Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V.

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vom 31.01.2018

Das Untergrundamt der Freien Republik Wendland, 3131 Gorleben-Solleben, Postfach 1004, hat sich mit einer Expertise an die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) gewandt

Bekanntlich hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bundesweit sechzig Behörden angeschrieben, um geowissenschaftliche Daten zusammen zu tragen, die helfen sollen, in einem ersten Schritt Regionen von der Endlagersuche auszunehmen. Die Rede ist dabei in erster Linie von Seismik und Vulkanismus.

Die BGE beklagte laut Presseberichten, dass bisher nicht einmal alle Länderbehörden „geliefert“ haben und das auch in dem Maße, dass eine Sichtung länger dauern dürfte als geplant. „Leider haben Sie das Untergrundamt Gorleben-Solleben nicht angeschrieben, denn die Behörde der Freien Republik Wendland hat einiges zusammengetragen, um Amtshilfe leisten und Ihre Entscheidungen erleichtern zu können,“ bekam die BGE jetzt zu lesen.

Das Untergrundamt merkt dazu kritisch an, dass die Ausschlusskriterien völlig unzureichend sind, die Verengung auf Vulkanismus und Seismik sind ein Ergebnis politischer Verhandlungen, eines Parteienkompromisses der Endlagerkommission, die Vorschläge für die Novelle des Standortauswahlgesetzes (StandAG) erarbeitet hatte.

In der ersten Phase, in der es um die harten Kriterien geht, blieben Gebiete, die von künftigen Eiszeiten bedroht sind, und das sind weite Teile Norddeutschlands, offensichtlich im Rennen. Die Forderung des Untergrundamts, das im Mai 1980 die Tiefbohrstelle 1004 als Kulturdenkmal auswies und dessen Postkästen heutzutage sowohl im Gorleben-Archiv wie auch bei der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) zu finden sind, lautet: glaziale Ereignisse sind gleichwertig wie Seismik und Vulkanismus zu behandeln.

Neue Erkenntnisse

Erst vor kurzem hat eine Forschungsgruppe in Hamburg unter der Leitung von Professor Christian Hübscher vor einem Endlager gewarnt, das von künftigen Eiszeiten berührt wird. In einem Gastbeitrag für das Hamburger Abendblatt (1) hat der Geophysiker erläuterte, wie die Eisberge einen ungeheuer starken Druckaufbau schaffen, der den Untergrund durchwalkt.

Mit der Warnung vor einem Endlager in derartigen Gebieten stehe Hübscher nicht allein. Bereits Professor Klaus Duphorn, in den 80er Jahren der führende Quartärgeologe, hatte die Auswirkungen von Gletschern am Beispiel des Salzstocks Gorleben, die berühmte „Gorlebener Rinne“ im Fokus, mit dem Effekt, dass über dem Salzstock auf rund 7,5 Quadratkilometern eine wasserabweisende Barriere aus Ton wegrasiert ist. Permafrostrisse, womöglich bis in 400 Meter Tiefe, räumte sogar die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ein, wie sein Kollege, der Diplomgeologe Ulrich Schneider, nach Auswertung der umfangreichen Dokumente der BGR belegte – das sind potentielle Wasserwege, die radioaktive Partikel an die Oberfläche befördern (2) Die BGR ging in einer Publikation (3) noch 2006 davon aus, dass eine Eiszeit zwar das Deckgebirge wegrasieren kann, der Einlagerungsbereich in 600 bis 800 Meter Tiefe bliebe davon unberührt. Das Öko-Institut Darmstadt widersprach in einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie: Ein Salzstock dürfe beispielsweise auch nach einer Eisüberfahrung während einer Kaltzeit nicht frei an der Erdoberfläche ausstreichen. Der einschlusswirksame Gebirgsbereich muss über den gesamten Nachweiszeitraum von einem Deckgebirge oder dem übrigen Wirtsgestein überlagert und geschützt bleiben. Dieses k.o.-Kriterium wurde vom Salzstock Gorleben in der Elsterkaltzeit erfüllt. In einer der nächsten Eiszeiten ist dies wiederum durchaus möglich. (4)

Hinzu kommt in diesem Zusammenhang ein ganz anderes Phänomen: Kann es in der norddeutschen Tiefebene Erdbeben geben? Sinkt die Tiefebene soweit ab, dass sie von Meerwasser überspült wird? Und was heißt das für ein mögliches atomares Endlager in Norddeutschland? Auch hier hat das Untergrund einen wichtigen Hinweis zu liefern:

Ein Bericht von Spiegel-online (5) aus dem Jahr 2015 gibt demnach die Antwort: Nach der Auswertung von Navigationsdaten des globalen Navigationssatellitensystems Navstar GPS zeigt Holger Steffen vom schwedischen Landesvermessungsamt erstmals den genauen Verlauf der geologischen Linie, die die Grenze zwischen aufsteigenden und absteigenden Regionen markiert. Skandinavien taucht auf, das Meer zieht sich zurück, während weite Teile Schleswig-Holsteins und Niedersachsens sinken, Ostfriesland und Hamburg etwa um einen halben Millimeter im Jahr.Für die Küste wird die Wippe zum Problem: Zusätzlich zum Anstieg des Meeresspiegels kommt die Landsenkung – das Meer rückt also schneller vor als anderswo. Dazu kommt, dass es aufgrund der unterirdischen Spannungen, die aus der Eiszeit resultieren, zu Beben kommen kann.

Birgit Hunke (Gorleben- Archiv) und Wolfgang Ehmke (BI Umweltschutz) resümieren: „Was diese Befunde für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle bedeuten, wenn es um den Einschluss des gefährlichen Mülls für geologische Zeiträume geht, ist bei den bisherigen Betrachtungen möglicher Endlagerregionen nicht betrachtet worden. Wir sind gespannt, ob die BGE sich mit derartigen Erkenntnissen befasst, wenn die Regionen wissenschaftsbasiert kartiert werden.“

(1) https://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article211203955/Was-die-naechste-Eiszeit-mit-unserem-Atommuell-zu-tun-hat.html (2) BGR: Eiszeitliche Rinnensysteme und ihre Bedeutung für die Langzeitsicherheit möglicher Endlagerstandorte mit hochradioaktiven Abfällen in Norddeutschland.2009 https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Downloads/Schriften/4_Langzeitsicherheit/Eiszeitl_Rinnen_Keller.pdf;jsessionid=D85B6B9FF34046F545F8637C25094406.2_cid292?__blob=publicationFile&v=2 (3) Ulrich Schneider. Expertise zum Salzstock Gorleben. Der aktuelle Kenntnisstand im Licht der aktuellen Ereignisse bei der Asse II. 2009 (4) http://endlagerdialog.de/2011/12/die-nachsten-eiszeiten-uber-dem-salzstock-gorleben/ (5) Bericht von Spiegel-online

 

Bearbeitet am: 02.02.2018/ad


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