atommüll-Endlagerung ein Horrorszenario Die Atomlobby wird der Bevölkerung weiter vorgaukeln wollen, dass die Lagerung des gefährlichen Atommülls gelöst sei. Der Grund: Nach jahrzehntelangem Streit ist im letzten Jahr die Genehmigung die Lagerung von schwach- und mittelaktivem Atommüll im Schacht Konrad erteilt worden. Doch eine Genehmigung hat nichts mit Sicherheit zu tun! Das lässt sich in direkter Nachbarschaft vom Schacht Konrad erleben: In dem ehemaligen Versuchs-Endlager ASSE bei Wolfenbüttel entwickelt sich derzeit der größte anzunehmende Unfall für die Endlagerung von Atommüll. In das Grubengebäude von ASSE II dringt unkontrolliert Wasser ein. Die Betreiber rechnen nur noch mit einer Standsicherheit bis 2014. Der gesamte Salzstock ist vom Zusammenbruch bedroht. Ein Horrorszenario. Das Wasser gelangt direkt an den Atommüll, löst die radioaktiven Stoffe und verwandelt sich zusätzlich in einen hochgefährlichen chemischen Giftcocktail. Über unterirdische Pfade gelangt dieses Wasser schließlich in die Trinkwasserversorgung und an die Umwelt. Keine 30 Jahre nach der ersten Einlagerung von Atommüll ist es mit der vermeintlichen Sicherheit bereits vorbei. Und auch im Endlager Morsleben gibt es gravierende Probleme mit der Standfestigkeit, hier sind bereits einige Stollen eingestürzt oder werden derzeit neu verfüllt, um einen Einbruch zu verhindern. Die Ereignisse in der ASSE machen klar, wie wenig von all den Behauptungen des Atomforums zu halten ist. Deswegen müssen die geplanten Endlager im Schacht Konrad und in Gorleben gestoppt werden: Klimaschutz durch Atomanlagen und sichere Endlager das hat nichts mit Realität zu tun, sondern nur mit den wirtschaftlichen Interessen dieser Industrie und deren politischer Vertreter! Gegen Atomrisiken und Klimakatastrophe - sofortige Stilllegung aller Atomanlagen! Wenn sich in Hamburg vom 27. 29. Mai die Atomlobby als Deutsches Atomforum zur
Jahrestagung Kerntechnik zu ihrer Propaganda-Show versammelt, machen wir mit
Gegenveranstaltung mobil: Atomforum rocken Montag 26.5.: Konzert Störfall im
Schanzenpark Infostände, Schlafplatzbörse für Auswärtige Dienstag 27.5. : ab 9°°
Auftaktkundgebung vor dem CCH - den ganzen Tag über diverse Beiträge mit dem Mobilen
Musikkampfwagen aus dem Wendland. ErstaufruferInnen:
Widerstandscafe in MeuchefitzGorleben Ruft zum Widerstandscafe und alle kommen zahlreich!Alle Jahre wieder engagiert sich die BI und viele HelferInnen im Widerstandscafe zur KLP, um Geld für den Widerstand zu organisieren. Auch dieses Jahr sind wir wieder dabei und es ist einiges geboten. Am 3.5.08 wird uns Xamba von 15:30 16:30 Uhr ordentlich was trommeln. Am 6.5.08 um 19:00 Uhr wird die BI eine Veranstaltung mit aktuellen Infos zu den gepl. Endlagerstandorten, zur Endlagersuche, eben zum Stand der Dinge durchführen. Am 7.5.08 um 20:00 Uhr wird der EA zusammen mit einer/einem RA eine Veranstaltung zu Repression / 129a Verfahren sowie d. Stand der Dinge bezügl. der SchülerInnen-Demo vom 8.11.07 berichten. (Tagespresse wg. Terminverschiebung beachten) Am 9. / 10.5.08 wird es für euch einen Clowns Workshop geben. Dort könnt ihr bunte und neue Widerstandformen für euch finden. Eine Voranmeldung unter beaclown@online.de wäre sinnvoll. (Tagespresse wg. Terminverschiebung u. event. erweitertem Angebot beachten) Vom 1.5. 