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vom 21.01.1995

Flugblatt spricht von Schienendemontage am Castor-Verladebahnhof

Ziviler Ungehorsam am „Tag Z"?

gel Gorleben. Hiesige Atomkraftgegner planen einen Akt des zivilen Ungehorsams: An einem Sonntagvormittag — der genaue Termin ist noch offen — soll eine „öffentliche und gemeinsame Schienendemontage vor dem Dannenberger Castor-Verladekran" stattfinden.

So heißt es wörtlich in einer schriftlichen Einladung, die von den „Castor-Gruppen aus dem Wendland", von den „Unbeugsamen" und den „Gorleben-Frauen" unterzeichnet ist.


Bild: BEI EINEM AKT DES ZIVILEN UNGEHORSAMS soll an irgendeinem Sonntagvormittag eine „Öffentliche und gemeinsame Schienendemontage vor dem Dannenberger Castor-Verladekran" stattfinden. So heißt es wörtlich in einem der EJZ bekannten Flugblatt an hiesige Atomkraftgegner. Aufn. : H. Junge

Aufgerufen werden soll allerdings zu der „gewaltfreien Action" erst, wenn mindestens 300 Atomkraftgegner für einen Aufruftext ihre Unterschrift geleistet haben. In informierten Kreisen geht man davon aus, daß das Flugblatt mit' der Überschrift „Ausrangiert!" mittlerweile über tausend Atomkraftgegnern bekannt ist.

Auf rechtliche Konsequenzen wird bereits im Flugblatt hingewiesen: Bei der Demontage des Schienenstranges handele es sich juristisch um eine gemeinschaftliche Sachbeschädügung, die mit einer „geringen Geldbuße" geahndet werden könnte. Diejenigen, die zur Straftat auf-rufen, dürfen allerdings nicht schwerer bestraft werden als diejenigen, die sich an der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung beteiligen. Und auch heißt es in dem Text: „Die Wahrscheinlichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung wird urn so geringer, je mehr Menschen mitmachen."

Mit einer „gewaltfreien Aktion", steht im Flugblatt, sollen mindestens 300 Menschen „das Schienenende zum Castor-Kran mit einfachen handwerklichen Mitteln demontieren" — aus Protest gegen Atommüll-Transporte nach Gorleben.

Wörtlich: „Wir dulden nicht, daß Atommüll ins Wendland kommt. Wir nehmen den Schutz unseres Lebens in die eigenen Hände und bauen ab, was unser Land zerstört. Das ist nicht legal. Aber wir wissen, wir sind im Recht, wenn wir uns diesen Akt des zivilen Ungehorsams vornehmen."

Das Flugblatt soll ganz offensichtlich aus juristischen Gründen als „Aufruf zum Aufruf" verstanden werden. Für den „Tag Z" der Demontage sind in dem Flugblatt aber schon konkrete Vorstellungen beschrieben: „Für die Schienendemontage benutzen wir einfache Geräte wie Seile, Steckschlüssel, Schubkarren, Spaten und Schaufeln."

Die Bewußtseinsfindung jedes einzelnen, der Weg hin zur Aktion und das Bekennen seien entscheidend und das neue Element im Gorleben-Widerstand, meinte einer der Initiatoren gegenüber der EJZ. Für wichtig halten die Initiatoren den Hinweis, daß es sich bei der Aktion um keinen gefährlichen Eingriff in den Schienenverkehr handele, sondern lediglich um die Demontage einer öffentlich nicht genutzten Werksstrecke. Schienen und Schwellen sollen nicht zerstört werden.

 

 

Bearbeitet am: 11.01.2020/ad


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