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vom 26.07.1991

Kleine Blockade wurde in zwei Minuten von der Polizei geräumt

Zwischenstopp für Biblis-Container

gel Gorleben. In nicht einmal zwei Minuten war alles vorbei: Etwa 50 Polizisten haben gestern gegen 10.15 Uhr rund ebensoviel Atomkraftgegner beiseite geräumt, die seit 6 Uhr die Zufahrt zum PKA-Gelände beim Zwischenlager in Gorleben blockierten, Nicht hineingelassen werden sollten drei Lkw, die fünf Container mit schwach radioaktivem Abfall lieferten, allerdings aus Biblis und nicht, wie die hiesige Bürgerinitiative zunächst irrtümlich annahm, erneut aus Mol.

"Ob es Mol-Container sind oder nicht, ist schnuppe wir blockieren", kündigte eine Atomkraftgegnerin an, als sich immer offizieller bestätigte, daß es sich um eine Lieferung aus Biblis handelt, wie sie fast täg lich nach Gorleben rollt. Binnen kürzester Zeit hatten die 50 Beamten der Schutzpolizei Lüneburg und der Bereitschaftspolizei aus Uelzen und Lüchow die Blockierer beiseite geräumt, darunter auch einige Teilnehmer des internationalen Sommercamps der Atomkraftgegner in Gedelitz.

Die Räumung verlief ohne Zwischenfälle; allerdings im Vorfeld soll es nach Angaben der Polizei auch eine unschöne Szene gegeben haben: Bei Ankunft der Beamten habe ein Atomkraftgegner einen Polizisten ins Gesicht geschlagen und einen anderen ans Schienbein getreten. Der Mann muß nun nach Angaben vom Einsatzleiter vor Ort, Rolf Burmester, wegen Widerstandes und tätlichem Angriff mit einer Strafanzeige rechnen.

Bei den Containern handele es sich um schwach radioakti ven Atommüll aus Biblis, der bei der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) in Duisburg konditioniert worden sei. Dies bestätigte gestern das nieder sächsische Umweltministerium. Woher das Gerücht stamme, daß es sich um weitere Mol-Lieferungen handele: das weiß auch Eva-Maria Rexing, Pressesprecherin im Landesumweltministerium, nicht. Dem niedersächsischen Umweltministerium sei eine solche Lieferung für die nächsten Wochen auch nicht angekündigt worden. Susanne Kamin, Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz, betonte, daß es sich um eine grundsätzliche Blockade gehandelt habe.

Die BI würde nämlich nicht nur bei Container-Lieferungen aus Mol gegen Atomenergie demonstrieren. Und gestern morgen sei es nun mal ein „glücklicher Umstand" gewesen, „daß wir von einem Transport etwas mitbekamen", so die BI-Vorsitzende wörtlich.

Bearbeitet am: 28.07.2016/ad


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