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vom 03.01.1992

BI: Laugenzufluß im Erkundungsbergwerk-Schacht I „weitaus gravierender"

DBE: „Nicht plötzlich und unerwartet"

gel Gorleben. 0,1 Liter Lauge tropft und rieselt nach Informationen des Landesumweltministeriums momentan pro Minute im Schacht I des Endlagererkundungsbergwerkes in Gorleben. Das sei „wenig", meint Barbara Mussack, Pressesprecherin dieses Ministeriums in Hannover. Und auch der Sprecher der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE), Dr. Rolf Meyer, betont, daß ein solcher Laugenzufluß „in der Natur der Sache" liege.


 

Bild: IM SCHACHT I des Erkundungsbergwerkes in Gorleben (oben rechts) tropft in einer Teufe von 312 Metern Lauge. Die BI warnt; die DBE spricht von normalen Rissen in dieser Zone.  Archivaufn.: J. Feuerriegel

Daß in der Tiefe von 312 Metern Laugenzuflüsse aufgetreten seien, sei „nicht plötzlich und unerwartet" gekommen. Die hiesige Bürgerinitiative ist da skeptischer: „Jeder größere Laugenzufluß beginnt mit einem Tröpfeln und Rieseln", kommentiert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

 Der „unerwartete" Laugenzufluß, meint die BI, sei „weitaus gravierender" und eine „erneute Unregelmäßigkeit"; die DBE habe Schwierigkeiten mit dem Abdichten des Zuflusses. Diese Behauptung fußt vor allem auf der Tatsache, daß sich das Bergamt, die DBE und die Schachtbaufirma gestern zu einem Gespräch getroffen haben; eine „Krisensitzung", glaubt die BI.

Was die BI nun auch vor dem Landesumweltministerium wissen möchte: Warum seien trotz der Abdichtung und Vereisung des Untergrunds Laugenzuflüsse möglich? Das Umweltministerium müsse den Stopp der weiteren Arbeiten bis zur Klärung veranlassen. „Sollte der Schacht voll Wasser laufen, so hätten wir nichts dagegen," meint die BI, „aber holt die Leute vorher raus."

Das Unweltministerium erwartet im Verlauf des heutigen Tages einen Bericht, wie sich die Situation im Schacht I tatsächlich darstellt. Pressesprecherin Mussack betonte, daß es sich „erstmal um ein bergtechnisches Problem" handele. Sie meint, daß die jetzigen Laugenzuflüsse keine „unmittelbaren Auswirkungen" hätten.

Das Auffinden von Laugenzuflüssen, meint DBE-Sprecher Rolf Meyer, sei ein ganz „normaler Arbeitsvorgang". Wie die DBE bereits am 21. Dezember vorigen Jahres dargestellt habe, können in der Umgebung von Gefrierschächten durch die Temperaturunterschiede zwischen Frostkörper und umgebenden Salz Risse auftreten, in die auch Lauge fließen könnte. Zwar seien auch jetzt in einer Teufe von 312 Metern Laugenzuflüsse aufgetreten, doch es sei schließlich die Aufgabe der Bergtechnik, diese Risse aufzuspüren und sie daraufhin abzudichten per Injektionen und Verpressungen mit Magnesiazement.

Bei dem ganzen Vorfall gebe es „nichts zu dramatisieren". Daß man auf Risse stoße, sei ein bergtechnisches Naturgesetz. Nichtsdestotrotz nehme man das Abdichten ernst. Bei der gestrigen Zusammenkunft von DBE, Bergamt und Schachtbaufirma habe es sich zudem nicht um eine „Krisensitzung" gehandelt, wie sie von der BI vermutet wurde, meint DBE-Sprecher Dr. Rolf Meyer.

Auch sei keine Wasserpumpe für den Schacht unterwegs, und erst recht keine, die über den Castor-Bahnhof in Dannenberg angeliefert werde. Damit erteilte Meyer einem Gerücht innerhalb der hiesigen Atomkraftgegner-Szene eine Absage. Eine Wasserpumpe sei nämlich in Gorleben schon seit längerer Zeit vorhanden sie gehöre ganz einfach zum bergtechnischen Inventar.

Bearbeitet am: 05.01.2017/ad


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