vom 28.04.1998

Buchautor kritisiert "Naturschutzfilz": Geld von Staat und Wirtschaft


Verrat in der Umweltbewegung

fk Meuchefitz. Der Verrat geht um in der Umweltbewegung. Vor nicht allzu langer Zeit entdeckten besonders aufmerksame Fahnder eine esoterische Verschwörung, die von außen her zur Unterwanderung angetreten ist. Nun kommt es noch schlimmer. Der Verrat sitze im inneren Kern. Umweltverbände wie BUND und NABU seien nicht, was sie vorgeben. Sie seien längst mit Staat und Wirtschaft verfilzt.

Diese Enthüllung versuchte am Freitagabend im Gasthof Meuchefitz Jörg Bergstedt, der auf Einladung der Projektwerkstatt "AbraXas" sein Buch zum Thema vorstellte.
Tausende Beispiele für solchen Filz habe er gesammelt, sagte der Autor. Ein Beispiel: Als sich einige hundert Demonstranten einem Castor, der von Krümmel zur englischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield gehen sollte, in den Weg stellten, waren in Bonn bei einem Empfang die Spitzen der deutschen Umweltverbände mit dem Bundeskanzler und der Umweltministerin beisammen. Solcher Filz behindere die Effektivität der Umweltbewegung, so lautete die These des Buchautors. Die Regierung müsse die Castor-Proteste gar nicht ernst nehmen, wenn ihnen die Verbandsspitzen gleichzeitig Komplimente machten. Deshalb sei es notwendig, über den Filz aufzuklären. Wer die Umweltbewegung ist, definierte Bergstedt allerdings nicht. Ob sie jemals einheitliche politische Ziele verfolgte oder auch nur informell Gemeinsamkeit hergestellt hat, blieb ebenfalls ungesagt.


Wichtig sei die Enthüllung vielleicht für die Mitglieder der Verbände, meinte einer der älteren unter den zehn Zuhörern. Aber wer sonst fühle sich schon von den Verbänden vertreten? Daß die nicht über die Systemgrenzen der herrschenden gesellschaftlichen Ordnung in Deutschland hinausgingen, sei ohnehin klar. Den Autor hinderte das nicht, alle Verbände und Gruppierungen für ein gemeinsames Politikverständnis zu vereinnahmen.


"Eklig" sei es, daß eine Stiftung des BUND sich von Daimler-Benz sponsern lasse.  Obwohl in den Statuten des Verbandes geregelt sei, er dürfe kein Geld von der Atomwirtschaft annehmen, habe er sich in einem Vertrag mit der Veag, einem ostdeutschen Stromkonzern, sieben Millionen DM zusichern lassen. Zum Vertuschen sei extra eine Stiftung gegründet worden In einem Vertrag habe diese BUND-Stiftung der Veag zugesichert, weder gegen sie noch gegen ihre Gesellschafter Aktionen zu unternehmen. Gesellschafter sind die RWE, die PreußenElektra und die Bayernwerke, die größten Atomstrom-Produzenten.
Ganz genau nahm es der Autor bei der moralischen Verdammnis nicht immer. So teilte er den Zuhörern eine weitere angebliche Vertuschungsaktion des BUND mit. Damit man sich an der Expo beteiligen könne, ohne als Verband offiziell aufzutreten habe man die Bodenseestiftung gegründet. Was der Autor allerdings nicht erwähnte: Die bestand bereits, als von der Expo noch gar keine Rede war. Ihr Ziel ist eine naturverträgliche Regionalentwicklung am Bodensee.

Bearbeitet am: 28.04.1998/ad


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