spuckikl.gif (1167 Byte)CASTOR-ALARM

Eine Einschätzung zu den künftigen Transporten
von Jochen Stay


Philippsburg - La Hague im Oktober
oder möglicherweise
Neckarwestheim - Ahaus im November

Liebe Leute, wenn Euer Adrenalin-Spiegel angesichts der Überschrift angestiegen ist, so habt ihr nun hoffentlich die Energie, um den folgenden zugegeben recht langen Ausführungen aufmerksam zu folgen.

Stand der Dinge

AKW-Betreiber und baden-württembergische Polizei planen für den Oktober einen Castor-Transport vom AKW Philippsburg (zwischen Karlsruhe und Mannheim) zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague. Möglicherweise fällt die endgültige Entscheidung darüber erst in diesen Tagen. Doch die Beteiligten scheinen sich einig zu sein, daß es jetzt wieder losgehen soll.

Der entsprechende Transportbehälter TN 13 wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz bereits wieder verkehrsrechtlich zugelassen. Mit der Transportgenehmigung ist noch im September zu rechnen.

Ihr merkt schon: Es ist immer noch ein kleines "vielleicht" in diesem Alarm versteckt. Aus dem Bauch raus würde ich die Wahrscheinlichkeit gerade auf 85% schätzen.

Da vom Oktober als Transportmonat die Rede ist (eine genauere Eingrenzung des Termins gibt es leider noch nicht), haben wir meines Erachtens nicht die Zeit, ruhig abzuwarten, bis wir bei 100% Wahrscheinlichkeit angekommen sind.

Die Anzeichen sind so deutlich, daß es jetzt an der Zeit ist loszulegen.

Warum Philippsburg?

Die Betreiber des AKW Philippsburg haben ein ernsthaftes Problem. In den Abklingbecken der beiden Reaktoren ist kein Lagerplatz mehr frei. Der eigentliche Plan zur Behebung dieses Problems ist bisher gründlich schiefgegangen. Vorgesehen war die Beladung von sechs Castoren vom Typ V und die "Transportbereitstellungs- oder Interimslagerung" in Garagen auf dem Kraftwerksgelände. Doch bisher ist bei keinem einzigen Behälter die Beladung gelungen. Sie bekommen den Deckel nicht dicht.

Jetzt muß alles ganz schnell gehen und da würden Transporte zur WAA helfen. Denn die dazu vorgesehenen Behälter vom Typ TN 13 müssen - klingt etwas kurios - nicht so dicht sein wie ein Castor V, der für die Zwischenlagerung vorgesehen ist. Denn das Problem mit der Langzeitsicherheit fällt weg. WAA-Behälter sind Mehrwegbehälter. Sie werden in La Hague wieder entladen und erneut nach Philippsburg geschickt.

Neben der Dringlichkeit des Abtransports spricht für Philippsburg die grenznahe Lage. Die baden-württembergische Polizei geht davon aus, daß die kurze Strecke bis zur französischen Grenze mit geringeren Kräften zu sichern ist als irgendeine andere.

Offene Fragen

Neben dem genauen Termin sind noch weitere Fragen offen:

- Wieviele Behälter werden zusammen transportiert? - Wann kommen/kommt die/der Leerbehälter aus Frankreich? - Wie lange dauert die Beladung im AKW mindestens?

Sehr unwahrscheinlich, aber noch nicht ausgeschlossen sind folgende Möglichkeiten:
- Gleichzeitiger Abtransport aus Biblis und Zusammenkoppeln zu einem Zug
- WAA-Transport nur aus Biblis

Und was ist mit Ahaus?

Die BI Ahaus ruft zur Zeit ebenfalls Castor-Alarm aus. Sie haben eine ganze Reihe von Informationen, die für einen Transport nach Ahaus Anfang November (45. Kalenderwoche) sprechen. Zumindest der BGS in der Region bereitet sich für diesen Zeitraum vor. Ausgangs-AKW wäre wahrscheinlich Neckarwestheim, da dort bereits sechs gepackte Castoren bereitstehen.

Betreiber, Polizei und NRW-Landesregierung dementieren. Das beruhigt natürlich niemanden, vor allen nachdem vor dem letzten Ahaus-Transport so massiv getrickst wurde.

