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vom 06.06.1991

Werden „Blähfässer" abtransportiert?

Bürgerinitiative: Die GNS hofft auf grünes Licht - „Bewegung in verfahrener Sache"

Gorleben. „Steht der Abtransport der Bläh- und Rißfässer aus dem atomaren Faßlager Gorleben zur Nachbehandlung in den Hallen der Gesellschaft für Nukleaservice (GNS) in Duisburg unmittelbar bevor?", fragt die hiesige Bürgerinitiative Umweltschutz.

Der BI wurde seitens der GNS signalisiert, eine erste Charge von neun Fässern sollte Ende Juni nach Duisburg verfrachtet werden.

Die Herkunft dieses Atommülls sei zweifelsfrei, deshalb erhoffe sich die GNS auch grünes Licht vom Gewerbeaufsichtsamt Duisburg, meint die BI. Das Amt hatte sich vor allem gegen die Behandlung der Fässer ungeklärter Herkunft gewandt, die aus dem belgischen Mol im Zuge des Transnuklearskandals via Stade • nach Gorleben geschafft wurden und nun auf eine Nachbehandlung warten.

Die Umweltschützer sehen die „Bewegung in dieser verfahrenen Sache" im Zusammenhang mit der Ankündigung der. Atomwirtschaft, den restlichen, in Mol verbliebenen Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken in das Gorlebener Zwischenlager zu ver bringen. Rund 2 000 Tonnen lagern auf dem Gelände des belgischen Kernforschungszentrum, weiß die BI. Dazu habe es nach einer Meldung der Fachzeitschrift „Ökologische Briefe" im März zwischen Vertretern der Bundesregierung und des Forschungszentrums Gespräche gegeben.

BI-Sprecher Wolfgang Ehmke erinnerte daran, daß die Transnuklear seit 1980 radioaktive Abfälle deutscher Atomkraftwerke geschickt habe, die zum Teil mit hoher Dosis Radioaktivität behaftet gewesen seien oder als problematisch in der Weiterbehandlung gegolten hätten, uni sie im Volumen deutlich zu reduzieren.

Die Abfallabteilung in Mol, deren Leiter zwischenzeitlich zu fünf Jahren Haft verurteilt worden sei und im Hanauer Transnuklearprozeß im Frühjahr als Zeuge geladen war, sei dazu nur bedingt in der Lage gewesen. „Niemand weiß derzeit zu sagen, was in den Fässern ist, in welchem Zustand die Fässer sind, ob die Abfälle konditioniert wurden oder nicht", resümierte Ehmke. „Die Brennelementlagergesellschaft Gorleben als Bestimmungsort ist auf dem besten Wege, wieder in die Schlagzeilen zu geraten.”

Bearbeitet am: 10.06.2016/ad


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