Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V.

Drawehnerstr. 3, 29439    LÜCHOW
Tel. 05841-4684, Fax - 3197
Bürozeiten:
Mo,Mi,Fr,Sa von 9-12 Uhr
Di,Do, 15-18,30 Uhr  
Spendenkonto:                              Kreissparkasse Lüchow (BLZ 258 513 35) 2060 721
Steuerabzugsfähige Spenden:        Kreissparkasse   Lüchow (BLZ 258 513 35) 2 050 094,  mit dem Vermerk  "Spende zugunsten der BI Umweltschutz                                                                                                                                                                            Lüchow-Dannenberg e.V."

vom 23. 5. 98

Bi Lüchow-Dannenberg stellt erneut Strafanzeige wegen CASTOR-Transportbehälter

 

Fahrlässig ionisierende Strahlung freigesetzt

Die BI Lüchow-Dannenberg hat im Zusammenhang mit der Grenzwertüberschreitung von Castorbehältern Strafanzeige gegen AKW-Betreiber, die Transporteure der Bahn AG und der Gesellschaft für Nuklearservice und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erstattet.

Diese haben, so der erdrückende Verdacht, daß sie in ihrer Eigenschaft als Absender von Castortransporten, als Transporteure und als zuständige Genehmigungsbehörde gegen den § 311d StGB verstoßen haben, begründete Wolfgang Ehmke für die BI diesen Schritt. Gegen § 311d StGB verstößt u.a., wer fahrlässig ionisierende Strahlung freisetzt, die Leib oder Leben gefährdet.

 

Diesen Straftatbestand sehen die Atomgegner als erfüllt an. Nach übereinstimmenden Presseberichten wurde bei 11 von 55 Castortransporten von deutschen AKWs zur Wiederaufbereitungsanlage im französischen Cap de la Hague eine Überschreitung von Grenzwerten festgestellt. Dabei wurden Verstrahlungen am Behälter bis z u 13.400 Bq pro Quadratzentimeter festgestellt, das ist mehr als das 3000fache des zulässigen Grenzwerts von vier Bq (FR v. 15. 5. 98). Festgestellt wurden auch Überschreitungen dieses Grenzwertes von 4 Bq bei Transporten aus norddeutschen Kraftwerken zur britischen WAA in Sellafield (Lüneburger Landeszeititung v. 20. 5. 98). Die französische Tageszeitung "Libération" berichtete von Kobalt-60 und Cäsium-137-Spuren. Das deute darauf hin, daß eine Oberflächenkontamination der Behälter bereits in den deutschen AKWs stattgefunden hat.

Zur Begründung für ihren Schritt führt die BI weiter an: "Die Kraftwerksbetreiber in Deutschland bestreiten auch gar nicht, von diesem Tatbestand gewußt zu haben, sie haben die zuständigen Behörden nach eigenen Angaben nicht benachrichtigt. Seit den 80er Jahren sind derartige Grenzwertüberschreitungen bekannt. Das entbindet die Überwachungsbehörden und die Bahn AG allerdings nicht von ihrer gesetzlichen Pflicht der Überwachung. Frau Ministerin Dr. Angela Merkel hat vor laufenden Kameras in den ARD-Sendungen vom 20. 5. 95 erklärt, sie sei nicht informiert worden. Das heißt, das BfS hat gegen die gesetzliche Verpflichtung verstoßen, die Verstrahlung der Behälter und damit die Gefährdung des Personals, das in und außerhalb der Kraftwerke bzw. der WAA mit dem Handling der Behälter befaßt ist, von Amts wegen zu unterbinden. Auch das ist ein Verstoß gegen den § 311d StGB und damit strafbar".

Daß von den Grenzwertüberschreitungen keinerlei Gefahr ausgehe, wird von der BI vehement bestritten. Den Staatsanwälten gibt die BI zu bedenken: "Wozu gibt es dann überhaupt Grenzwerte? Sie dienen in diesem Fall dem Schutz derjenigen Menschen, die berufsmäßig oder zufällig mit Castorbehältern "in Berührung" kommen. Zu der Gamma- und der Neutronenstrahlung, die von abgebrannten Brennelementen oder verglasten hochradioaktiven Kokillen ohnehin ausgeht, sind hier noch die Behälteroberfläche, z.T. auch die Bahnwaggons "verschmutzt". Jede radioaktive Strahlung kann - bereits unabhängig von einem Grenzwert - Krebs induzieren. Gefahren für Leib und Leben steigen in dem Maße, wie Grenzwerte überschritten werden und Beschäftigte unwissentlich (!) zusätzlicher Strahlung ausgesetzt sind."

 23. 5. 98, BI Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke 

Bearbeitet am: 24.05.1998/ad


zurück zur Homepage