vom 03.04.1998

BI Lüchow-Dannenberg gründet „Fachgruppe Internet"!

Gorleben ist überall - Das Internet als Medium nutzen

 

Castoren rollen durch Deutschland, von Süd nach Nord, aus Gundremmingen, Neckarwestheim nach Ahaus, ins Wendland und demnächst wohl auch nach Greifswald / Lubmin.

Aber auch aus La Hague wird bald wieder eine strahlende Glaskokillenfracht zu erwarten sein. Genauso sind Transporte von Krümmel, aus Lingen und anderen AKWs ins Ausland zu erwarten.

Wir müssen wachsam sein. „NIX 4" hat gezeigt, daß selbst „offizielle" Ankündigungen nicht das Papier wert sind, auf dem sie medienwirksam verbreitet werden.

Für den Widerstand ist langer Atem für die Vorbereitung von Aktionen erforderlich, Phantasie, um immer neue Ideen zu verwirklichen - aber auch die Kenntnis, wann der nächste Transport nun wohin fährt, möglichst mit genauer Streckenführung.

Im Lauf der vergangenen zwanzig Jahre des Wendischen Widerstands hat sich die Technik im Kommunikationsbereich radikal verändert. Wer kann sich noch an die Anfangszeiten des Telefaxdienstes erinnern, wo Faxvorlagen noch auf eine Trommel gespannt werden mußten, und der Empfänger nur in den seltensten Fällen ein automatisches Empfangsgerät zur Verfügung hatte? Dennoch: diese Art der „Datenübertragung" war nahezu sensationell schnell, und bildete beispielsweise mit die Basis für die Kommunikation in der Gründungszeit der „taz".

Heute hat nahezu jeder zehnte Haushalt bereits ein Handy zur Verfügung, und für die Organisation von Demos ist das mobile Telefon kaum noch wegzudenken - trotz aller Gefahren des abgehörtwerdens!

Aber um größere Mengen an Informationen kurzfristig auszutauschen, und vor allem Ort- und Zeitunabhängig verfügbar zu machen, bietet sich die Nutzung des „Neuen Medium", von dem alle kommerzielle Welt seit zwei Jahren spricht, an: das Internet.

Seit gut eineinhalb Jahren hat sich auf Privatinitiative eine Gruppe von Menschen im Wendland zusamengefunden, um alles zum Thema „Castor" in Zusammenhang mit den Transporten nach Gorleben zusammenzustellen.

Zum 3. Castor-Transport, dem ersten Glogowski-Sixpack, ist es gelungen, mit einer aktuellen Berichterstattung „Nix3-live" tausende von Menschen, nicht nur aus Deutschland, sondern aus vielen Ländern der Erde mit Informationen zu versorgen, was sich im Castor-Land Wendland gerade tut.

Aus diesem Erfolg und der unglaublichen Resonanz - der Server, auf dem die CASTOR-Seiten liegen, brach zeitweise unter der Last der Abfragen zusammen, an manchen Tagen waren mehr als 30.000 „Hits" zu verbuchen - entstand die weitergehende Initiative, auch anderen Gruppen den Internetzugang schmackhaft zu machen.

Für „NIX4" hat die Bürgerinitiative „Nix nach Ahaus" gleichfalls eigene Seiten erstellt, und im Rahmen der kurzfristig realisierbaren technischen Möglichkeiten aktuell berichtet. Auch aus Neckarwestheim waren dort erstellte Internetseiten als Links abrufbar.

Das Interesse, das zeigen die „Gästebuch"-Einträge, war immens. Viele, viele Menschen haben tagtäglich ihre Meinung zum Castor-Transport geäußert, nicht immer ablehnend, manche Positionen auch fragwürdig bis lächerlich, aber eben im Sinne einer „lebendigen", aktuellen demokratischen Debatte.

Diese Möglichkeiten des Internet sollen auch zukünftig weiter ausgebaut werden. Unter dem Titel „Castor" soll all das gebündelt zusammengestellt werden, was von den verschiedensten Gruppen zum Thema Atomtransporte verfügbar ist. Links zu den verschiedenen Gruppen, sei es Greenpeace, sei es das Anti-Atom-Plenum, oder seien es private Homepages von t-online-Benutzern, sollen hier öffentlich einsehbar sein.

Aber auch Hintergrundinformationen, Artikel zu den Risiken der niedrigenergetischen Neutronenstrahlung, zur mangelhaften Abschirmung der CASTORen, zu Gerichtsverfahren, zur Kriminalisierung des Widerstands, zur Desinformationspolitik des Verfassungsschutzes, sollen auf diesen Seiten dokumentiert werden.

So weit verfügbar, ist auch bisher schon ein ausführliches Pressearchiv abrufbar, so sind fast alle wesentlichen Artikel der Lüchow-Dannenberger „Elbe-Jeetzel-Zeitung" zum Thema zu finden.

Die BI Lüchow-Dannenberg hat sich zum Jahresanfang entschlossen, die Möglichkeiten des Internet nun auch „offiziell" zu nutzen, und die „Fachgruppe Internet" ins Leben gerufen. Hier ist Engagement gefragt; nicht nur die Leute, die ja bereits im Wendland an vielen Stellen widerstandsmäßig aktiv sind, können helfen, die Internet-Seiten weiterzuentwickeln, auch diejenigen, die nicht hier wohnen, können sich gerne beteiligen, mit konstruktiver Kritik, Vorschlägen für Erweiterungen, und am besten dadurch, daß sie selbst zuverlässig und regelmäßig einige Arbeiten mit übernehmen. Das Internet ist dazu ja gerade prädestiniert!

Interesse? Schaut doch mal ‚rein:

http://ww.oneworldweb.de/castor
Email:

Oder weiter Infos über die BI.

(Die Fachgruppe Internet trifft sich jeden 1. Sonnabend im Monat um 14.00 Uhr im „Schwarzen Hahn" Schwarzer-Hahn@t-online.de
im wendländischen Dorf Lensian)

Bearbeitet am: 03.04.1998/ad


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