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vom 24.01.1995

Erste Reaktionen auf Castor-Entscheidung: Schwaben AG hält an Transport fest - BI:

„OVG hat oberflächlich gearbeitet"

gel Gorleben. Das Stromunternehmen Energie-Versorgung Schwaben AG wird an dem umstrittenen Castor-Transport nach Gorleben festhalten.

Dies hat das Unternehmen gestern in einer ersten Reaktion auf die Castor-Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes (siehe auch Seite 1) gegenüber der EJZ betont. Der Transport solle nach dem grünen Licht durch das OVG „nicht auf die lange Bank" geschoben werden, so eine Schwaben-AG-Sprecherin. „Verwunderung" dagegen hat die gestrige Entscheidung bei der hiesigen Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) hervorgerufen: „Die Richter haben sich schlicht geweigert, die Unregelmäßigkeiten beim Beladen des Castors in Philippsburg näher zu prüfen."

Bild: SOFORTVOLLZUG für das Castor-Behälterlager (hier mit Attrappen) in Gorleben: Nach dem OVG-Beschluß darf demnächst der erste Castor dort eingelagert werden. Aufn.: J. Feuerriegel

Noch „abenteuerlicher", moniert die BI, seien die Ausführungen des OVG zu der Frage, was denn mit einem defekten Castor-Behälter in Gorleben passieren soll, der dann wieder abtransportiert werden müßte. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: „Wir sind nicht bereit, diese Frage als Restrisiko hinzunehmen." Die Atomkraftgegner werfen dem Gericht gar vor, es habe „oberflächlich gearbeitet" und sich inhaltlich auf die Seite des Bundesamtes für Strahlenschutz geschlagen. „Es negiert unser Interesse an einem Schutz vor Strahlen", so die BI.

Aus Sicht der Bürgerinitiative sei nun allenfalls noch das Land Niedersachsen am Drücker: Als Atomaufslchtsbehörde könne Hannover aufgrund der Pannen beim Beladen des Castors den Betreibern weiter einen Strich durch die Rechnung machen. Angekündigt worden ist bereits gestern von Atomkraftgegner, daß ab sofort wieder bundesweite Unterstützungswellen gegen den Castor-Transport anrollen sollen. Die BI kündigt an: „Sobald sich abzeichnet, daß es einen Transporttermin gibt, werden wir an die Novemberstimmung wieder anknüpfen."

Das Land Niedersachsen soll die seinerzeit unter Bonner Druck erteilte Einlagerungsgenehmigung fur den Castor zurückziehen: Dies hat gestern in einer ersten Reaktion die atompolitische Sprecherin der
Grünen-Landtagsfraktion, Rebecca Harms aus Dickfeitzen, gefordert. Auf diese Möglichkeit habe das OVG selbst in seiner Begründung hingewiesen, meint Harms.

Ober die Castor-Entscheidung des OVG zeigt sich die Grünen-Fraktion enttäuscht. Rebecca Harms: „das fehlende Bedürfnis den Transport, die technisch ungelôste Frage des Rücktransportes defekter Behälter und die fehlende atomrechtliche Genehmigung der Gesamtanlage sind Grund genug, die Genehmigung des Transportes weiter zu verweigern."

Gleichzeitig hat die Grünen-Politikerin die „vermeintlichen Konsens-Konstrukteure" dazu aufgefordert, jetzt zu zeigen, wie ernsthaft ihr Interesse an einem Konsens tatsächlich sei. ,,Wenn die Verhandlungen
mehr sind als ein politisches Spektakel, dann muss es für Gerhard Schröder ein leichtes sein, die Energieversorger rum Castor-Verzicht zu bewegen."

Der hiesige CDU-Umweltexperte und Bundestagsabgeordnete Kurt-Dieter Grill war gestern nachmittag mit dem Zug unterwegs; eine Stellungnahme war von ihm deswegen bis Redaktionsschluß nicht zu bekommen.

 

Bearbeitet am: 25.01.2020/ad


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