Tatsache ist, daß die AKW-Betreiber (mit Unterstützung durch Baden- Württemberg) noch zwei Ahaus-Transporte in diesem Jahr fordern. Öffentlich erklärt der Innenminister von NRW, daß er große Schwierigkeiten habe, noch für dieses Jahr einen so großen Polizeieinsatz zu organisieren, wählt dabei aber meist Formulierungen, die ein Umschwenken nicht ausschließen.

Nach Auswertung verschiedenster Quellen und Gesprächen mit verschiedensten Leuten komme ich zu folgender Interpretation, die nicht durch Tatsachen, sondern nur durch Erfahrungswerte gestützt ist (kann also so sein, muß aber nicht):

Der November-Termin wird vom BGS für alle Fälle vorbereitet, um diese Option offen zu haben. Beschlossen ist der Transport aber noch nicht. Zur Zeit ringen Betreiber und NRW darum, mit offenem Ausgang. Die Industrie will transportieren. Das Land sträubt sich, hält sich aber die Option zur Zustimmung noch offen. Auftrieb bekommt das Land für seine ablehnende Position durch die Aufdeckung der Pläne für die 45. Woche durch die BI Ahaus.

Kombiniert mit den Philippsburg-Infos spricht einiges dafür, daß der Philippsburg-Transport als erster fährt und dann der Ahaus-Transport auf das Frühjahr verschoben wird. Theoretisch denkbar sind natürlich auch beide Transporte noch in diesem Jahr, aber das hängt natürlich auch von unserer Mobilisierung ab. Entschieden ist dies alles noch nicht endgültig. Es macht also Sinn, sich auf verschiedene Eventualitäten vorzubereiten.

Sprachregelung

Ich spreche und schreibe im Zusammenhang mit Philippsburg - La Hague ganz bewußt von Castor-Behältern, obwohl der Markenname Castor eigentlich nur bei Zwischenlager-Behälter der Firma GNB richtig ist. Andere Behältermarken heißen Excellox, NTL oder eben TN (als kleine Erinnerung an die Skandalfirma Transnuklear), werden aber auch Castor genannt. Ihr kennt das von Klebestreifen ("Tesafilm") oder Papiertaschentüchern ("Tempo"). Da werden auch alle Fabrikate in der Umgangssprache mit dem bekanntesten Markennamen benannt.

Warum das hier so ausführlich steht? Weil die Namensfrage auch einen politischen Hintergrund hat. Die Anti-AKW-Initiativen haben sich nach dem Merkelschen Transportestopp 1998 unmißverständlich darauf festgelegt, den nächsten Transport abgebrannter Brennelemente, egal von wo nach wo er rollt, zu blockieren. Nicht mehr nur Atommüll-Züge nach Gorleben und Ahaus sollen auf Widerstand treffen, sondern auch die Transporte in die Wiederaufarbeitung. Der Castor ist das Symbol für diesen Widerstand und deshalb nennen wir alle diese Transporte Castor-Transporte.

Oktober-Minuspunkte

Der Zeitpunkt hat einen Nachteil: Das alles ist schon verdammt kurzfristig. Und noch ist ja nicht klar, wann im Oktober der Tag X sein wird. Viele haben möglicherweise den Terminkalender schon recht voll und nun Probleme, alles freizuschaufeln.

Oktober-Pluspunkte

Ist doch auch gut, wenn die Vorbereitungs- und Mobilisierungsphase nicht zu lange ist. Jetzt einmal voll reinstürzen, alle Kräfte bündeln und dann wissen wir, daß es sich lohnt. Also ab jetzt gilt: Die Anti-AKW-Bewegung verhängt eine Urlaubssperre für September und Oktober. Oder andersrum: Urlaub von Eurer üblichen Arbeit dürft Ihr gerne nehmen, aber die Wahl des Reiseziels solltet Ihr nochmal überdenken. In der oberrheinischen Tiefebene gibt es nette Ecken. Und Philippsburg gehört zu den bundesdeutschen Gemeinden mit den meisten Sonnenschein-Stunden pro Jahr.

