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vom   15.12.1998

Lilo Wollnys Buch zum Endlagerprojekt: "Es wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen"
Schüsse auf die blanke Wand       

gel Gorleben. Hochrangige Wissenschaftler waren es, die sich 1979 in Hannover zum Endlager-Hearing trafen. Was damals der schwedische Atomexperte Professor Abrahamson despektierlich zu den Auswahlkriterien für das geplante Atomendlager Gorleben von sich gab, jagt einem noch heute einen Schauer über den Rücken: "Es wäre natürlich möglich", so Abrahamson, "weiterzumachen, ohne Kriterien festzusetzen. Ein Vorgehen in dieser Weise garantiert, daß man die Kriterien erfüllen wird: Denn es ist genauso, als wenn man bei einem Schießwettbewerb zunächst auf die blanke Wand schießen, dann zu der Wand hingehen und das Ziel jeweils um die Stellen herum einzeichnen würde, wo die Schüsse hingetroffen haben. "

Es sind Zitate wie diese oder aber verräterische Äußerungen von Atomstromlern oder Anekdoten, mit denen Lilo Wollny "20 Jahre Lügen, Tricks und Größenwahn" um das Endlagerprojekt Gorleben demaskiert. Es wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen", heißt das Büchlein, das die ehemalige Bundestagsabgeordnete und jetzige Kreispolitikerin aus Vietze geschrieben hat. Und natürlich
nimmt die 72jährige Grüne dabei eine knallharte Position ein. Ihre Abrechnung mit dem Projekt will und muß zwangsläufig parteiisch sein.

Um es gleich klar zu sagen: Auf 80 Nettoseiten bietet die Abhandlung nichts wirklich Neues für diejenigen, die Gorleben von Anfang an beobachten. Diesen Anspruch habe das Büchlein auch nie gehabt, gibt Lilo Wollny zu. Ihr sei es vielmehr darum gegangen, die Zusammenhänge für die Jugend klarzumachen. Sie will die Geschichte einer "Wahnsinns- Vermessenheit", eines "Entsorgungsskandals" erzählen. Denn seit 1955 sei man in der Atommüllendlagerung nicht einen Schritt weitergekommen, habe immer nur neue Verschiebebahnhöfe geschaffen - und immer noch gebe es keine Endstation. So wird das Buch zu einer guten Einstiegslektüre. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

"Die Geschichte des Endlagerprojekts in Gorleben - das ist eine endlose Aneinanderreihung von Täuschungen, Nötigungen, Verunglimpfungen, Rechtsbeugungen und Vertuschungen", schreibt Wollny in ihrer Einleitung. Um danach mit Belegen, teilweise auch Mutmaßungen ihre Worte zu stützen. Als roten Faden will Wollny den Lesern vor allem dies verdeutlichen: daß die Entscheidung für Gorleben eine politische, nicht aber
eine geologische war; daß es von Anfang an immer um den Bau eines Endlagers ging und nicht bloß um eine Erkundung; daß die Politik immer willfährig der Industriebranche gefolgt ist. Wollnys Argumente dafür sind stark und einsichtig.

Die Autorin erinnert an die drei Waldbrände im Sommer 1975: zwei an Orten, die für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) ausgeguckt waren, ein Brand zusätzlich im Raum Gorleben, wo ein NEZ zwei Jahre später tatsächlich hin sollte. Sie erinnert an"Tricks", mit denen Landbesitzern Kaufangebote unterbreitet wurden. Und sie erinnert daran, daß es für Gorleben allenfalls immer nur vage Eignungskriterien gegeben habe, von denen einige sogar aus dem Stand zu widerlegen waren. Wollny: "Der saloppe Umgang der Atomlobby mit den eigenen Sicherheitskriterien hat uns immer wieder verblüfft."


Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
Kurzvorstellung des Buches auf unseren Seiten!

Bearbeitet am: 15.12.1998/ad


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