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Der Stand der Dinge (23.9.2000)
von Jochen Stay

Liebe Leute!

Nachdem vor rund zwei Wochen ein 85%-Castor-Alarm ausgelöst wurde, hat sich einiges ereignet. Seit gestern ist vieles klarer. Deshalb hier eine Zusammenfassung des aktuellen Standes.

Transporte genehmigt Am 21.9.00 - pünktlich zum Ende des Sommers, wie im Konsensvertrag vereinbart - genehmigte das Bundesamt für Strahlenschutz insgesamt 8 Transporte zur WAA La Hague. Die Genehmigung ist befristet bis Jahresende. Die Transporte teilen sich auf folgende AKWs auf:

Philippsburg: 2 Transporte Biblis: 1 Transport Stade: 5 Transporte

wobei "Transport" hier immer bedeutet, daß jeweils ein Behälter abtransportiert wird. Philippsburg und Biblis verfügen nur über jeweils einen Behälter vom Typ TN 13, müssen also Einzeltransporte machen. Stade benutzt den - jetzt auch verkehrsrechtlich zugelassenen - TN 17. Davon steht zwar bisher auch erst einer in Stade, aber es gibt evtl. noch weitere Exemplare, so daß theoretisch auch ein gebündelter Transport vorstellbar ist. Nur so könnte Stade auch auf die Zahl von 5 Transporten bis Jahresende kommen.

Das BfS teilte mit, daß für das nächste Jahr bis jetzt weitere 48 Transporte beantragt seien. Diese können allerdings noch nicht genehmigt werden, weil der Versicherungsnachweis für 2001 noch fehlt. Das kann aber bald kommen.

Zeitpläne

Die Philippsburg-Betreiber (EnBW) haben am 22.9. angekündigt, daß sie noch im Oktober fahren wollen. Biblis (RWE) hat am gleichen Tag erklärt, im November fahren zu wollen. Stade (e-on) hat sich am 22.9. nicht festgelegt. Allerdings hat sich eine e-on- Sprecherin am 12.9. in der Hannoverschen Allgemeinen dahingehend geäußert, daß die Wiederaufnahme der Transporte nach dem Ende der Expo (31.10.) geplant sei.

Wenn mensch nun mit einrechnet, wie lange ein Behälter braucht, bis er einen Umlauf gemacht hat, ergibt sich schon ein ziemlich klares Bild. Also zuerst die ungefähren Umlauf-Zeiten:

Einschleußen ins Kraftwerk 2 Wochen Kalthanitierung 1 Woche Beladung 1 Woche Meßprogramm 1 Woche Transport nach La Hague 3 Wochen La Hague 1 Woche Transport des leeren behälters zum AKW Einschleußen ins Kraftwerk

So vergeht also zwischen dem Einschleußen und dem Abtransport ca. vier Wochen, der erste komplette Umlauf dauert ca. neun Wochen, der zweite und dritte dauern nur noch ca. sieben Wochen, weil die Kalthantierung wegfällt. Ab dem vierten Umlauf sind es nur noch ca. sechs Wochen, weil auch das Meßprogramm wegfällt.

Daraus ergibt sich ungefähr folgender Zeitplan (alle Termine sind mehr oder weniger Schätzungen):

ab 25.09. Einschleußen in Philippsburg ab 23.10. 1. Transport ab in Philippsburg (*Tag X*) ab 06.11. 1. Transport ab Stade ab 13.11. 1. Transport ab Biblis (sehr unsicher) ab 27.11. Einschleußen in Philippsburg ab 11.12. 2. Transport ab Philippsburg ab 25.12. 2. Transport ab Stade

Und Ahaus?

Der Innenminister von NRW hat einen Brief an den Ahauser Bürgermeister geschrieben, in dem er ihm versichert, daß es dieses Jahr keinen Ahaus-Castor mehr geben wird. Aus Neckarwestheim und aus Ahaus gibt es auch keine neuen Anzeichen über die bereits verbreiteten hinaus, die für einen Transport Anfang November sprechen. Trotzdem bleibt natürlich ein Restrisiko, gerade auch weil in Ahaus ja schon einmal getrickst wurde.