Ein riesiger Pluspunkt einer Castor-Auseinandersetzung in diesem Herbst wäre natürlich die dadurch eröffnete Möglichkeit, sich mit dem Ergebnis der Konsensgespräche endlich auch auf praktischer Ebene auseinandersetzen zu können. Es würde öffentlich wahrnehmbar, daß der Streit um die Atomkraft noch lange nicht zu Ende ist. Wir können die Gesellschaft daran erinnern, daß auch nach dem "Konsens" das Atommüll-Problem nicht gelöst ist.

Philippsburg-Minuspunkte

Bei einem Castor-Transport von Philippsburg nach La Hague gibt es einige standortbedingte Minuspunkte für einen effektiven Widerstand. Philippsburg zieht erstmal weniger Leute an als die bekannten Aktionsorte Ahaus und Gorleben. WAA-Transporte wurden bisher nicht in großem Ausmaß blockiert. Das ist Neuland. Ebenfalls problematisch ist die Grenznähe von Philippsburg. Die Polizei hofft, das Ding schnell in Frankreich zu haben.

In und um Philippsburg gibt es seit einigen Monaten massiven Widerstand gegen die Errichtung einer standorteigenen Castor-Halle, wie sie im Konsenspapier vorgesehen ist. Es hat sich eine große BürgerInnen- Initiative gegründet, die mächtig Druck macht. Doch diese BI besteht aus BefürworterInnen und GegnerInnen des AKW-Weiterbetriebs. Immer wieder erheben Leute aus der Region die Forderung, den Atommüll nach Gorleben oder Ahaus zu schaffen, statt ihn am AKW zu lagern. Es könnte - wenn wir nicht aufpassen - öffentliche Distanzierungen von Castor-Blockaden geben, weil diese den Abtransport des Mülls erschweren und damit ein Zwischenlager angeblich wahrscheinlicher machen.

Aber Vorsicht! Es wäre falsch, die örtliche BI gleich ins Lager unserer "GegnerInnen" zu stecken. Denn unter der Hand gibt es bei vielen BI- lerInnen großes Verständnis für unsere Arbeit. Absprachen erscheinen nicht ausgeschlossen.

Philippsburg-Pluspunkte

Der Vorteil bei einem Transport Philippsburg - La Hague wäre für die Anti- AKW-Bewegung, daß es nur eine Hauptaktionsregion gäbe. Zwar ist es ausdrücklich erwünscht, daß auch entlang der Strecke oder an der deutsch- französischen Grenze oder in Frankreich Aktionen laufen. Aber in Gegensatz zu einem Transport von Neckarwestheim nach Ahaus mit zwei wichtigen Regionen, ums AKW und ums Zwischenlager, werden sich bei einem Philippsburg-Transport die meisten in der Region um das AKW tummeln.

Es wird spannend, wie gut es den Initiativen gelingt, die in den letzten zwei Jahren entwickelte mobile Infrastruktur schnell in die betroffene Region zu verlagern. Es wird spannend, wie die Ankündigung, Castor- Transporte in die WAA in Zukunft gleichrangig zu behandeln, jetzt auch eingelöst wird.

Politische Gründe gibt es dafür genug. Die im Konsenspapier zwischen Bundesregierung und Betreibern festgelegte Fortsetzung der Wiederaufarbeitung ist eine Provokation für die Bewegung, da die Gefahren hinlänglich bekannt sind. Auch wäre es politisch einäugig, sich nur massiv dagegen zu wehren, wenn es im nächsten Jahr zu Rücktransporten von WAA- Abfällen nach Gorleben kommt, aber nichts zu tun, wenn der Müll ins Ausland rollt. Schließlich kann mit einem möglichst breiten Widerstand gegen einen Transport Philippsburg - La Hague für so viele Überstunden bei der Polizei gesorgt werden, daß weitere geplante Transporte nach hinten verschoben werden müssen.

Testfall Philippsburg

Das ist der eigentlich Knackpunkt: Bei Zwischenlager-Transporten ist der Polizei klar, daß sie derzeit nicht mehr als einen pro Jahr schafft. Bei WAA-Transporten sind sie unsicher. Einerseits gab es gegen diese früher weniger Widerstand, andererseits werden die Ankündigungen aus der Bewegung, jetzt keinen Unterschied mehr zu machen, sehr ernst genommen.

Beim ersten WAA-Transport fällt also die Entscheidung: Ist ein großer Polizeieinsatz nötig, so platzt der Testballon, selbst wenn die Staatsmacht den Castor letztendlich durchsetzt. Danach wäre erneut Pause angesagt.

