vom 16.04.1998

Der neue Polizeichef Schmidt:

Castor-Transporte sind verzichtbar

gel Lüchow. Friedrich Schmidt weiß, was ihn erwartet. "Es ist eine schwierige Aufgabe, hier Polizist zu sein", sagt der neue Polizeichef LüchowDannenbergs. Doch wenn sich die Wogen nach Castor-Transporten geglättet haben, könne man auch wieder miteinander reden. Schmidt hält Castortransporte unter den jetzigen Bedingungen zwar für verzichtbar: wegen ganz offensichtlich vorhandenen anderen Lagerkapazitäten. Der 51jährige Polizeichef macht aber auch deutlich, daß dies nichts an dem Auftrag der Polizei ändere: Wenn ein Transport mit Rechtsanspruch auf dem Weg sei, werde der Transport auch mit Hilfe der Polizei durchgebracht.
Schmidt hat vorige Woche seine Amtsgeschäfte in Lüchow aufgenommen. Seine ersten Einschätzungen: Trotz der Castoren-Transporte nach Gorleben sieht der Polizeichef ein "unverkrampftes Verhältnis" zwischen hiesiger Polizei und der Bevölkerung.

Castor-Transporte und Polizeieinsätze für den 51 jährigen ist das eine "Zwangslage": "Wir sind guten Willens, müssen den Transport aber durchbringen", sagt Schmidt, der der Atomenergie eher abgeneigt gegenübersteht. An dem Einsatzkonzept der Polizei bei Castoren-Transporten werde sich nichts ändern, betont Schmidt. Er habe zwar Sympathien für jeden, der seine Meinung öffentlich äußere, auch bei Demonstrationen; aber eben mit den Mitteln des Rechtsstaates. Einige Aktionen des hiesigen Widerstandes sieht der Polizeioberrat im "Randbereich des Zulässigen". Straßenblockaden seien allenfalls noch tolerabel, bei Gewalt gegen Sachen und Menschen sei die Grenze jedoch überschritten. Ein öffentliches symbolisches Schienensägen "kann und will ich nicht tolerieren", sagt Schmidt. Und Hakenkrallenanschläge auf Bahnlinien hält der Polizeichef für "zutiefst kriminell." Den Anteil derjenigen, die im Widerstand kriminell werden könnten, hält Friedrich Schmidt für gering.

Castor-Einsätze seien für die Polizei sehr "destruktiv", findet der Polizist: "Was man macht, man macht es falsch." Doch wenn nun eirmal 7 000 Menschen auf der Straße sitzen und weggetragen werden müßten, dann gehe das nicht ganz gewaltfrei.

Schmidt rechnet noch in diesem Jahr mit einem weiteren Castor-Transport nach Gorleben und meint persönlich dazu: "Ich könnte auch drauf verzichten. "

Bearbeitet am:16.04.1998 /ad


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