Also: Erster Transport aus Philippsburg Ende Oktober

Das wird der große Tag X für die ganze Bewegung. Seit zwei Jahren sagen alle Anti-Atom-Initiativen: Wir stellen uns quer beim ersten Transport nach dem Transportestopp. Alles sieht gerade danach aus, das dies Philippsburg sein wird.

Ein weiter Weg für viele, auch unbekanntes Terrain, und längst nicht so reizvoll wie das Wend- oder Münsterland?

Mag sein. Aber das ist auch unsere Chance. Die Polizei rechnet bisher nicht mit nennenswertem Widerstand. Wir schon, vielfältig und bunt wie in Gorleben und Ahaus. Wie heißt es so schön? "Gorleben ist überall". Diesmal ist Gorleben in Philippsburg.

Die Gruppen in der Region und UnterstützerInnen aus der ganzen Republik arbeiten zur Zeit fieberhaft am Aufbau der nötigen Infrastruktur. Es tut sich was!

Gute Gründe

Es gibt gute Gründe, Philippsburg mindestens genau so ernst zu nehmen wie bisher Gorleben und Ahaus:

- Wiederaufnahme der Transporte trotz mangelhafter Ursachenforschugn in Sachen Kontamination

- Der Konsens ist kein Konsens und der Ausstieg ist kein Ausstieg. Die Wiederaufnahme der Transporte zeigt, daß alles so weiter gehen soll, wie bisher. Und der erste Tag X ist ein Gradmesser dafür, ob der Konsens-Nonsens den Atomkonflitk befriedet oder nicht.

- Wenn wir es schaffen, die Zahl der Transporte zu reduzieren, weil die Polizei personell nicht mehr nachkommt, dann bekommt das AKW Philippsburg große Schwierigkeiten. Die Betreiber rechnen damit, daß sie dann im Frühjahr abschalten müssen. Also doch: Die Chance des "Vom-Netz-Blockierens" ist da.

- Wiederaufnahme der Transporte nach Frankreich bedeutet weitere Wiederaufarbeitung. Ein Skandal, den wir nicht deutlich genug anprangern können.

- Wir können uns beim nächsten Gorleben-Castor (der aus La Hague kommen soll) viel glaubhafter gegen den Vorwurf der St.-Florians- Politik wehren, wenn wir die Hintransporte genauso ernst nehmen.

Was tun?

Für aktive AtomkraftgegnerInnen gibt es in den verbleibenden Wochen bis zum Tag X drei Dinge zu tun, wobei jede/r selbst sehen kann, wo die persönlichen Prioritäten liegen.

1. Mobilisieren: Je mehr Menschen nach Philippsburg kommen, um so größer sind unsere politischen Chancen.

2. Organisieren: Infrastruktur und spezielle Aktionsformen müssen gut vorbereitet sein.

3. Agieren: Kleine und große Aktionen im Vorfeld des Transportes sind wichtig, damit gute Stimmung aufkommt, damit der Druck auf Betreiber und Politik steigt und damit immer mehr Menschen mitbekommen, daß es wieder losgeht.

Wichtiger Termin: 8. Oktober

Am 8. Oktober will die Anti-Atom-Bewegung erstamls vor Ort Flagge zeigen. Bei einem Sonntagsspaziergang in Philippsburg geht es eienrseits darum, sich ortkundig zu machen, andererseits macht eine große TeilnehmerInnenzahl auch deutlich, daß wir es ernst meinen.

Also wäre es schön, wenn viele Gruppen für den 8. Oktober nach Philippsburg mobilisieren. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr auf dem Marktplatz.

Jochen Stay

Bearbeitet am: 16.09.2000/ad


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