12.5.08 ist auch wieder Zirkus angesagt Le Cubitus du Manchot & Cirque Gong sind wieder in Meuchefitz und wird fast tägl. eine Nachmittag- und Abendvorstellung bieten. Auch unser musikalische Rahmenprogramm bietet diesmal einiges. Ohne Eintritt - der Hut geht rum! Am 3.5. um 21:00 Uhr und am 4.5.08 um 11:00 Uhr wird uns A Glezele Vayn Vayne des Balkans, jiddische Hochzeitstänze und diverse Eigenkompositionen vorspielen. Am 5.5.08 um 21:00 Uhr wird uns Puts Marie aus der Schweiz durch die unterschiedlichsten Stilrichtungen wie Punk, Folk, Garage, Jazz und Rockabilly eine groovende, mitreißende Mischung bieten. Kannemann, wird uns am 8.5.08 um 21:00 Uhr mit seinem autodidaktischen und straßenerprobtem Gitarrenstil (Rock die Strasse), trockenen Humor im Blueskleid, tragende Folkballaden und Chansons vortragen. Ein wahres Highlight wird am 9.5.08 um 21:00 Uhr der Auftritt von Deutsch-Sowjetische-Freundschaft sein. Steptanz, Musik und Welterklärung eine Revue mit Hand und Fuß, mit Andrej Rubtsow, Anne Wiemann und Lotte Llacht, sozusagen ein Leckerbissen nur zur KLP und ein absolutes Muß für alle. Nähere Beschreibungen zu unserem musikalischem Angebot unter www.castor.de/temporaer/klp.html Ihr bekommt jeweils am Wochenende von 10:00 12:00 Uhr Frühstück und ansonsten jeden Tag ab 12:00 Uhr bis ca. 21:00 Uhr ein warmes Essen. Um dieses umfassende Programm erfolgreich durchführen zu können, brauchen wir dringend noch weitere HelferInnen. Bitte meldet euch im BI Büro unter Tel. 05841-4684 oder unter buero(at)bi-luechow-dannenberg.de.
1967: Deutschland versenkt Atommüll im AtlantikAn der probeweisen Versenkung von radioaktiven Abfällen unter der Aufsicht der europäischen Kernenergieagentur (ENEA) von 1967, 1969 und darauffolgend jährlich bis Anfang der 80er Jahre im Atlantik und im Iberischen Becken, waren maßgeblich Frankreich, Großbritannien, Belgien und 1967 auch die Bundesrepublik Deutschland beteiligt. Spielte die Versenkung von schwach- und mittelaktiven Atomabfällen in der Bundesrepublik Deutschland als Entsorgung eigentlich keine Rolle, wurde sie dennoch praktiziert - wenn auch nur ein einziges Mal - und aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit gegenüber anderen Entsorgungsverfahren diskutiert. Meeresversenkung radioaktiver Abfälle als Option Zu Beginn der Beratungen über einen von Atomminister Siegfried Balke angeforderten Bericht zur Sammlung und Lagerung von radioaktiven Abfälle, der 1961 in den Gremien der DAtK beraten wurde, wurde darauf hingewiesen, wie umstritten die Versenkung von radioaktiven Abfällen im Meer in der internationalen Forschung gesehen wird. Hieraus wurde der Schluss gezogen, dass sich die Bundesrepublik auf ein Beseitigungsverfahren an Land konzentrieren sollte. Dass die Meeresversenkung zwar als Option gesehen wurde, aber nicht als maßgebliches Verfahren zur Lagerung bundesdeutscher Abfälle in Frage kam, zeigte sich auch im Zweiten Atomprogramm, in dem von einer Endsammelstelle im Salz die Rede war, aber in Bezug auf andere Verfahren auch auf die Beteiligung im Rahmen von internationalen Organisationen verwiesen wurde. Diese Zurückhaltung schloss jedoch nicht aus, dass die Meeresversenkung insbesondere unter Kostengesichtspunkten diskutiert wurde. In den Beratungen des Arbeitskreises Strahlenschutz wurde beispielsweise im Rahmen eines Reiseberichtes einiger AK-Mitglieder über einen Besuch im britischen Harwell auf die Kostenvorteile der Versenkung hingewiesen.
