Ein Flugblatt
vom Oktober 2002

 

Go Gorleben?

In der zweiten Novemberwoche 2002 rollt der mit 12 Behältern bisher größte anzunehmende Castortransport von der Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben. Dort, oder in einem noch nicht existierenden Endlager, strahlt der Dreck dann die nächsten 48.000 Jahre. Dieser Zeitraum ist jenseits der menschlichen Vorstellungskraft. Wir sehen das Licht von Sternen die längst erloschen sind.

Aber ohne Kredit ist der Kapitalismus nicht denkbar und die Nutzung der Atomenergie ist ein billiger Kredit auf die Zukunft für den Profit von Heute. Atommülltransporte dienen dem Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Hier noch einmal die Argumente zu wiederholen ist langweilig. Der beschlossene »Ausstieg aus der Atomenergie« ist eine Bestandsicherung für die Atomindustrie für die nächsten 30 Jahre. Der Weiterbetrieb der Atomanlagen bedeutet Gewalt. Sie ist Vorraussetzung und Ergebnis des atomaren Normalbetriebs. Die Produktion von Atomstrom ist unmittelbar verbunden mit der Produktion einer gewaltbereiten Sicherheitsmaschine. Jeder Castor-Transport nach Gorleben erfordert zur Durchsetzung die Tendenz des Polizeistaats. Das Wendland wird zu einer exterritorialen Sonderzone in der paramilitärische Polizeitruppen umfassende Verbote exekutieren.

gogo1.jpg (2748 Byte) Doch das atomare Empire kann zur Lösung des Problems nicht einfach eine Droiden-Armee einfliegen lassen, denn die Artikulation des Widerspruchs findet auf einem sozialen Planeten statt und dessen Boden trägt bekanntlich keine Roboter. Auf dem sozialen Terrain sind die weichen Faktoren wie Öffentlichkeit und Legitimität entscheidend. Das hat der Atomstaat erkannt. Er versucht mit einer Übermacht an Klon-Kriegern das Zusammenkommen der widersprechenden Menge und damit ihre Wahrnehmbarkeit zu verhindern. Aber Legitimität gewinnt er dadurch nicht.

 

Die Gewissheit politisch und moralisch im Recht zu sein nützt uns wenig wenn wir unsichtbar bleiben. Widerstand in Gorleben bedeutet heute in erster Linie die Wiederaneignung des sozialen Raums, die Verteidigung des Rechts in unserer Unterschiedlichkeit zusammen zu kommen um als öffentlicher Widerspruch sichtbar zu sein. Das ist existenziell und die gewaltförmige Zurückweisung dieses eigentlich selbstverständlichen Bedürfnisses durch den Atomstaat zeigt die Schärfe des Konflikts. Hier kann nicht von Befriedung gesprochen werden den Befriedung bietet integrative Angebote. Unterbindung, Abschreckung und Frustration sind die Mittel und Ziele der Repression.

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Der soziale Raum ist nicht leer. Er ist angefüllt mit der sozialen Praxis legitimer Grenzüberschreitungen. Das ist der Kern kollektiver Widerstandserfahrung.Die Möglichkeit unmittelbar in den Transportablauf einzugreifen kann der befreiende Augenblick sein in dem wir in den Verhältnissen tanzen. Das lassen wir uns nicht nehmen. Und das treibt den politischen und materiellen Preis in die Höhe. Das bedeutet Wiederaneignung des sozialen Raums. Sicherheitspolitik ist die Konservierung des Status Quo. Aber der Sicherheitsstaat lernt von uns. Wir dürfen die Einladung zur Konfrontation auf seiner Ebene der Gewalt nicht annehmen sondern müssen dorthin ausweichen wo wir die soziale Praxis bestimmen. Hinter der alltäglichen Langeweile und ihren scheinbaren Gewissheiten verbirgt sich eine Welt von Möglichkeiten die wir nur entdecken können wenn wir uns trauen in sie hinein zu treten. Das ist risikoreicher als das Betreten einer Ikea-Filliale aber auch wesentlich spannender.

Go Gorleben!

Erwarteter Transporttermin:
Mo. 11. – Di. 13. Nov.

Auftaktdemonstration:
Sa. 09. Nov. 13.00 Uhr in Gorleben Anlaufstellen für Aktionen und

Schlafplätze: Infowiesen in den Orten Dahlenburg und Metzingen

Info Hotline
der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg: 0511 - 900 12 50 666

Informationen im Internet unter:
www.castor.de
www.bi-luechow-dannenberg.de
www.x1000malquer.de

Bestellung des Plakates unter:
infoladen wuppertal
markomannenstr. 3
42105 Wuppertal
InfoladenWuppertal@gmx.de

 

Bearbeitet am: 07.10.2002/ad


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