Würde er aber halbwegs gut durchkommen, dann werden in kurzem Abstand weitere Castoren nach La Hague und Sellafield rollen. Schließlich fuhren bis vor zwei Jahren wöchentlich ein bis zwei Behälter Richtung WAA. Der Transportestopp wäre umfassend beendet. Die AKW-Betreiber könnten jubeln, denn die drohende Verstopfung wäre effektiv abgewendet.

Mit dem Widerstand gegen den ersten Transport stoppen wir also die kommenden, wenn wir viele sind und die nötige Qualität an Aktionsformen mitbringen.

Bundesweite Ausstiegs-Demo am 23.9.: Perfektes Timing

Seit dem Frühsommer wird als Reaktion auf den Atomkonsens-Nonsens zu einer bundesweiten Atomausstiegs-Demonstration am 23.9. nach Gorleben mobilisiert. Jetzt kommt die Demo wie gerufen. Einen besseren Auftakt für eine kurzfristige Castor-Kampagne können wir uns nicht wünschen. Und wer bisher noch unsicher war, ob dieser Demo das Richtige zur richtigen Zeit ist, kann jetzt beruhigt mobilisieren. Denn mit einer entsprechend großen Beteiligung in Gorleben legen wir den Grundstein für einen wirkungsvollen Castor-Widerstand in diesem Herbst. Wir können am 23.9. in Gorleben Tausende AtomkraftgegnerInnen erreichen und ihnen vermitteln, warum es im Oktober so wichtig ist, nach Philippsburg zu kommen.

Aufruf-Flugblätter und Plakate für die Demo gibt es bei der
BI Lüchow- Dannenberg,
Drawehner Str. 3,
29439 Lüchow
Tel. 05841/4684, Fax: 3197
bi-luechow@t-online.de
http://www.bi-luechow-dannenberg.de

 

Die Bewegung bereitet sich vor

Wann es ein bundesweites strömungsübergreifendes Treffen in der Region Philippsburg geben wird, ist noch im Klärungsprozeß. Daß es bald eines geben wird, ist klar. Aber das Wochenende der Demo in Gorleben soll genutzt werden, um eine spontane Sonder-Bundeskonferenz im Wendland zu veranstalten. Am Abend des 23.9. und am 24.9. ist Raum und Zeit für alle, die nach der Demo noch bleiben können, um einerseits neueste Infos zu erfahren und andererseits Pläne und Absprachen für den anstehenden Transport zu machen.

Ein Ansatz: "X-tausendmal quer - überall"

Die Kampagne "X-tausendmal quer - überall" versteht sich als Teil der bewegungseigenen Vielfalt von Aktionsansätzen. Eine große gewaltfreie Sitzblockade in Philippsburg wird vorbereitet. Bisher haben sich über 3.000 Menschen bei der Kampagne zurückgemeldet. Das sind schon heute deutlich mehr als kurz vor der großen "X-tausendmal quer"-Aktion 1997 in Dannenberg, an der ja dann 9.000 Menschen teilnahmen.

Aufrufe der Kampagne können bestellt werden über

 

"X-tausendmal quer - überall"
Artillerie abschaffen Str. 6,
27283 Verden,
Tel.: 04231/967566, Fax: 957565
info@x1000malquer.de
http://www.x1000malquer.de

Infrastruktur vor Ort

Die Anlaufstelle in der Region ist in Vorbereitung. Ob und wann es in der Region eine große Auftaktkundgebung am Wochenende vor dem Tag X geben wird, hängt noch von der genauen Festlegung des Transporttermins ab. Wer sich freimachen kann, sollte nicht erst am Tag X, sondern möglichst zwei drei Tage vorher anreisen. Dann ist noch viel mehr möglich. Ob es nur ein großes oder mehrere Camps geben wird, ist noch offen.

In den nächsten Wochen wird eine wichtige Arbeit darin bestehen, die bundesweit vorbereiteten Infrastruktur-Elemente (beispielsweise Küche, Sanis, Pressegruppe etc.) auf die Philippsburger Gegebenheiten zu übertragen. Alle, die etwas anbieten können, sollten dies bald tun. Genauere Infos über die Ergebnisse dieses Prozesses wird es rechtzeitig geben.