Auch im Bundesministerium für Atom (BMAt) war in der ersten Hälfte der 60er Jahre ein Interesse an der Versenkung von radioaktiven Abfällen vorhanden, was beispielsweise aus einem Schreiben des Referatsleiters des BMAt an die Gesellschaft für Strahlenschutz über zukünftige Schritte zur Lagerung radioaktiver Abfälle hervorgeht. Hier war von der Ausarbeitung von Unterlagen über die Kosten der Versenkung von radioaktiven Abfällen die Rede. Konkrete Planungen für versuchsweise Versenkungsaktionen wurden vom BMwF und dem Deutschen Hydrografischen Institut im Jahre 1964 in Angriff genommen. Die Forschungsgruppe Tieflagerung des GfK sollte mit der Durchführung beauftragt werden. Jedoch befürchtete man "eventuelle internationale Auswirkungen der Bekanntgabe einer solchen Versenkungsaktion". Im Jahre 1965 regte das Referat B II/4 des BMwF im Rahmen der ENEA eine erste internationale Versenkungsaktion an, die im Mai 1967 - wie vorgesehen - "unter allerlei Schwierigkeiten" auch zustande kam. Jedoch wurden die Befürchtungen nur zum Teil bestätigt. In einem Vermerk wurde festgehalten, dass "die portugiesischen und spanischen Behörden beschwichtigt werden" konnten und auch die öffentliche Diskussion sich in Grenzen gehalten habe. 1967: 180 Tonnen deutschen Atommüll versenkt Störungen bei dieser versuchsweisen Versenkungsaktion ergaben sich auf deutschem Boden beim Umschlag der radioaktiven Abfälle im Emdener Hafen. Während der Zwischenbericht der GfK Studiengruppe Tieflagerung von "kleineren Schwierigkeiten" sprach, führte die Gewerbeaufsicht mehrere Mängel auf, kam aber zu dem Schluss, "dass ein Festhalten des Schiffs" nicht in Frage käme. Bemängelt wurde beispielsweise, dass die Strahlendosis Beteiligter nicht gemessen wurde. Im GfK-Zwischenbericht ist die Rede von einigen Arbeitern, die sich weigerten, die niedrigstrahlenden Abfälle von dem Binnenschiff "Rhenus 15" auf das englische Frachtschiff "Topaz" zu verladen, "da sie aufgrund der Presseberichte im Zusammenhang mit dem Kavernenprojekt Bunde", wo in Norddeutschland Atommüllendlagerung geplant war, "der Meinung waren, dass jeglicher Umgang mit radioaktiven Stoffen im höchsten Masse gefährlich sei". Die Bedenken seien von einem GfK-Strahlenschutzmann zerstreut worden, auch die Gewerbeaufsicht attestierte "überhöhte Vorstellung" hinsichtlich des Gefahrenpotentials. Die Gewerbeaufsicht hielt jedoch an ihrer skeptischen Haltung fest und gab insbesondere zu Bedenken, dass über die Fracht der Topaz, die schon 750 Tonnen englischen radioaktiven Abfall geladen hatte, nichts bekannt war. Offensichtlich wurden die englischen Abfälle als weitaus größeres Gefahrenpotential eingeschätzt als die deutschen. Bei den mit zusätzlichen Deckeln verschraubten und verschweißten deutschen Fässern hatte das Gewerbeaufsichtsamt eine Strahlendosis von 50 Millirem pro Stunde ermittelt, während die deckellosen englischen Fässer Dosen aufwiesen, die mindestens eine Zehnerpotenz höher waren. Schließlich verließ die "Topaz" Emden mit 180 Tonnen deutschen Mülls und lud zusätzlich 250 Tonnen niederländische, 600 Tonnen belgische und 506 Tonnen französische Abfälle, die ca. 400 km vor der portugiesischen Küste 4.000 Meter tief versenkt wurden. Bei der Auswertung der Aktion war die Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Faktor. Für die 180 Tonnen deutscher Abfälle wurden Kosten von 200 DM / Tonne ermittelt - eine erste Vergleichszahl für das, was [...] im Atommüllendlager Asse (Einlagerung ab 1967) für niedrigaktiven Abfall erreicht werden müsse. An weiteren Versenkungsaktionen beteiligte