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vom 02.04.1993

Dritter Mol-Transport im Zwischenlager

gel .Gorleben. Der dritte MolTransport seit Juni 1991 hat gestern vormittag um 10.15 Uhr ohne nennenswerten Widerstand von Atomkraftgegnern das Gorlebener Zwischenlager erreicht.

Der Transport wurde von einer ”notwendigen" Zahl an Polizeikräften (Lüchow-Dannenbergs Polizeichef Lutz Lange) begleitet. Die hiesige Bürgerinitiative Umweltschutz (131) spricht dagegen von einem „starken Polizeieinsatz" und mehreren hundert Polizisten. Knapp zwanzig Atomkraftgegner hatten sich am Zwischenlagertor versammelt, als der Transport anrollte. Dieser dritte Mol-Transport beinhaltete sechs Gußmosaikbehälter in vier Containern auf zwei Lkw.

Die Inhalte: Es soll sich um Verdampferkonzentrate schwachradioaktiven Mülls handeln, der im Kernforschungszentrum Karlsruhe konditioniert wurde. Zugeordnet werden die Inhalte nach Informationen des Landesumweltministeriums dem Kernkraftwerk Stade. Die Abfälle lagerten aber auch in den 80er Jahren im belgischen Mol dem Ort, der immer wieder in, Verbindung gebracht wird mit dem Transnuklear-Skandal.

Die Zwischenlager-Betreiberin BLG (Brennelementlagergesellschaft) betont, daß die Abfälle anhand von Prüffolgeplänen einwandfrei den Einlagerungsgenehmigungen für Gorleben entsprechen. BLGChef Reinhard König: Die Abfälle seien in Mol nicht behandelt worden.

Die BI vermutet dagegen hinter den Lieferungen „querkontaminierte" Abfälle unbekannter Herkunft aus dem belgischen Mol. Auch das Griefahn-Ressort in Hannover spricht generell von Abfällen „aus dem Transnuklear-Skandal". Die Lieferung von gestern sei jedoch nach den Papieren „eindeutig Stade zuzuordnen", betonte Eva-Maria Rexing, eine Griefahn-Sprecherin.

Bereits 1991 hatte das Land Niedersachsen versucht, die Einlagerungsbestimmungen für das Zwischenlager auf Abfälle mit eindeutig deutscher Herkunft zu beschränken. Mit einer Weisung hatte Bundesumweltminister Töpfer verfügt, daß diese Mol-Transporte doch nach Gorleben dürfen. Erreicht werden konnte lediglich, daß die Abfälle in Karlsruhe nach bestimmten Prüffolgeplänen gecheckt werden.

Kritisiert wird von der BI, die für einen stärkeren Widerstand nicht rechtzeitig mobilisieren konnte, die gestrige Polizeibegleitung, obwohl es zu keinen Auseinandersetzungen kam: Die Schlepper seien mit hoher Geschwindigkeit ins Zwischenlager gefahren, die Polizei sei behelmt gewesen und habe Hunde in Position gebracht. Das Innenministerium dementiert dagegen, daß die Schlepper „gerast" seien. Zum Schutz der Beamten sei nach den vorigen Erfahrungen bei Demonstrationen die Behelmung und auch das Mitführen der Hunde gerechtfertigt gewesen.

Bearbeitet am: 05.04.2018/ad


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