Mobilisierung

Es ist sicherlich Geschmacksfrage, ob mit dem Start der breiten Mobilisierung erst begonnen wird, wenn Transport und Termin hundertprozentig feststehen, oder ob bereits jetzt - angesichts der Kürze der Zeit - voll losgepowert wird. Es wäre jedenfalls fatal, jetzt untätig darauf zu warten, bis die Informationslage klarer ist. Bestimmte Vorbereitungen könnt Ihr jetzt schon treffen. Nehmt Kontakt mit den anderen MitstreiterInnen auf, macht Pläne für den Fall der Fälle, überlegt, wie Ihr kurzfristig viele Menschen mobilisieren könnt, plant eigene Aktionen, haltet Euch über den aktuellen Stand auf dem Laufenden...

Der allerwichtigste Grundsatz bei einer so kurzfristigen Mobilisierung: Übernehmt selbst Verantwortung dafür, daß es klappt. Wartet nicht darauf, daß es andere tun. Wenn Ihr diese Castor-Auseinandersetzung als Eure Sache begreift, in die Ihr Hirnschmalz und Herzblut steckt, dann haben wir gute Chancen, in Philippsburg für einige Überraschungen zu sorgen. Schließlich ist die Zahl der Unzufriedenen mit der Atompolitik der Bundesregierung sehr groß. Diese Unzufriedenen gilt es in den nächsten Wochen zu erreichen und davon zu überzeugen, daß es jetzt die einzigartige Möglichkeit gibt, öffentlich die fehlende Akzeptanz des Konsens-Nonsens zu demonstrieren.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Nach Philippsburg soll bundesweit mobilisiert werden. So wie 1995 bis 1997 Tausende aus der ganzen Republik ins Wendland und 1998 Tausende nach Neckarwestheim und Ahaus gefahren sind, so ist jetzt Philippsburg Kristallisationspunkt des Widerstandes. So müssen sich beispielsweise die Hamburger AktivistInnen fragen, wie viele Menschen sie wohl aus der Hansestadt zu einem Gorleben-Transport mobilisieren könnten. Und als zweites dann, was getan werden kann, daß all diese Menschen diesmal nicht ins Wendland sondern nach Philippsburg fahren. Unrealistisch? Na klar! Und deshalb eine Herausforderung. Schließlich wollen wir uns mit einer der mächtigsten Industriesparten in diesem Land und gleichzeitig mit der Staatsmacht anlegen. Das geht nicht aus dem Handgelenk, sondern ist manchmal richtig Arbeit (macht aber auch Spaß).

Vor dem Castor-Transport nach Ahaus 1998 galt es als sehr unsicher, wieviele Menschen sich im Münsterland querstellen würden. Mit einer kraftvollen Mobilisierung ist es gelungen, daß trotz kurzfristiger Vorverlegung des Transports Tausende auf Straßen und Schienen kamen. Warum soll dies in Philippsburg nicht möglich sein? Jedenfalls wenn Du Deinen Teil dazu beiträgst.

Ein Hinweis: Wer unsicher ist, ob er/sie sich mit der Staatsgewalt anlegen will, kann trotzdem mitkommen. Denn rund um die eigentlichen Behinderungs- Aktionen gibt es unzählige Möglichkeiten, in "sicherem Abstand" die AktivistInnen zu unterstützen. Beispielsweise durch Mitarbeit in der Infrastruktur (Fahrdienste, Camp-Küche, Infostände, etc.) oder auch durch Gespräche mit der Bevölkerung vor Ort.

Eine Mobilisierungs-Idee

Es werden Menschen gesucht, die folgende Erklärung unterzeichnen: "Ich fahre zum Castor-Transport nach Philippsburg und werde innerhalb einer Woche mindestens vier weitere Menschen suchen, die ebenfalls diese Erklärung unterschreiben." Das funktioniert wie ein Kettenbrief. Nach einer Woche sind es der/die ErstunterzeichnerIn und vier weitere (also fünf). Nach zwei Wochen kommen 16 Neue dazu, die von den Vieren aus der Vorwoche angesprochen wurden, zusammen also schon 21. In der dritten Woche sind dann 64 Weitere dabei, also insgesamt 85. Und nach vier Wochen ist aus einer einzigen Unterschrift eine stattliche Anzahl von 341UnterzeichnerInnen geworden. Dabei hat jede/r Einzelne nur vier MitstreiterInnen gesucht. Erstaunlich, was? In Wirklichkeit geht das sogar noch schneller, da ja nicht alle erst am Ende der Wochenfrist unterschreiben.

