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vom 04.05.1993

Gewerkschaftsboß der IG Bergbau in Gorleben — Verunsicherte Belegschaft fordert:

Das „Wechselbad der Gefühle" beenden

gel Gorleben. Verunsicherung dieses Wort erfaßt wohl am besten die derzeitige Stimmungslage der rund 340 Beschäftigten beim Erkundungsbergwerk r ein atomares Endlager in Gorleben. Verunsichert ist die Belegschaft über die politischen Diskussionen. ob denn nun in Gorleben weiter erkundet wird oder nicht. Es sei ein ständiges „Wechselbad der Gefühle", meint Betriebsratsvorsitzender Axel Frohn, das jetzt endlich beendet werden müsse.

Bild: TALK VOR DEM SCHACHT II des Erkundungsbergwerkes r ein atomares Endlager in Gorleben: Gewerkschaftsboß Hans Berger (Mitte) im Gespräch mit DBE-Sprecher Dr. Rolf Meyer (links) und DBE-Betriebsratsvorsitzendem Axel Frohn. Aufn.: J. Feuerriegel

Die zahlreichen in Lüchow-Dannenberg ansässigen Beschäftigten wollen Klarheit haben, daß sie ihren Arbeitsplatz im Wendland behalten. Rückenwind mit Signalwirkung verspricht sich Frohn von dem gestrigen Besuch des Gewerkschaftsbosses der IG Bergbau und Energie, Hans Berger. Der machte in einem Gespräch mit der EJZ klipp und klar seine Position deutlich: Gorleben soll weiterhin für ein mögliches atomares Endlager untersucht werden. Eine Aussage mit nicht nur gewerkschaftlichem Gewicht, sondern auch politischem Tiefgang: Immerhin sitzt Berger in Bonn auch als Gewerkschaftsvertreter bei den Kernenergiekonsensgesprächen am Tisch.

Die IG Bergbau und Energie favorisiere dabei folgende Variante: daß neben Gorleben auch andere Standorte untersucht werden müssen, daß die Kernkraftwerke nach 40 Jahren von der Betriebnahme an auslaufen mußten und daß die Option auf die Kernenergie offengehalten werde müsse.

Berger: Zur Zeit habe man „dicke Sorgen", daß die Arbeitsplätze in Gorleben verlorengehen könnten. Für die in Lüchow-Dannenberg heimisch gewordenen Bergleute und anderen Mitarbeiter wäre dann die Betroffenheit sehr groß.

Generell halt Berger Salz für die geeignetste Formation. um radioaktiven Müll einzukuhlen. Aber man solle eventuell auch Granit untersuchen. Und gerade dabei gebe es bei den Konsensgesprächen in Bonn eine „starke Frontstellung", die auch von „Scheinheiligkeit" begleitet sei: Keiner der Landerchefs wolle die Untersuchung für ein atomares Endlager in seinem eigenen Bundesland haben. Vor dem Superwahljahr 1994 sieht der 10-Chef kaum eine Chance, daß es zu einem Energiekonsens kommen könnte.

Eine Klärung in Sachen Endlager werde es wohl erst im Jahre 2005 geben, meint Berger. Und: „Die Notwendigkeit mindestens eines Endlagers für radioaktive Abfälle aller Kategorien bleibt selbst auch dann eine Aufgabe, die im nationalen Rahmen zu bewältigen ist, falls sich Gorleben als nicht geeignet erweisen sollte."

Voraussetzung für eine weitere Nutzung der Kernenergie sei der Nachweis eines Endlagers insbesondere r hochradioaktive Abfälle. Der geschäftsführende Vorstand der IG Bergbau und Energie mit Berger an der Spitze hatte sich gestern über den Stand der Arbeiten in Gorleben informiert. Die acht Vorstandsmitglider der etwa 500 000 Mitglieder starken Gewerkschaft befuhren beide Schächte und führten Gespräche mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat der DBE (Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern Abfallstoffe).

Betriebsratsvorsitzender Axel Frohn setzt nun auf eine Signalwirkung des BergerBesuches: ..Die DBE-Belegschaft steht hinter dem Projekt Gorleben. Wir erwarten eine Perspektive durch deutliche positive Zeichen aus Bonn und letzten Endes auch aus Hannover". betont Frohn.

Der Betriebsrat schaue besorgt in das Jahr 1994. da aufgrund von Rechtsstreitigkeiten und derzeit fehlender Betriebspläne nach dem Jahresende 1993 weitere bergmännische Untersuchungsarbeiten nicht möglich seien.

Bearbeitet am: 18.05.2018/ad


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