sich die Bundesrepublik aber nicht. Dennoch verfolgte das BMFT weiterhin die internationalen Forschungen zum "Sea Dumping" und das Deutsche Hydrografische Institut in Hamburg war weiterhin daran interessiert, an den ozeanografischen und biologischen Forschungen mitzuarbeiten. Da im Laufe der Zeit aus den Fässern Radionuklide in das Ozeanwasser und das Sediment gelangen können, wurde das Dumping-Verfahren Anfang der 80er Jahre immer mehr in Zweifel gezogen. Schließlich unterwarf sich die Bundesregierung 1983 zusammen mit anderen Staaten der Londoner Dumping Konvention, die ein Moratorium für das Einbringen radioaktiver Abfälle ins Meer vorsieht und nicht befristet ist. Quelle (Auszüge): Anselm Tiggemann, Atomkraftwerke in Deiner Nähe!?Ein Szenario mit denkbaren neuen Atom-StandortenEine Studie hat 2002 mal ausgearbeitet, wie eine Umsetzung des von CDU / CSU / FDP gewünschten "Energie-Mix" ausssähe und konsequent folgernd Vorschläge für geeignete Standorte für neue Atomkraftwerke erarbeitet. "Der Nutzen der Studie besteht in erster Linie darin, deutlich vor Augen zu führen, welche realen Konsequenzen eine zur Zeit noch hypothetisch geführte Diskussion über den Einsatz der Kernkraft zum Klimaschutz hat." Langfristig würde dies bedeuten: 60 (sechzig !) neue Atomkraftwerke in Deutschland. Wie lassen sich Vorschläge für mögliche Atom-Standorte entwickeln ? Atomkraftwerke brauchen die Nähe von Flüssen wegen des erforderlichen Kühlwassers. Da kein Fluß damit überlastet werden darf, dürfen die Anlagen nicht zu engmaschig stehen, sondern müssten an geeigneten Standorten an Flüssen im gesamten Bundesgebiet verteilt werde. Besonders geeignet bieten sich auch Standorte an, wo bereits heute oder in der Vergangenheit Kohle- oder Atom-Anlagen stehen oder standen. Denn hier kann an bestehende Infrastruktur angeknüpft werden. Dadurch würden längst vergessen gemeinte Atomstandorte dann wieder interessant, z.B. Hamm-Uentrop/Westfalen oder Rheinsberg/ Ostdeutschland. Daneben wären Standorte denkbar, die früher mal irgendwann durch Landesregierungen ernsthaft verwaltungsplanerisch erwogen wurden. Hier ließe sich das Genehmigungsverfahren mit relativ geringem Aufwand wieder aufnehmen. Wegen der effektiven Energieausnutzung (Belieferung von Privathaushalten mit Heizungs-Wärme) könnten auch Atomkraftwerke in Ballungsgebieten entstehen. So ließe sich z.B. das Kohlekraftwerk in Berlin-Lichterfelde dann ja beizeiten durch ein Atomkraftwerk ersetzen. Auch Standorte nahe bei Hamburg und Leverkusen wären beim Thema ´Wärme-Versorgung durch Atomkraft´ denkbar. Aber auch weitere Orte an kühlwassergeeigneten Flüssen wären geeignet, die bislang noch nie mit Atomkraft in Verbindung gebracht wurden. (Vielleicht ist auch etwas in Deiner Nähe dabei?) Denn ´irgendwo müssten die "klimaschützenden" 60 AKW´s ja nunmal hin´, wenn die Menschen (oder die Mächtigen) diesen Weg für richtig halten sollten. Dies ist also keine offizielle Liste, sondern ein mögliches plausibles Szenario, wenn sich "klimaschützende" Atomkraft-Befürworter durchsetzen. Fest steht : rein aufgrund ihrer funktionalen Lebensdauer, müssen energieerzeugende Großkraftwerke nach einigen Jahrzehnten durch neue Anlagen ersetzt werden. Frage ist: mit welchen neuen Anlagen soll künftig die Energieerzeugung stattfinden ? Erneuerbare Energien oder effiziente dezentrale Klein-Anlagen werden zwar gefördert, aber leider nicht in dem Maße, wie es möglich und dringend nötig wäre. Stattdessen wird auf neue konventionelle Großkraftwerke gesetzt. Zunächst auf neue Kohlekraftwerke. - Dagegen wächst aktuell