vom 11.02.1998

Kritik der Grünen-Kreistagsfraktion: BLG kontrolliert sich selbst

"Nachträglich Daten hinzugefügt"

 

Ir Lüchow. Eine Auswertung der veröffentlichten offiziellen Meßdaten des Castor-Transportes vom März vergangenen Jahres durch das beratende Mitglied der Grünen-Fraktion im Atomanlagen-Ausschuß des Landkreises, Udo Jentzsch, lasse erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Messungen, aber auch an der Einhaltung der Aufsichtspflicht der zuständigen Überwachungsbehörden aufkommen. Mit diesen Worten beginnt ein Schreiben, mit dem sich Herbert Waltke namens der Grünen-Kreistagsfraktion zu Wort meldet.

So sei es beispielsweise skandalös, "daß offensichtlich im Rahmen der Gefahrgutverordnung die zuständigen Behörden, nämlich die Deutsche Bundesbahn (DB) und das Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Lüneburg, keine eigenständigen Messungen durchgeführt haben, sondern sich auf Angaben des Betreibers, die BLG, verlassen", kritisiert Waltke: "Dies läßt sich anhand eines Bundesbahnprotokolles vom GlaskokillenTransport aus dem Jahre 1996 nachweisen, in dem offensichtlich nachträglich Meßdaten der BLG hinzugefügt wurden."

Im Klartext heiße dies: Die BLG kontrolliere sich selbst! Das Protokoll habe übrigens erst auf dem Klageweg per Akteneinsicht eingesehen werden können. Für die Messungen aus dem Jahr 1997 verweigere die Bahn mit Hinweis auf "Datenschutz" und "Amtsgeheininis" die Freigabe der Meßdaten auch an Behörden und politische Gremien des Landkreises. Waltke: "So einfach ist das, wenn es im Atombetrieb um den Schutz der Bevölkerung geht! "

Skandalös sei auch folgender Sachverhalt: Messungen, die nach den Bestirrnnungen des Strahlenschutzgesetzes für Begleitpersonen vom Niedersächsischen Umweltminist&ium (NMU) durchgeführt worden seien, wichen erheblich von Umrechnungen der Messungen ab, die das GAA im Rahmen der Gefahrgutver-
ordnung veröffentlicht habe. Die Ergebnisse widersprächen sich sogar. So nähmen zum Beispiel bei den drei eingelagerten V-19-Behältern laut Meßdaten des NMU die Dosisleistungen mit zunehmender Behälternummer ab, während sie nach Messungen des Lüneburger Gewerbeaufsichtsamtes zunähmen, gibt Waltke zu bedenken. Diese Meßergebnisse habe das Aufsichtsamt kurzerhand und der Einfachheit halber von der BLG übemommen!

Ein weiterer Punkt macht nach Ansicht der Grünen nachdenklich: "Es besteht der begründete Verdacht, daß ein im März 1997 eingelagerter Castor mit Glaskokillen den Grenzwert der Gefahrgutverordnung nach den neuen EU-Richtlinien bereits überschritten hatte. Hätte die Bundesregierung die Umsetzung dieser Richtlinien, wozu sie bis zum März des Jahres 2000 zwingend verpflichtet ist, nicht so lange hinausgezögert, hätte dieser Castor möglicherweise nicht transportiert werden dürfen.

Diese und andere Ungereimtheiten sind Grundlage eines Antrages der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen für die Sitzung des Atomanlagen-Ausschusses am heutigen Mittwoch ab 14.30 Uhr im Sitzungssaal des Kreishauses. "Ziel des Antrages ist es, die Auf sichtsbehörden aufzufordem, vor dem Ausschuß, öffentlich und umgehend Stellung zu nehmen", wurde die EJZ von Herbert Waltke informiert.

Zu diesem siehe auch:
"Wie stark strahlt der Castor wirklich?
und
EJZ vom 13.02.1998


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