Und jetzt stellt Euch mal vor, was passiert, wenn angeregt durch die hiermit erfolgte Veröffentlichung dieser Idee nur 50 Leute spontan diese Erklärung unterschreiben und damit beginnen, vier weitere zu suchen. Dann sind das nach vier Wochen 50 mal 341, also 17.050 Menschen auf dem Weg nach Philippsburg. Ja, ja, ich weiß, Kettenbriefe sind schnell endlich, aber in ihrer Startphase ist ihre Ausbreitung erwiesenermaßen rasant. Einen Versuch ist es doch allemal Wert, oder?

Bleibt noch die Frage, was mit diesen unterschriebenen Erklärungen passiert. Schließlich soll niemand in einer Datei landen, der/die das nicht will. Vorschlag: Schickt sie an die BI Lüchow-Dannenberg. Dort steht ein Aktenvernichter (Reißwolf) im Büro. Die machen erst einen Strich auf einer Strichliste und schieben dann das Blatt in den Papierhäxler. So kann festgestellt werden, wie gut die Aktion läuft, wenn die Strichliste immer länger wird. Adresse der BI siehe unten.

Schneeball-Effekt

nennt mensch obiges Phänomen. Ähnliches sollte auch mit diesem Text passieren. Er wird per e-Mail und gedruckt verbreitet und es wäre nett, wenn Ihr ihn weiterleiten könnt, an alle, von denen Ihr meint, daß sie daran Interesse haben. Und eben nicht nur per mail, sondern auch ausgedruckt. Wem er zu lang erscheint, kann ihn ja auch kürzen oder Teile für eigene Texte verwenden.

Lange Rede - kurzer Sinn:

Das Castor kommt - wir stellen uns quer! Und Du bist hoffentlich dabei! Oder meist Du, ein baldiger Atomausstieg käme ohne Dein Engagement zustande? Na? Eben!

Im Anschluß noch einige Termine, Adressen und Materialhinweise.

Mit widerständigen Grüßen
Jochen Stay

Wichtige Termine

Über die hier genannten Termine hinaus wird es weitere regionale und überregionale Treffen geben, die konkrete Aktions- und Infrastruktur- Vorbereitung für Philippsburg machen werden. Ob es in Philippsburg noch Vorfeld-Aktionen in den Wochen vor dem Tag X geben wird, ist noch nicht entschieden.

 

  • 14. - 15.9. Bundesweites Demo-Sani-Treffen in Darmstadt, Infos und Anmeldung: 06421/164568
  • 15. - 17.9. Bundesweites Treffen der Kampagne "X-tausendmal quer - überall" in Karlsruhe
  • 16.9. 12 Uhr, Bundesweites Delegiertentreffen zu Ahaus in Münster
  • 17.9. Sonntagsspaziergang in Ahaus
  • 23.9. 12 Uhr, Bundesweite Demonstration in Gorleben: "Atomausstieg? Alles Lüge!"
  • 23.-24.9. Sonder-Bundeskonferenz zu Castor im Wendland
  • 1.10. Demonstration in Neckarwestheim
  • Oktober: möglicher Tag X in Philippsburg
  • 15.10. Sonntagsspaziergang in Ahaus
  • ab 6.11. möglicher Tag X in Neckarwestheim und Ahaus
  •  

Info-Adressen

Siehe auch Linkliste

 

In der Region Philippsburg wird möglicherweise noch eine eigene Anlauf- und/oder Infostelle eingerichtet.

 

  • Anti-AKW/Castor-Gruppe Heidelberg
    c/o Eine-Welt-Zentrum
    Am Karlstor 1
    69117 Heidelberg
    Tel/Fax: 06221/978932
    anti-atom-heidelberg@gmx.de
  • "X-tausendmal quer - überall"
    hat demnächst wahrscheinlich ein Büro in Karlsruhe. Die Adresse ist in Verden zu erfragen.
  • Nix-Mehr-Infotelefon (030-2619812)

Bearbeitet am: 16.09.2000/ad


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