der Widerstand. In der Debatte um Klima-Schutz wird nun sehr gerne versucht, den Widerstand wegen neuer Kohlekraftwerke und den Atom-Widerstand gegeneinander auszuspielen. Sinngemäß nach dem Motto: "Wenn Ihr braven Klimaschützer keine Kohlekraftwerke wollt, dann müßt Ihr eben über kurz oder lang neuen Atomkraftwerken zustimmen, sonst gehen die Lichter aus. Stellt Euch nicht so an, andere Länder bauen ja auch neue Anlagen und wir machen das ohnehin besser als die anderen. Wir lassen beim Thema Atom nichts, äh, anbrennen. Heute ist ja alles (diesmal wirklich) toll super-sicher und für die Entsorgung, ach, da wird uns irgendwann schon irgend etwas einfallen. Gegebenenfalls dann einfach doch Gorleben und die Sintflut hoffentlich erst nach uns..." Abgesehen vom neuen Klima-Aspekt eine identische pro-atom-Argumentation wie in den 1970er Jahren, als noch niemand hier an Vattenfall dachte. Beschönigend wird das ganze dann als "verantwortungsvoller Energie-Mix" verkauft. "Erreichung der Klimaschutzziele durch Nutzung von Kernenergie", das ist etwas, was sich CDU/CSU/FDP seit Jahren programmatisch auf die Fahne schreiben. Auch in der SPD gibt es Kreise, die dafür offen wären (egal was im Parteiprogramm stehen mag). Ex-"Super"-Minister Clement ist da nur eine prominente und peinlich-auffällige Spitze des Eisbergs. Andere SPD-Atombefürworter halten sich aus derzeitiger strategischer Partei-Raison lieber vorerst zurück. Auch bei Grünen und Linkspartei ist es eine unklare Frage, wie tatsächliche Entscheidungen für Zustimmung und Ablehnung eines Tages konkret aussehen könnten. Denn wo diese sich an "Regierungsverantwortung" beteiligen, ließ sich in der Vergangenheit durchaus beobachten, dass dann auch mal gerne programatische Grundprinzipien für den Machterhalt geopfert werden. (z.B. Grüne pro Kriegseinsätze, Linkspartei bzgl. Umsetzung Hartz4 in Berliner Landesregierung etc.) Alles vor Jahren undenkbar. Und wer weiß, was in den nächsten Jahren sich an neuen, bislang undenkbaren Konstellationen ergeben mag. Noch vor zwei Jahren schienen grün-schwarze oder gar grün-schwarz-gelbe Koalitionen bestenfalls als absurdes Gedankenspiel am Rande. Derzeit werden sie ernsthaft erwogen. Welche Auswirkungen dies auf einzelne Themenfelder (z.B. Atomenergie) über Jahre haben wird ist im Grunde völlig unkalkulierbar. Also mal vorgestellt, das Machtgefüge wäre mit der Bundestagswahl im kommenden Jahr dann so, dass dann eine Konstellation "Atomkraft für den Klimaschutz" vorliegt. Hier kann es interessant sein, die erwähnte Studie mit ihren Standortvorschlägen sich mal zu Gemüte zu führen. Zu finden hier: http://www.energienetz.de/img_db/1037008403_Gesamtdocu_Kurzstudie.pdf Erstellt wurde sie von der EWO Energielichttechnologie GmbH Lichtenau. Ab Kapitel 4.4. "Szenario fossil-nuklearer Energiemix", insbesondere Seite 13 - 15 werden ausführlich und differenziert die Aspekte des CDU/CSU/FDP-"Energie-Mix" beschrieben und im Kapitel 5 wird die Herangehensweise der Autoren geschildert, nach welchen sorgsamen Kriterien die Standortvorschläge ausgewählt wurden (Seite 16 - 19). Im Schlußwort heißt es: " Union und FDP haben erklärt, den Ausstieg aus der Kernenergie nach einem möglichen Wahlsieg rückgängig zu machen und den Neubau von Anlagen mittelfristig wieder zuzulassen. Aus diesem Grund ist das...vorgelegte Szenario...keine Fiktion sondern ernstzunehmende politische Absicht." Dem kann hinzugefügt werden: Wer meint, mit Atomkraft das Klima schützen zu wollen
(sehr fraglich, ob das funktionieren würde), soll auch sagen, wo denn die vielen neuen
