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vom  23.12.1998

HEW-Chef stellt sich quer
Von Eckart Gienke        

Hamburg. Kaum scheint in der Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergie vorweihnachtliche Ruhe eingekehrt, da sorgt der Chef der Hamburgischen Electricitäts- Werke AG (HEW) für einen Paukenschlag.

Mit ihm, so stellte Manfred Timm klar, werde es einen Ausstieg innerhalb von 20 Jahren ohne volle Entschädigung nicht geben. Mindestens 40 Jahre müßten die Anlagen unter Vollast laufen. Notfalls will der kämpferische Norddeutsche allein vor das Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe ziehen, um die Interessen seiner Kunden und Aktionäre zu sichern. Damit stört Timm die Harmonie in der Branche, die bislang Kompromißfähigkeit in dieser Frage signalisierte und nach verschiedenen Berichten einem Ausstieg innerhalb von 20 Jahren schon zugestimmt haben soll.

Heute kommen die Spitzenmanager der Stromwirtschaft in München zusammen, um die Marschroute für die Konsensgespräche im Januar festzulegen. Dann werden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinen Ministern andere Männer gegenüber sitzen, als bei dem Vorgespräch im Dezember. Waren in der ersten Runde die Konzernchefs von Viag, Veba und RWE beim Kanzler und seinem Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos), so werden in den eigentlichen Gesprächen die Vorstandsvorsitzenden der Stromtöchter wie PreussenElektra und Bayernwerk auf der anderen Seite sitzen. Diesen Unternehmen gehören die Kernkraftwerke in Deutschland und sie stehen in der aktienrechtlichen Verantwortung, die ihnen Abmachungen zu Lasten der Aktionäre verbietet.

Auch Timm wird im Januar dabeisein. Die HEW, die nicht zu einem Großkonzern gehören, sind einer der kleineren Stromerzeuger in Deutschland. Sie weisen aber von allen Unternehmen den höchsten Kernenergie-Anteil auf und beziehen in Spitzenjahren 80 Prozent ihres Stroms aus den HEW-Anteilen an den Kernreaktoren in Brokdorf, Stade, Krümmel und Brunsbüttel. "Die anderen Unternehmen sprechen über einen Teil ihrer Kraftwerke, wir über fast alle", sagte Timm.

Timm will das Konsensstreben zwischen Politik und Energieversorgern nicht
grundsätzlich in Frage stellen.   Wir akzeptieren die demokratische Entscheidung der Wähler", sagte er. Der HEW-Chef stellte aber klar, daß in den Konsensgesprächen das ganze Paket strittiger Fragen wie Wiederaufarbeitung und Endlagerung verhandelt werden müsse.

Bearbeitet am: 23.12.1998/ad


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