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vom 22.11.1994

Erst Verzweiflung, dann großer Jubel

Gericht stoppt Castor-Einlagerung- Über tausend Demonstranten auf dem Marktplatz

by Lüchow. Am Anfang war die Stimmung unter den weit über tausend Menschen auf dem Lüchower Marktplatz verzweifelt und bedrückt. Die Nachricht, dass der Castor-Behälter am Mittwochvormittag in Dannenberg eintreffen sollte, hatte sich längst herumgesprochen. „Das war's dann wohl", jetzt sei alles vorbei, der Landkreis künftig nicht mehr derselbe, sagten viele, den Tränen nahe.

 

 

Bild: „DER SOFORTVOLLZUG IST AUSGESETZT": Ungläubiger Jubel herrschte unter den mehr als tausend Demonstranten auf dem Lüchower Marktplatz, als Susanne Kamien, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz gestern abend um 18.30 Uhr die gute Nachricht von der Entscheidung des Lüneburger Verwaltungsgerichts verkündete. Der Gerichtsbeschluß wurde als schallende Ohrfeige für die Landesregierung und ihre Berater empfunden. Ihren „Sieg auf Zeit" wollten die Atomkraftgegner gestern abend mit einem Freudenfest vor dem Zwischenlager in Gorleben feiern. 2 Aufn.: M. Bensemann

Eine halbe Stunde später lagen sie sich vor Freude weinend in den Armen: BI-Vorsitzende Susanne Kamien hatte gerade von den Treppen des Ratskellers die nach einem Tip durch die Polizei erhaltende freudige Nachricht verkündet, daß das Verwaltungsgericht in Lüneburg den Sofortvollzug für die Einlagerung des Castors in das Zwischenlager ausgesetzt hatte.

Dem unglaublichen Jubel folgte schnell die Erkenntnis, dass der Gerichtsbeschluß nur aufschiebende Wirkung hat. Viele Demonstranten empfanden den Gerichtsbeschluß als eine schallende Ohrfeige für den Ministerpräsidenten und Juristen Gerhard Schröder und seine Umweltministerin Monika
Griefahn, die ihre rechtlichen Möglichkeiten, den Castor aufzuhalten, längst ausgereizt gesehen hatten.

„Für die nächsten Tage glaube ich wieder an den Rechtsstaat" bewertete ein Demonstrant den Beschluss.
Eine halbe Stunde vor der für 18 Uhr angekündigten Demonstration auf dem Lüchower Marktplatz, hatte BI-Sprecherin Marianne Fritzen per Fax vom Landkreis die Verfügung bekommen, dass bereits ab sofort vor dem Zwischenlager ein Versammlungsverbot bestehe.

Daran wollte man sich zwar schon vor der guten Nachricht aus Lüneburg nicht halten, hinterher aber erst recht nicht. Susanne Kamien, die heute ihren Geburtstag feiert, wünschte sich ein langes Freudenfest vor dem Zwischenlager.

 

Bearbeitet am: 11.11.2019/ad


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