Atomkraftwerke konkret hin sollen und wie denn eine weitere Vervielfachung radioaktiver
Abfälle bitte schön gehandhabt werden soll !? W. Bischof
Wenn Sie auf das Bild klicken, wird Ihnen dies im Original angezeigt. Die Atomkraft und ihre zivile und militärische NutzungNur ein geringer Anteil des Weltenergieverbrauchs wird heute durch die Atomkraft abgedeckt. Die meisten Reaktoren sind über zwanzig Jahre alt, und kaum ein neues Kraftwerk nutzt die Kernenergie. Überdies zeigt sich an den Konflikten mit Iran und Nordkorea, wie schwer die scharfe Abgrenzung zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomenergie ist. Am 26 April 1986 bläst die Explosion im Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl eine radioaktive Wolke in die Luft, die um den halben Globus zieht. Mehr als 400.000 Personen werden schließlich evakuiert. Zahlreiche Länder erlassen strikte Vorschriften für ihre Landwirtschaft, lassen Nutztiere töten und Ernten vernichten. Noch 2006 sind in Großbritannien, mehr als 2.500 Kilometer vom Unglücksort entfernt, 374 Bauernhöfe und gut 75.000 Hektar Weideland von Einschränkungen betroffen. Man ist bei Atomkraft immer wieder erstaunt, eine wie gewaltige Energie und Zerstörungskraft schon sehr kleine Mengen an spaltbarem Material haben. In Tschernobyl haben weniger als 27 Kilogramm freigesetztes Cäsium-137 eine weltweite Kontamination verursacht und waren für drei Viertel der gesundheitlichen Schäden verantwortlich. Dreihundertmal so viel lagert in Form von abgebrannten Brennelementen in den Kühlbecken des französischen La Hague. Die Spaltung von einem Milligramm Uran beim Unfall im japanischen Tokaimura im Jahre 1999 ließ zwei Menschen auf grausame Weise sterben und verstrahlte mehrere hundert Anwohner. Am 9. August 1945 tötete die Spaltung von etwa einem Kilogramm Plutonium in 500 Meter Höhe über der Stadt Nagasaki auf einen Schlag 74.000 Menschen und verletzte mindestens ebenso viele, von den Langzeitfolgen ganz zu schweigen.
Mit freundlicher Genehmigung der: Le Monde diplomatique Atlas der Globalisierung
Strontium-Reaktor zwischen Windrädern"Atomforschungsanlage" bei Bitburg beantragtDas Verwaltungsgericht Trier hat am 24. Februar die Errichtung eines dreimal drei Meter großen unterirdischen Baubehälters für die Aufnahme eines Isotopen-Reaktors genehmigt. Der Behälter darf demnach zunächst drei Jahre ungefüllt zu Dichtigkeits-Testzwecken eingegraben werden. Der richterlich genehmigte erste Bauabschnitt beinhaltet keine strahlenschutzrechtliche Genehmigung. Die Trierer Temme AG will in Sefferweich bei Bitburg im Auftrag nicht genannter ausländischer Investoren einen Klein-Reaktor von 200 Kilo- bis 200 Megawatt Leistung errichten. Als Kernzerfallsquelle für den im Erdreich eingegrabenen Container soll Strontium 90 verwendet werden. Vorstandsvorsitzender Jörg Temme will den Isotopen-Reaktor zwischen zwei Windrädern so weit vergraben, dass nur noch eine Kuppel herausragt, die mit Erde bedeckt werden soll. Die Kosten des Projekts sollen sich auf rund 35 Millionen Euro belaufen. ... hundertfache Beantragung ... Jörg Temme zieht Bedrohungen aus der Luft in Betracht und schwört deshalb auf Standorte weiterer Reaktoren zwischen Windrädern. Im Fall eines Luftangriffs würden die Windräder als Flugzeugfänger dienen. Noch während der Container-Testphase will Temme die strahlenschutzrechtliche Genehmigung beantragen Es werde eine "hundertfache Beantragung" für Klein-Reaktoren in Deutschland geben, kündigte er an. Sie seien sicherer, liefen "völlig autonom", verursachten keine Personalkosten, seien mobil und