Berichte zum Castor-Transport 2008

der Pastorinnen, Pastoren und Diakone der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Der Bericht umfasst insgesamt 27 Seiten.

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Inhaltsverezichnis

Fazit

  • Berichte
  • Schüler übernehmen Verantwortung
  • Bierflaschen in Metzingen
  • „Wo bin ich hier eigentlich“
  • Zivilbeamte – Absurdes am Rande
  • Für Verhandlungen angefragt
  • Handschuhe
  • Robin Wood an der Brücke
  • Schäfchen im Wald
  • Eine Nacht in der Gefangenensammelstelle
  • „Komm ich jetzt im Fernsehen?“
  • Lass wenigstens deine Weste da
  • „Mensch, das können wir auch wirklich besser!“
  • Was geschieht
  • Gut, dass wir darüber geredet haben
  • Schwarz oder Grün – unangemessen oder angemessen
  • Die Frau hat Abitur
  • Sexuelle Belästigung
  • Treten Sie nicht auf unsere Helme!
  • Räumung der Bäume
  • Gorleben ist Sperrgebiet
  • Der Süden grüßt den Norden
  • Der Transport war längst schon durch
  • Zusammenfassung eines Erstbeobachters
  • Anlagen
  • Evangelische Jugend steht für Menschenwürde und Gewaltfreiheit
  • Predigt in Langendorf nach dem Castor, Sprüche 26,12

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)

Fazit

Die Seelsorge- und Deeskalationsteams der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg haben in diesem Jahr die bislang friedfertigsten Proteste bei Castortransporten erlebt. An vielen Orten haben besonnenes Vorgehen das Handeln von Demonstrierenden und Polizei bestimmt. Dennoch haben die wenigen deutlichen Ausnahmen, die Zwischentöne und Veränderungen Gewicht.

- Auf Seiten der Demonstrierenden ist eine Demonstrationskultur gewachsen, die friedfertiges Handeln in die Breite trägt, sehr viele junge Demonstrierende integriert und Unfrieden stiftende an den Rand drängt.

- Den Meldungen, dass eine große Anzahl Demonstrierender „gewaltbereit“ gewesen sei, widersprechen wir ausdrücklich. Derlei Meldungen haben keinen Anhalt an der Realität. Das bestätigen die Beobachtungen unserer Deeskalationsteams, die an fast allen Orten des Geschehens präsent waren. Wer solche Meldungen lanciert hat, muss sich fragen lassen, welche Interessen ihn leiten.

- Gewalt wird subtiler, geschieht ohne beim flüchtigen Blick offensichtlich zu sein. Aber sie ist darum nicht weniger verletzend. Das gilt auch für sexistische Sprüche, demütigende Vorgehensweisen und verbale Übergriffe.

- Überhaupt nicht zu tolerieren ist, wenn subtile Gewalt von der Polizei ausgeht. Denn die Polizei verkörpert das staatliche Gewaltmonopol und muss darum besonders verantwortungsbewusst mit den Formen ihrer Gewaltanwendung umgehen.

- Mehr als in den vergangenen Jahren haben leitende Einsatzkräfte ein die Menschenwürde achtendes Verhalten gezeigt und dieses bei ihren ausführenden Beamten eingefordert.

- Allerdings konnten leitende Einsatzkräfte dieses nicht überall und nicht gegenüber allen bei der Räumung eingesetzten Beamten kommunizieren und durchsetzen.

- Die Verunsicherung darüber, ob die Strahlenwerte des Transportes gerade in Bezug auf die letzten drei Behälter eine Gefahr für Polizei und Bevölkerung mit sich bringen, hat auf allen Seiten Betroffenheit und Angst ausgelöst, und zwar so deutlich, dass wir uns gemeinsam mit der Kirchenleitung genötigt gesehen haben, eine Anfrage beim Innenminister des Landes Niedersachsen vorzubringen, wie es um die Sicherheit für Mitarbeitende, Begleitkräfte, Demonstrierende und Bevölkerung bestellt ist.

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren unterschiedliche Bewertungen der Gewaltbereitschaft von Demonstrierenden und der Polizei. Es wird immer deutlicher, dass der Begriff „Gewalt“ im Zusammenhang mit den Ereignissen um den Castortransport untauglich ist, weil er nicht im gesellschaftlichen Konsens definiert ist.

Wir haben sowohl bei der Polizei als auch bei den Demonstrierenden ein auf Frieden zielendes Verhalten beobachtet. Deswegen halten wir das Gegensatzpaar „friedfertig“ und „Unfrieden stiften“ für geeigneter als „gewaltbereit“ und „nicht gewaltbereit“. Der Begriff „friedfertig“ bringt den Willen zur Achtung der Menschenwürde aller Beteiligten, den solche Proteste brauchen, zum Ausdruck.

Bedrückend ist es, dass es im Laufe der Jahre deutliche Fortschritte zwar in der Demonstrationskultur und im polizeilichen Handeln, aber nicht im Blick auf eine gesellschaftlich akzeptierte, faire und transparente Standortauswahl für ein möglichst sicheres Endlager für hochradioaktiven, hitzeentwickelnden Atommüll gegeben hat. Eine solche Standortauswahl wäre das, was dem Frieden wirklich dient. Wir fordern sie.
gezeichnet Superintendent Propst Stephan Wichert-von Holten

für insgesamt 52 Pastorinnen, Pastoren und Diakone der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Bearbeitet am: 04.12.2008/ad


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