müssten nicht an Hochspannungsnetze angeschlossen werden, schwärmt Temme. Währenddessen überlegt die Verwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm vor dem Oberverwaltungsgericht in Koblenz die Zulassung einer Berufung zu beantragen. Francis Althoff Karlsruher AtomsuppeBestechung und KostenexplosionAuf dem Gelände der stillgelegten und im Rückbau befindlichen Karlsruher Wiederaufarbeitungsanlage (WAK) brodelt seit Jahren ein brisantes Problem. In großen Tanks muss das strahlende Erbe, eine hochradioaktive Atommüllsuppe, permanent gekühlt und gerührt werden, damit es zu keiner Kettenreaktion kommt. Dieses Gebräu soll in der dazu errichteten Verglasungsanlage (VEK) in Glas eingeschmolzen und in Castor-Behältern auf die Reise in das Zwischenlager Lubmin bei Greifswald geschickt werden. Dabei hat man sich eines Tricks mit dem Zwischenlager Gorleben bedient. Grundlage für die Errichtungsgenehmigungen zum Bau der Verglasungseinrichtung war das Gorlebener Zwischenlager als Entsorgungsnachweis. Aber der Antrag für Gorleben sollte nur eine theoretische Alternative für die Atomwirtschaft eröffnen. Dieser Nachweis war wichtig, denn eine Genehmigung gibt es erst, wenn die Betreiber nachweisen, wie sie die Glas - Kokillen entsorgen können. Dafür reicht schon ein Fingerzeig des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) aus, dass ein Zwischenlager-Antrag genehmigungsfähig sei. Und diese Genehmigung war nun einmal früher für das Lager Gorleben erfüllt als für das Lager Lubmin, weil in Gorleben bereits WAA-Müll aus Frankreich lagert. Laut Monatsbericht des Umweltministeriums Baden-Württemberg erfolgte am 28. Januar 2008 der Abtransport eines Test - CASTOR aus der Verglasungs-Anlage in das Zwischenlager Anzunehmen ist, dass es sich, wie bei den bisherigen La Hague - Gorleben -Transporten, dabei um einen Atommüll-Behälter des Typs CASTOR HAW 20/28 CG handelte Rückblende: Seit der Inbetriebnahme wurden bis zum Ende des Auflösungsbetriebs im Jahre 1990 rund 200 t bestrahlter Kernbrennstoff in der WAK aufgearbeitet und über 1 t Plutonium abgetrennt. Das gesamte in der WAK abgetrennte Plutonium entspricht bei 70 % spaltbarem Anteil dem Energiegehalt von 1,5 Millionen t Steinkohle. In der Anlage wurden mit einer Bündelschere zunächst die Kopf- und Fußstücke der Brennelemente abgetrennt und anschließend die Brennelement-Hüllrohre aus Zirkaloy und dem darin befindlichen Kernbrennstoff in etwa 5 cm lange Stücke zerschnitten. Diese Brennstabstücke fielen in einen mit heißer Salpetersäure gefüllten Auflöser, in dem der Kernbrennstoff chemisch aus den Hülsen gelöst wurde. Bei der Verglasung der knapp 80 Kubikmetern hochradioaktivem Müll (HAWC) in der Karlsruher PAMELA - Anlage werden ca. 150 Glaskokillen mit je 150 Liter Inhalt anfallen. Der Schmelzofen der VEK soll nach den Angaben des FZK ca. 8 Liter HAWC pro Stunde verarbeiten. Dabei wird von einer Betriebsdauer von 24 Stunden pro Tag ausgegangen. Für den zu verglasenden HAWC ergäbe sich daraus mit Betriebsreserven eine Betriebsdauer von insgesamt ca. 1,5 Jahren. Wann Atommülltransporte nach Greifswald rollen könnten, ist z.Zt. nicht absehbar. Bestechungsvorwurf
Der ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Geschäftsbereich Stilllegung wurde 1994 wirtschaftlich vom Forschungsbereich des Zentrums getrennt. Er betreut im Auftrag des Bundesforschungsministeriums die milliardenschweren atomaren Rückbauprojekte. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Entsorgung der seit fast zwei Jahrzehnten stillgelegten WAK mit hoch radioaktiven Abfällen deutlich mehr Geld kostet als bisher geplant. Nach neuen Berechnungen wird mit 2,631 Milliarden Euro für Rückbau, Endlagerung sowie Entsorgungsleistungen gerechnet. Francis Althoff Bürgerinitiativen kritisieren Atomkraft-FördergelderDie Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Kein Atommüll in Ahaus und der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow Dannenberg kritisieren die permanente Vergabe von Atomkraft-Fördermitteln trotz beschlossenen Atomausstiegs. Hintergrund: Der 12. Fachkongress Zukunftsenergien, der im Rahmen der Energie-World, die am 19. Februar 2008 in Essen stattfand, hat erschreckend die ambitionierten Ziele der NRW-Landesregierung in Sachen Atomenergie verdeutlicht. Dabei wurde im Forum D - Innovative Entwicklungen in der Nukleartechnik in NRW mitgeteilt, dass die NRW-Fördermittel für die Kernenergie über den Umweg der Europäischen Gemeinschaft fließen. Dr. Werner von Lensa vom Forschungszentrum Jülich stellte auch die Entwicklungsziele für zukünftige Kernkraftwerke vor. Die Bürgerinitiativen prangern an, dass mit dieser undurchsichtigen Finanzierung um die Ecke der von der Bundesregierung mit den Betreibern der Atomkraftwerke beschlossene unumkehrbare Ausstieg aus der Atomenergie ad absurdum geführt wird. Damit ergibt sich ein Anfangsverdacht der illegalen Verwendung und der Verschwendung von Steuergeldern, so Felix Ruwe von der Ahauser BI. Die Bürgerinitiativen fordern den sofortigen Stopp der Atomenergieförderung durch Steuerfahndung und parlamentarische Kontrollgremien. In Zeiten eines immensen Vertrauensverlustes politischer Instanzen, sollte das angekündigte Ende der Atomkraftnutzung mit Transparenz und Offenheit abgeschlossen werden, fordert Francis Althoff von der BI Umweltschutz Lüchow Dannenberg. Es ist unerträglich und rechtlich fragwürdig, dass politische Verantwortungsträger sich nicht an die Atomkonsens-Vereinbarung gebunden fühlen und ungeniert Steuergelder und Forschungskapazitäten für den Fortbestand und die Erneuerung von Atomkraftwerken der Privatwirtschaft einsetzen, so das Fazit der BI-Vertreter. Felix Ruwe / Francis Althoff Free Flow Festival11. & 12. Juli 2008, Alte Ziegelei Mützingen - Wendland |
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.
Für Neuerungen und produktive Anregungen sind wir immer ansprechbar. Es ist erwünscht, eigene Texte zum Thema Atomkraft, Gorleben und erneuerbare Energien einzubringen; sie werden gerne veröffentlicht, sofern sie in den Kontext der Ausgabe passen.
BI-Büro, Drawehner Str. 3, 29439 Lüchow Tel.: 05841 / 46 84 Fax: 05841 / 31 97
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr, Sa: 9-12 Uhr, Di, Do: 15-18 Uhr.
Spendenkonto der BI: KSK Lüchow BLZ 258 513 35 Konto 2 060 721
Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
Bitte bestellen Sie die Gorleben-Rundschau schriftlich beim BI-Büro oder Drucken Sie diesen Abschnitt zum versenden per Post aus:
Ich abonniere die
Gorleben -Rundschau
ab der nächsten Ausgabe
( ) Bitte schickt mir jeweils ein Exemplar (EUR 15 pro Jahr) Konto-Nr.:............................................................ BLZ....................................................................... Geldinstitut:.......................................................... Das Abo kann jederzeit zum Jahresende gekündigt werden. Name:.................................................................. Adresse:.............................................................. Datum, Unterschrift.............................................. Ausschneiden und abschicken an: |
Bearbeitet am:20.02.2008 /ad